Konzentriert, aufmerksam, fokussiert

Gibt die Richtung für das Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt vor: Florian Kohfeldt (Foto: hansepixx).
Profis
Mittwoch, 01.11.2017 // 15:46 Uhr

Von Yannik Cischinsky

Dass die Fotografen schon am frühen Morgen am Weser-Stadion auf das beste Bild lauern, überrascht Florian Kohfeldt nicht. Auch nicht, dass rund 40 Journalisten bei der Pressekonferenz auf den Interimstrainer der Grün-Weißen warten. Neu ist für den 35-Jährigen nur, dass ihm Blitzlichtgewitter und Aufmerksamkeit gelten. „Ich kenne die Mechanismen und das überrascht mich nicht, nur galten die Blicke früher meist eher der Person oder dem Auto hinter oder vor mir“, sagt Kohfeldt mit einem Schmunzeln. Das ist zumindest in dieser Woche anders.

Am Mittwochmittag hat der Fußballlehrer seine erste Pressekonferenz als Coach der Bundesliga-Profis gegeben. Aus seiner Zeit im Erstliga-Trainerteam von Oktober 2014 bis September 2016 profitiert Kohfeldt, aber nicht nur vor Kameras und Mikrophonen. „Ich habe damals auch eine Mannschaft in dieser schwierigen Situation kennengelernt“, sieht der ehemalige Co-Trainer von Viktor Skripnik eine gewisse Parallele zu damals. Allerdings: „Da hatte ich eine andere Funktion. Meine jetzige Rolle bringt andere Aufgaben mit sich.“

Florian Kohfeldt stellte sich vor dem Frankfurt-Spiel den Fragen der Medien (Foto: nordphoto).

Jetzt trägt Kohfeldt die Verantwortung, die Mannschaft bestmöglich auf Freitag einzustellen. Für die optimale Vorbereitung wird zweimal hinter verschlossenen Türen trainiert. Keine Zuschauer, keine Medien, keine Störgeräusche. „Mir war wichtig, in Ruhe arbeiten zu können. Und ohne, dass ein Frankfurt-Scout am Zaun steht." Erst das Abschlusstraining am Donnerstagnachmittag wird öffentlich zugänglich sein. Ebenfalls nicht ohne Hintergedanken. „Wir wollen uns nicht verstecken, den Kontakt zur 'realen Welt' kappen und dann plötzlich in Frankfurt im Stadion erschrecken. Die Spieler sollen mitbekommen, wie die Stimmung draußen ist und Kontakt zu den Fans haben. Das ist wichtig. Wir müssen uns der Situation stellen.“

Auch neben der Trainingsarbeit, bei der Kohfeldt kleinere taktische Veränderungen und Akzentuierungen in den Abläufen ins Zentrum rückt, setzt der Interimstrainer an. „Ich habe oder werde mit jedem Spieler aus dem Kader ein Vier-Augen-Gespräch führen, um zu hören, wie sie die Situation einschätzen und sich persönlich sehen.“ Der Plan, das unterstreicht Kohfeldt, kommt allerdings ganz klar vom Trainerteam. „Die Richtung muss vorgegeben werden. Das ist ein grundsätzliches Prinzip meiner Tätigkeit.“

Frühmorgens, wenn die Fotografen vor dem Eingang zur Trainerkabine Position beziehen, beginnt er mit der Arbeit, erst spätabends läutet Kohfeldt den Feierabend ein. Die Zeit bis zum Frankfurt-Spiel ist kurz, die Arbeitstage deshalb lang. Doch die ersten Eindrücke stimmen ihn optimistisch. „Ich habe eine sehr konzentrierte, aufmerksame und fokussierte Mannschaft vorgefunden. Das ist sicherlich auch Ergebnis dessen, dass alle die Lage und ihre Rolle reflektiert haben. Jeder weiß, in welcher Situation wir stecken“, berichtet Kohfeldt. Und: "Ich bin mir sicher, dass die Jungs eine Reaktion zeigen werden."