Zwei wichtige Blickwinkel

Werders Co-Trainer bringen ihre Perspektiven ein

Florian Kohfeldt profitiert von den unterschiedlichen Werdegängen und Perspektiven seiner Co-Trainer Thomas Horsch (li.) und Tim Borowski (re.) sehr (Foto: nordphoto).
Profis
Dienstag, 09.01.2018 // 17:47 Uhr

Sie sind Florian Kohfeldts wichtigste Ratgeber in der täglichen Arbeit: Thomas Horsch und Tim Borowski. Zwei Co-Trainer mit ganz unterschiedlichen Werdergängen und Blickwinkeln. Doch gemeinsam bilden sie Werders Trainerteam, das seit dem Amtsantritt vor gerade einmal zweieinhalb Monaten zu einem echten Team gewachsen ist. Das großes Plus der Konstellation: Cheftrainer Florian Kohfeldt und die Mannshaft profitieren von den verschiedenen Herangehensweisen der beiden Assistenten. 

Wie Kohfeldt stand auch Thomas Horsch früher selbst zwischen den Pfosten. Als Keeper spielte er unter anderem bei Atlas Delmenhorst in der Regionalliga, seine Laufbahn beendete er beim Bremer SV in der Oberliga. Trainer wurde der heute 49-Jährige allerdings eher zufällig - und zwar durch den älteren seiner beiden Söhne. Damals arbeitete Horsch noch für eine Krankenkasse. „Die Jugendtrainer standen nicht gerade Schlange“, erzählt der DFB-Fußballlehrer, der einfach „nicht schnell genug weggekommen“ sei, mit einem Schmunzeln. Viele Jahre arbeitete Horsch anschließend in der Jugend des VfL 07 Bremen, 2008 bekam er ein Angebot des DFB als Stützpunktkoordinator. 

WM-Teilnehmer, Doublesieger - und jetzt Teil des Trainerteams: Tim Borowski (Foto: nordphoto).

Er machte sein Hobby zum Beruf. Ein knappes Jahrzehnt später ist Horsch in der Bundesliga angekommen. „Überragend“, findet er noch heute. Da müsse man sich schon das eine oder andere Mal kneifen. Und doch ist der gebürtige Bremer auch froh, „nicht alles auf diese Karte gesetzt“ zu haben.

Ganz anders Tim Borowski. Früh gab der talentierte Neubrandenburger alles für den großen Traum Fußballprofi auf, wechselte mit 16 ins WERDER Leistungszentrum. Und bekam Recht. Er lebte für den Fußball. Auf 236 Bundesligaspiele kann Borowski zurückblicken, er gewann mit Werder das Double, war Champions-League-Stammgast und spielte 2006 bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land sechs von sieben Spielen der DFB-Elf. 2008, als Kollege Horsch gerade in die Talentförderung wechselte und erstmals hauptberuflich mit dem Sport sein Geld verdiente, nahm Borowski für Deutschland an der Europameisterschaft teil.

Seit 2012 DFB-Fußballlehrer, seit drei Monaten im Trainerteam: Thomas Horsch (Foto: nordphoto).

Horsch ist mit seinen 49 Jahren der älteste im Trainerteam. Seit fast 25 Jahren ist der Findorffer verheiratet, beide seiner Söhne sind mittlerweile erwachsen. „Ich kann die Sache mit etwas mehr Gelassenheit angehen“, schmunzelt Horsch. Neben der fachlichen Qualifikation, die beide grün-weiße Co-Trainer zweifelsfrei vorweisen können, bringt Horsch die Komponente 'Lebenserfahrung' ein, Borowski insbesondere viele Erfahrungen aus dem professionellen Fußballgeschäft auf höchstem Niveau. 

Borowski, der erst wenige Wochen vor seiner Beförderung, als U 17-Co-Trainer zu Werder zurückgekehrt war, hat die DFB-Elite-Jugend-Lizenz in der Tasche. Als nächstes soll die Trainer A-Lizenz folgen. Auch wenn das im stressigen Bundesliga-Alltag schwierig ist, sei das sein „eigener Anspruch“, betont der 37-Jährige Ex-Mittelfeldakteur.

Bei seiner jetzigen Trainertätigkeit kann Borowski noch viel von seiner insgesamt elfjährigen Karriere profitieren. „Als Mittelfeldspieler muss man viel überblicken, immer antizipieren und vorausschauen“, blickt er auf seine eigene aktive Vergangenheit zurück. Das hilft. „Idealerweise coacht ein Keeper von ganz hinten bis ganz vorne und macht sich deswegen viele Gedanken über das Spiel“, sagt Horsch über die Rolle seiner Paradedisziplin, die des Schlussmanns. Auch bei der Arbeit auf dem Platz können Tim Borowski und Thomas Horsch also ganz unterschiedliche Perspektiven einbringen.