Alles verdauen, Zeit nutzen und bereit sein

Werder und Zlatko Junuzovic, hier im Zweikampf mit Gojko Kacar, stehen drei Endspiele bevor (Foto: nordphoto).
Profis
Sonntag, 24.04.2016 // 12:27 Uhr

von Maximilian Hendel

Werders Geschäftsführer Sport, Thomas Eichin, sollte recht behalten mit seiner Vorhersage, dass im Tabellenkeller gepunktet wird. Doch die aus Bremer Sicht immerhin etwas erleichternde

Mitteilung des Bundesliga-Samstags kam am späten Nachmittag aus der mehr als 600

Kilometer weiter südlich gelegenen baden-württembergischen Landeshauptstadt.

Dort konnte Borussia Dortmund den VfB Stuttgart, bekanntlich direkter Tabellennachbar und kommender Kontrahent der Grün-Weißen im Weser-Stadion, in die Schranken weisen.

Wenige Stunden zuvor, nach kurzem, schlechten Schlaf, der anschließenden Behandlung und der Nachbereitung kreisten die Gedanken der erschöpften Werder-Akteure jedoch noch um den schmerzlichen eigenen Rückschlag im Ringen um den Klassenerhalt. „In mir ist einfach nur Enttäuschung, weil wir das verloren haben, was wir nie verlieren wollten: das Derby!“, gab Zlatko Junuzovic geknickt preis, während Claudio Pizarro noch sein Elfmeterduell mit Jaroslav Drobny nachhing: „Er hat Erfahrung, lange gewartet und ich habe den Ball nicht richtig getroffen“, meinte Werders Rekordschütze, „es ist sehr schade, dass mir das ausgerechnet im Nordderby passiert ist, wo wir unbedingt die Punkte brauchten.“ Dessen ungeachtet war nicht nur Junuzovic klar: „Elfmeter können auch verschossen werden. Trotzdem haben wir acht Minuten später das Anschlusstor gemacht und immer weiter gedrückt.“

Fehleranalyse und der Blick nach vorn

Claudio Pizarro: "Haben es in der eigenen Hand" (Foto: nordphoto).

Die Wurzeln dieser Niederlage wuchern sowieso ganz woanders. Viel schwerer wog die schwache erste Halbzeit, mit der sich die Mannschaft ins Hintertreffen gebracht hatte. „Der HSV hat es am Anfang sehr gut gemacht“, sagte der österreichische Nationalspieler, betonte allerdings unverblümt: „Das müssen wir uns ankreiden lassen. Teilweise sind wir da überrumpelt worden.“ Nicht zum ersten Mal in dieser Spielzeit schlichen sich Fehler ein, „die sofort bestraft werden.“ Die eigene Inkonstanz ist den Grün-Weißen bisher allzu oft eine unliebsame Begleiterin dieser nervenaufreibenden Monate geblieben.

„Auch wenn das nicht ganz einfach zu verdauen ist, übermorgen gehört es zur Vergangenheit, dann geht es weiter“, blickte Pizarro bereits voraus, „wir haben es in der eigenen Hand.“ So schonungslos seit Abpfiff die Fehleranalyse vorangetrieben wurde, ging es in der Aufarbeitung eben vor allem auch ums Schütteln, ums Aufrichten und darüber, unentwegt die weiterhin überzeugend positiven Dinge in den Mittelpunkt zu rücken. Gerade jene aus einer absolut dominanten zweiten Halbzeit gegen den HSV. „Wir müssen es in die Köpfe bekommen, dass wir nach Wiederanpfiff Fußball gespielt haben und Chancen hatten, das Ding zu drehen“ - darauf hatte Fin Bartels noch in den Katakomben des Volksparkstadions energisch gedrängt.

Wir werden mit Leidenschaft, Herz und Fußball versuchen, das Ding herumzureißen.
Fin Bartels

Gestern unterstrich Junuzovic: „Wichtig ist, nach dieser sehr intensive Woche für uns, die Zeit zu nutzen und den körperlichen Zustand wieder ins Optimale zu bringen.“ Genauso gelte es, neuen Mut zu schöpfen. Wir müssen da durch, vom Kopf her bereit sein und an uns glauben, dass wir es selber schaffen können. Und das werden wir auch!“

Noch mehr als acht Tage mitsamt einer ausgiebigen Vorbereitungswoche liegen vor den Bremern, bevor die Grün-Weißen am übernächsten Montagabend daheim mit einem Schlag all das ausmerzen können, was sie am vergangenen Freitagabend noch haben verstreichen lassen. Nur zwei Punkte muss Werder zum VfB auf den rettenden 15. Platz aufholen. Bartels jedenfalls glaubt: „Die Fans werden uns nach vorne pushen und wir auf dem Rasen Vollgas geben, komplett mit Leidenschaft und Herz und Fußball versuchen, das Ding herumzureißen.“ Im dann ersten von nun „drei Endspielen“, wie es Claudio Pizarro treffend etikettierte.