Derby-Rückblick Teil II: Fünf Treffer für die Ewigkeit

Claudio Pizarro feierte im Mai 2010 sein Nordderby-Hackentor, das ihn zum erfolgreichsten ausländischen Torschützen der Liga machte - zu diesem Zeitpunkt noch gemeinsam mit Giovane Elber (Archivfoto: nph).
Profis
Donnerstag, 26.11.2015 // 18:22 Uhr

Exakt 300 Mal zappelte das Leder beim Duell Werder gegen den HSV schon im Netz, gerecht verteilt auf je 150 Tore pro Team. Treffer gab es also jede Menge im traditionsreichen Nordderby: Mal waren sie wunderschön, mal extrem wichtig, teilweise denkwürdig, eher seltener nur Beiwerk. Zwar endeten die Auseinandersetzungen der Hansestädte schon neumal mit 0:0 - so oft wie keine andere Partie im deutschen Fußball-Oberhaus - doch seit dem Jahrtausendwechsel ist es vorbei mit der Torflaute beider Klubs.

Im zweiten Teil der Nordderby-Serie blickt WERDER.DE auf die fünf bedeutsamsten Werder-Tore im „ewigen Duell" und ihre Protagonisten.

Dreierpack zum Startschuss

Arnold „Pico" Schütz, 12.10.1963, 7. Spieltag, 47. Minute zum 3:1, Endstand 4:2

Schon seit 1927 begeistert das Duell um die „Nummer eins im Norden" die Massen, doch mit dem Start in die Bundesliga 1963 stieß das Nordderby in neue Dimensionen vor. Bei der allerersten Auflage am 7. Spieltag vor der Rekordkulisse von 39.000 Zuschauern, steuerte der überragende Arnold „Pico" Schütz drei Tore bei. Vor allem der 30-Meter-Schuss der Werder-Legende zum zwischenzeitlichen 3:1 kurz nach der Pause ging als „die Granate" in die Annalen ein. Der Ehrenspielführer verstarb im April diesen Jahres kurz vor dem letzten Duell der Nordrivalen. Zu seinen Ehren gab es eine Minute, in der beide Teams und Fanlager zu seinen Ehren klatschten. (Zum W.TV-Bericht)

Vom Punkt in den Ruhestand

Viktor Skripnik, 01.05.2004, 31. Bundesliga-Spieltag, 84. Minute zum 6:0-Endstand

Ein Treffer, so trocken und wie sein Schütze. Mit einem souverän verwandelten Elfmeter trug sich der heutige Cheftrainer Viktor Skripnik in die Torschützenlisten der Doublesieger von 2003/04 ein. Es war der Treffer zum 6:0-Endstand, dem höchsten Werder-Sieg im Nordderby überhaupt. Für Routinier Skripnik, der nach der Saison seine aktive Laufbahn beendete, war es der siebte und zugleich letzte Treffer seiner Karriere. „Natürlich war das ein sehr angenehmes Gefühl, diesen Elfmeter vom Team ‚geschenkt‘ zu bekommen, aber wir waren in den Gedanken schon ganz in München und bei der Meisterschaft", blickt Skripnik zurück. (Zum Spielbericht / W.TV-Highlights)

Wie aus Papier Geschichte wurde

Frank Baumann, 07.05.2009, UEFA-Cup-Halbfinale, 83. Minute zum 3:1, Endstand 3:2

Der Mai 2009 stand ganz im Zeichen der Derby-Wochen. Wohl kein Werder-Fan wird jemals die vier denkwürdigen Spiele gegen den HSV innerhalb von nur 19 Tagen vergessen. Nach dem Weiterkommen im Elfmeterschießen im DFB-Pokal zum Auftakt gebührte der Höhepunkt ausgerechnet einem, der ansonsten äußerst ungern im Rampenlicht steht: Frank Baumann. Und einer unscheinbaren, kleinen Papierkugel, dank derer Michael Gravgaard den Ball unglücklich zur Ecke bugsierte. Den fälligen Standard, getreten durch Diego, verlängerte Hugo Almeida an den langen Pfosten, wo sich Werders Ehrenspielführer ohne Rücksicht auf Verluste per Kopf in den Ball warf und ihn zum vorentscheidenden 3:1 über die Linie drückte. Eine einmalige Geschichte... (Zum Spielbericht / W.TV-Highlights)

Pizarros Rekordtor

Claudio Pizarro, 08.05.2010, 34. Spieltag, 58. Minute zum 1:0, Endstand 1:1

Wie schon bei den Derby-Wochen 2009 gab es zwischen den Nordrivalen auch im Jahr darauf ein Herzschlagfinale. Am letzten Spieltag sorgte Claudio Pizarro mit einem herrlichen Hackentreffer dafür, dass sich Werder noch die Chance auf die Champions League erhielt. Und der Peruaner schrieb auch persönlich Geschichte. Der Treffer in der 58. Minute auf Vorlage von Clemens Fritz war „Pizas" 133. Bundesliga-Treffer. Er zog damit mit Giovane Elber als erfolgreichster ausländischer Torschütze der Bundesliga-Historie gleich. In der darauffolgenden Saison holte sich Pizarro diesen Titel dann alleinig. Sein Treffer gegen den HSV bleibt dennoch für immer in seinem Gedächtnis. Mit 19 Toren aus 24 Spielen ist Pizarro übrigens Werders erfolgreichster Torschütze in der Nordderby-Geschichte. (Zum Spielbericht / W.TV-Highlights)

Jubeltor zum Jubiläum

Zlatko Junuzovic, 01.03.2014, 23. Bundesliga-Spieltag, 19. Minute zum 1:0-Endstand

Wuchtiger Kopfball Santiago Garcia, sehenswerter Hackentrick Aaron Hunt, eiskaltes Tor Zlatko Junuzovic: Nur diese drei Stationen brauchte die goldene Kombination im feierlichen 100. Nordderby im Weser-Stadion vor anderthalb Jahren. Insbesondere die Hackenvorlage hinter dem eigenen Rücken über die gesamte Abwehr des Ex-Werderaners und jetzigen HSV-Spielers Hunt war der Schlüssel zum Sieg in dem prestigeträchtigen Jubiläum. Das 1:0 wurde von den Fans später zum "Werder-Tor" der Saison gewählt. (Zum Spielbericht / W.TV-Highlights)

Von Yannik Cischinsky