Zu Hause im Mittelfeld, zu Hause bei Werder

Ein Gewinner der Vorbereitung: Florian Grillitsch feierte gegen Schalke 04 sein Bundesliga-Debüt (Foto: nph).
Profis
Donnerstag, 20.08.2015 // 14:23 Uhr

Bremer Bundesliga-Luft. 20 Minuten lang durfte Florian Grillitsch sie am Samstag gegen Schalke 04 schnuppern, die Eindrücke aufsaugen und sie für immer in seinem Gedächtnis speichern. "Das war ein echter Gänsehautmoment. Ich habe immer davon geträumt", blickt der Mittelfeldakteur auf seine Premiere in der höchsten Spielklasse zurück. Eine Woche nach seinem 20. Geburtstag und dem Pflichtspieldebüt im Pokal war der Einsatz für Grillitsch ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Bundesliga-Profi.

WERDER.DE hat mit Florian Grillitsch über seinen Weg beim SVW, attestierte "Schleicher"-Qualitäten und die österreichische Tradition im grün-weißen Trikot gesprochen.

WERDER.DE: Bei der Unterschrift deines ersten Profivertrags im April hast du gesagt, du möchtest dich "durchsetzen und in der Bundesliga auflaufen". Gegen Schalke hast du dieses Ziel erreicht - und jetzt?

Florian Grillitsch: "Ganz einfach: Ich will so weiter machen, mich im Training empfehlen und so viele Einsatzminuten sammeln wie möglich. Dann schauen wir, was dabei herumkommt. Wenn ich die Möglichkeit bekomme, dann will ich Leistung zeigen."

WERDER.DE: Rouven Schröder hat mal gesagt, du seist neben deinem fußballerischen Talent und der Schnelligkeit auch ein "schöner Schleicher" - was meint er denn damit?

Florian Grillitsch (lacht): "Das weiß ich nicht! Vielleicht jemand, der sich vor den Abwehrspielern verstecken kann, der der Deckung entkommt. Aber das mache ich nicht bewusst. Ich muss Rouven mal direkt fragen, was er damit gemeint hat."

WERDER.DE: In der U 23 kamst du häufig im Sturm zum Einsatz, eine ungewohnte Position für dich. Jetzt setzt Skripnik eher im Mittelfeld auf dich. Wo fühlst du dich zu Hause?

Florian Grillitsch: "Eigentlich habe ich schon immer im zentralen Mittelfeld gespielt. In der U 19, als ich zu Werder gekommen bin, habe ich schon manchmal im Sturm gespielt, in der U 23 dann vermehrt. Ursprünglich bin ich aber gelernter Mittelfeldspieler und jetzt hat sich diese Position auch wieder heraus kristalisiert. Meine Stärken sind das Passspiel, der Zug zum Tor, aber in der Defensivarbeit kann ich sicherlich noch einiges verbessern. Jetzt spiele ich im Mittelfeld, wo ich am liebsten auflaufe."

WERDER.DE: Aus der U 23 kennst du auch Maximilian Eggestein ...

Florian Grillitsch: "Ja, mit Maxi verbringe ich sehr viel Zeit. Er ist ein guter Kumpel, mit dem ich eine Menge Spaß habe. Wir verstehen uns auf und neben dem Platz richtig gut."

WERDER.DE: Werder setzt auf die Jugend und gibt den Nachwuchsspielern viel Verantwortung. Spürst du eher hohe Erwartungen oder beflügelt dich das Vertrauen?

Florian Grillitsch: "Für mich persönlich ist das natürlich ein guter Weg, aber ich denke, es ist auch die richtige Philosophie für den gesamten Verein, die Spieler aus der Jugend irgendwann im Weser-Stadion spielen sehen zu wollen. Diesen Weg hat Werder gut eingeschlagen und es sollte der Weg bleiben. Natürlich brauchen wir auch etablierte Kollegen, die führen, da haben wir mit Sicherheit einen guten Mix.

WERDER.DE: Gibt es jemanden, an dem du dich orientierst?

Florian Grillitsch: "Ich ziehe mich natürlich an denen hoch, die schon viele Bundesliga-Partien absolviert haben. Juno, Clemens und Bargi sind das für mich vor allem."

WERDER.DE: Es gibt bei Werder eine große österreichische Tradition unter anderem mit Bruno Pezzey, Andreas Herzog und auch Zlatko Junuzovic. Hat sich Werder in den Alpen als attraktives Ziel rumgesprochen?

Florian Grillitsch: "Ich weiß es nicht. Vielleicht steht Werder einfach auf Österreicher (lacht). Nein, ganz im Ernst, ich weiß es nicht. Bremen ist eine schöne, grüne Stadt, in der ich mich sehr wohl fühle. Nur die Berge gibt es leider nicht."

WERDER.DE: Du sprichst es an. Mit 17 bist du alleine nach Bremen gekommen. Vermisst du Heimat und Berge?

Florian Grillitsch: "Natürlich bin ich froh, wenn ich mal zuhause bin, die Familie samt Freunden treffe und in den Bergen bin. Im Winter zum Beispiel, zum Skifahren. Das genieße ich. Aber ich vermisse meine Heimat nicht. Ich habe hier viele neue Freunde gefunden und fühle mich zu Hause."

Interview von Yannik Cischinsky und Svend-Philipp Kallmayer