Ein Trio trumpft auf

Jubel der Youngster: Die Torschützen Davie Selke und Levent Aycicek trafen gegen Paderborn je einmal (Foto: Gumz).
Profis
Samstag, 29.11.2014 // 20:44 Uhr

Der 4:0-Heimerfolg war auch der Tag der "jungen Wilden" beim SV Werder. Für viele überraschend fanden mit Davie Selke, Levent Aycicek und Janek Sternberg gleich drei blutjunge Akteure den Weg in die Startelf ...

Der 4:0-Heimerfolg war auch der Tag der "jungen Wilden" beim SV Werder. Für viele überraschend fanden mit Davie Selke, Levent Aycicek und Janek Sternberg gleich drei blutjunge Akteure den Weg in die Startelf der Grün-Weißen. Mit der Einwechslung in der 83. Minute feierte dann auch noch Maximilian Eggestein sein Debüt im Oberhaus und wurde damit hinter Thomas Schaaf zum zweitjüngsten Bundesliga-Spieler der Vereinsgeschichte.

„Irgendwann muss man die jungen Spieler auch mal ins kalte Wasser schmeißen und gucken, ob sie schwimmen können. Heute war eine gute Gelegenheit dafür und sie haben es alle sehr gut gemacht", kommentierte Cheftrainer Viktor Skripnik die Aufstellung seiner Mannschaft cool. Die Akteure dankten es ihrem Trainer, mischten das Weser-Stadion auf schrieben während der 90 Minuten ihre ganz eigenen Geschichten.

Levent Aycicek: Auf Tim Wieses Spuren

Startelfdebüt in der Bundesliga, garniert mit einem sehenswerten Treffer. Was für ein Abend für Levent Aycicek. „Es war wie im Traum, einfach nur richtig geil", strahlte der 20-jährige Spielmacher. Seit sechs Jahren trägt er das Werder-Trikot, doch an diesem Abend konnte nicht nur mit seinem Treffer zum 4:0-Endstand zehn Minuten vor Schluss, sondern auch nach Abpfiff beweisen, dass er ein echter Werderaner ist. „Ich habe als Fan früher Tim Wiese auf den Zaun klettern sehen, heute stand ich selber drauf. Ich hatte zuerst etwas Muffensausen, habe mich aber sehr geehrt gefühlt", so Aycicek der mit den Fans den „Andre-Wiedener" tanzte. Und wie im Spiel, machte er auch hier eine gute Figur. „Levent kann super singen, das macht er auch gerne unter der Dusche. Deswegen haben sie den richtigen ausgesucht", konstatierte Offensiv-Kollege Selke lachend.

Doch trotz starker Leistung und einer Euphorie-Welle, die den Youngster erfasste, bleibt Aycicek fokussiert: „Die Partie heute ist keine Garantie, dass ich weiterhin spiele. Es geht nur über gute Leistungen im Training." So hatte sich der gebürtige Nienburger für die erste Startelfnominierung empfohlen. „Der Trainer kennt mich seit vielen Jahren. Er hat mich nach meinen Verletzungen wieder aufgebaut und gesagt, ich müsse geduldig sein. Das bin ich auch weiterhin."

Davie Selke: Zu Hause ist's halt am schönsten

Der erfahrendste unter den jungen Wilden ist Davie Selke. Doch auch für den Stürmer gab es heute eine Premiere - das zwischenzeitliche 2:0 war sein erster Bundesliga-Treffer im heimischen Weser-Stadion. „Heute ist ein sehr, sehr schöner Tag für mich. Es war mein erstes Tor hier, das ist ein unglaubliches Glücksgefühl", so der U19-Europameister. „Ich hatte schon in der ersten Halbzeit ein, zwei Chancen, die ich nutzen kann. Deshalb bin ich sehr froh, dass mir der Ball da vor den Kopf gefallen ist und ich mit den Fans feiern konnte."

Selke freute sich aber nicht nur über seinen ersten Heimtreffer, sondern auch über die Einsätze der früheren U 23-Kollegen. „Es freut nicht nur mich, dass alle heute ein ordentliches Spiel gemacht haben, sondern den gesamten Verein. Uns hat es natürlich geholfen, dass wir uns alle aus der U 23 kennen. Wir kennen unsere Laufwege, wissen genau, wann der andere den Ball spielt", erklärte der groß-gewachsene Stürmer.

Janek Sternberg: Ein Traum ist in Erfüllung gegangen

Was für ein Nachmittag für Janek Sternberg. Nach einer guten Runde bei der U 23 und starken Leistungen im Training unter der Woche empfahl sich der 22-Jährige für den Platz hinten links - und hinterließ bei seinem Profi-Debüt einen starken Eindruck. Hinten sicher und mit guten Aktionen nach vorne. „Als der Trainer mir sagte, dass ich spiele, war mein Puls von keinem Gerät dieser Welt mehr zu messen", verriet der Linksverteidiger und fuhr fort: „Es war der Wahnsinn vor so vielen Leuten im Weser-Stadion aufzulaufen. Ich bin überglücklich, dafür beginnt man Fußball zu spielen, um irgendwann einmal in der Bundesliga zu spielen. Ich versuche das jetzt zu genießen. Für mich ist heute ein Traum in Erfüllung gegangen."

Dass Lukas Kruse ihm nach einer knappen Stunde mit einer grandiosen Parade einen Strich durch das Tordebüt machte, konnte der gebürtige Bad Segeberger verkraften. „Ich hatte währenddessen natürlich gehofft, dass der reingeht, aber leider bekommt der Keeper noch die Hand an den Ball. Aber wäre der eingeschlagen, hätte ich gar nicht gewusst, was ich gemacht hätte", so Sternberg schmunzelnd.

Aus dem Weser-Stadion berichten Dominik Kupilas und Yannik Cischinsky