Interview: "Familienmensch" Gebre Selassie privat

Profis
Dienstag, 24.02.2015 // 15:36 Uhr

Vor genau einer Woche hat Theodor Gebre Selassie seinen Vertrag beim SV Werder verlängert. Er und seine Familie würden sich sehr wohlfühlen in Bremen, so ein Hauptgrund des tschechischen Nationalspielers. WERDER.DE ...

Vor genau einer Woche hat Theodor Gebre Selassie seinen Vertrag beim SV Werder verlängert. Er und seine Familie würden sich sehr wohlfühlen in Bremen, so ein Hauptgrund des tschechischen Nationalspielers. WERDER.DE besuchte den Außenverteidiger mit Freundin Leona und Sohn Noe in seiner Wohnung und führte an einem sehr persönlichen Ort ein sehr persönliches Gespräch mit dem 28-Jährigen.

Im ersten Teil des exklusiven Couch-Interviews geht es um den liebevollen Familienvater Gebre Selassie, seinen ungewöhnlichen Werdegang zum Profi sowie sein Leben abseits des Fußballplatzes.

WERDER.DE: Dein Sohn Noe ist jetzt acht Monate alt. Wie man an diversen Spielsachen und Bildern sieht, nimmt er einen großen Teil in eurem Leben ein.

Theodor Gebre Selassie: „Es dreht sich wirklich vieles um ihn. Wie das so ist, wenn man Nachwuchs bekommt, hat sich unser Leben schon sehr verändert (lacht)."

WERDER.DE: Wenn man sieht, wie du bei seinem Anblick strahlst, kann man sich gut vorstellen, dass er dir zusätzliche Motivation und Kraft gibt. Oder kostet er dich auch manchmal Nerven?

Theodor Gebre Selassie: „Er motiviert mich sehr. Vor allem macht er mir klar, dass es wichtigere Dinge gibt als den Fußball. Während meiner Verletzungspause hat er mir Rückhalt gegeben, aber die ersten Monate waren für uns beide sehr anstrengend. Er konnte schlecht schlafen, war alle zwei Stunden wach und hat vor allem meine Verlobte viel Kraft gekostet. Jetzt ist es viel, viel besser."

WERDER.DE: Wie sieht der Alltag bei Familie Gebre Selassie aus? Muss "Papa Theo" manchmal auch die Windeln wechseln?

Theodor Gebre Selassie: „Wenn ich Windeln wechseln muss, dann mache ich das natürlich auch! Wenn ich mit Noe alleine bin, habe ich damit überhaupt kein Problem, aber wenn Leona da ist, darf sie das gerne machen (lacht)."

WERDER.DE: Du hast immer betont, ein Familienmensch zu sein. Wann kommt denn die Heirat?

Theodor Gebre Selassie: „Die ist tatsächlich schon geplant. Wir heiraten im Sommer in der Nähe von Liberec, in Tschechien."

WERDER.DE: Wie würdest du dich selbst als Papa beschreiben?

Theodor Gebre Selassie: „Es fällt mir schwer, über mich selbst zu reden. Auf jeden Fall bin ich sehr stolz und ein Familienmensch. Und wenn Noe bald laufen kann, werden wir sicherlich noch viel mehr zusammen machen können als jetzt. Er hat einfach unglaublich viel Energie…"

WERDER.DE: …wie der Papa. Also wird er auch mal Sportler?

Theodor Gebre Selassie: „Hoffentlich. Vielleicht ja auch Fußballer."

WERDER.DE: Wir haben den Tipp bekommen, dass du ein sehr ehrgeiziger Typ bist – egal ob beim Kickern, Tischtennis oder beim Fußball. Stimmt das?

Theodor Gebre Selassie: „Ja, das stimmt. Mein Problem ist, wenn ich eine Sportart halbwegs kann und ich verliere, dann will ich solange spielen, bis ich gewinne (lacht). Deshalb spiele ich auch nicht gegen meine Verlobte Tennis. Sie hat das professionell gemacht und dann würde ich wohl verlieren.“

WERDER.DE: Apropos, du scheinst Spaß an enorm vielen Sportarten zu haben…

Theodor Gebre Selassie: „Alles mit dem Ball macht mir Spaß. Als wir kleiner waren, haben wir immer Sport getrieben. Meine Schwester ist Profi-Handballerin. Bis zur 6. Klasse habe ich selbst Handball im Verein gespielt, dazu noch bis zur 9. Klasse Volleyball - und Fußball sowieso immer. Meine Mutter wollte, dass ich Eishockey spiele, aber das war mir zu gefährlich. Ein Freund hat den Puck ins Gesicht bekommen und sämtliche Zähne verloren. Heute schaue ich häufig Eishockey, da Leonas Bruder (Pavel Zacha, Anm. WERDER.DE) in Kanada spielt und ein sehr talentierter tschechischer Nachwuchsspieler ist.“

WERDER.DE: Welchen Sport betreibst du heute noch in deiner Freizeit?

Theodor Gebre Selassie: „Gott sei Dank sind um mich herum alle sportverrückt und ich kann mit Leona alles spielen. Sie ist sehr gut im Tennis, Tischtennis, Basketball und natürlich auch Fußball. Damals war sie Tennisspielerin, ihr Vater war ihr Trainer und sie hat immer mit uns Jungs Fußballtennis gespielt. In dieser Phase haben wir uns kennengelernt.“

WERDER.DE: Gab es einen Punkt, an dem du gesagt hast, jetzt konzentriere ich mich ausschließlich auf den Fußball?

Theodor Gebre Selassie: „Das ist schwierig zu erklären und eine lange Geschichte. Fußball habe ich immer nur zum Spaß gespielt. Für meine Eltern war die Schule das wichtigste. Ich habe zwar auch am Gymnasium jeden Tag trainiert, aber nie damit gerechnet, Profi-Fußballer zu werden. In Tschechien ist es nicht leicht diesen Weg zu gehen."

WERDER.DE: Und wie bist du das angegangen?

Theodor Gebre Selassie: „Als ich 18 Jahre alt war, hatten wir unsere Abschlussprüfungen in der Schule. Meine Mutter ist Lehrerin und ich musste mich voll und ganz auf die Prüfungen konzentrieren. Damals habe ich in meinem kleinen Heimatverein in der U 19, das war in der vierten Liga, gespielt. Anschließend bin ich allerdings erstmal als ganz normaler Student zur Universität gegangen, mit dem Rucksack auf dem Rücken morgens mit dem Bus gefahren. So wie alle anderen eben auch. Die erste Mannschaft meines Klubs (FC Vysoèina Jihlava, Anm. WERDER.DE) spielte in der zweiten Liga. Einer der Trainer hat mich in den Kader berufen, ich habe meinen ersten Profi-Vertrag unterschrieben. Da war mir klar, dass ich es mit dem Fußball versuchen muss.“

WERDER.DE: Und deine Mutter war vermutlich weniger begeistert…

Theodor Gebre Selassie: "Sie war unglücklich und der Meinung, als Fußballer könne man nichts erreichen. Es hat drei, vier Jahre gedauert, bis sie es akzeptiert hat. Erst als ich schließlich Nationalspieler wurde, konnte sie es langsam nachvollziehen. Mein Vater dagegen fand das gut. Er ist Arzt. Er hat gesehen, dass Sport gesund hält und man als Profi-Sportler ein längeres Leben haben kann."

Das Interview führten Dominik Kupilas und Yannik Cischinsky


Im zweiten Teil des Gesprächs, das am morgigen Mittwoch auf WERDER.DE erscheint, verrät der sympathische Verteidiger, was es mit seinem "Beastmode" auf sich hat, spricht über seine Liebe zu TV-Serien und warum er in den sozialen Netzwerken so gerne mit den Fans interagiert.