Ailton: ''Das Abseits wird abgeschafft''

Abschied vor der Ostkurve: Am Samstag feiert Ailton sein Abschiedsspiel im Bremer Weser-Stadion.
Profis
Mittwoch, 03.09.2014 // 17:37 Uhr

Er hätte sich keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können, seinen alten Kumpel Ailton anzurufen. Mitten im WERDER Twitter-Chat des „Kugelblitz" mit den Werder-Fans klingelte das Handy des Brasilianers. Am anderen Ende: Claudio Pizarro. „Kommst du am Samstag?", gab Ailton die Frage, die ihm unmittelbar zuvor über Twitter gestellt wurde, direkt weiter und war sofort vertieft in einen Plausch mit dem ehemaligen Stürmerkollegen.

Zwar konnte ihm der Peruaner keine definitive Zusage geben, doch schon jetzt ist Ailtons Gästeliste lang, wenn er am Samstag, 06.09.2014, um 16 Uhr, im Weser-Stadion seine riesige Abschiedsparty feiert. „Das wird ein großer Tag für mich. Dieses Spiel ist ein Geschenk von Werder und dem Gott im Himmel. Ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich mich so verabschieden kann", sagt Ailton.

Als Cowboy auf der Ranch - Ailtons Plan B

Ivan Klasnic, Thomas Schaaf, Torsten Frings und viele weitere Wegbegleiter werden am Wochenende dabei sein, doch am allermeisten freut sich der Protagonist selbst auf Julio Cesar. „Er war für mich am Anfang die wichtigste Person hier in Bremen. Ich habe ihn zwei Jahre nicht gesehen, da er im Norden Brasiliens wohnt. Er kann zwar nicht mehr spielen, aber er kommt als Trainer", so Ailton weiter.

Was wäre der „Kugelblitz" heute, wenn das Toreschießen nie zum Geldverdienen gereicht hätte? „Vielleicht ein Cowboy", gibt der 41-Jährige lachend zur Antwort auf die Frage von Twitter-User @wu13yichen. Doch zum Glück für alle Grün-Weißen schaffte „das Ailton" den Sprung in die Bundesliga, wo er die Fans mit über 100 Treffern beschenkte - 88 davon im Trikot des SVW.

Trotz des Double-Gewinns und Torjägerkanone, seine wichtigste Auszeichnung sei die Wahl zum besten Spieler der Saison 2003/04 gewesen - als erster Ausländer der Bundesliga-Geschichte überhaupt. „Das hat mir sehr viel bedeutet", so Ailton, der noch heute Gänsehaut bekommt, wenn er an die legendäre Meisterschafts-Spielzeit denkt. „Ich kann mich an jede einzelne Partie erinnern. Gegen Hertha habe ich zum Beispiel das erste Tor mit dem Knie gemacht, das zweite durch die Beine des Torhüters."

Micoud als Vorlagengeber einberufen

Am Samstag endet die 21-jährige Profi-Karriere des „Kugelblitz" dann mit einem echten Donnerschlag: In seinem ausverkauften Ex-„Wohnzimmer" sagt Ailton auf Wiedersehen - und zwar 90 Minuten auf dem Feld. „Das ist mein Spiel. Da gibt es keine Chance Ailton auszuwechseln", so der Brasilianer auf die Frage von @SebeckEms.

Auch vor der - neben möglicherweise fehlender Kondition - zweiten großen Gefahr, dem Abseits, hat der Torjäger keine Angst. Es wird einfach abgeschafft. „Es gibt zwar Linienrichter, aber die dürfen ihre Fahne nicht heben", sagt Ailton schmunzelnd. So könne er auch direkt vor dem Tor stehen bleiben um möglichst viele Tore zu schießen. „Ich habe doch extra Johan Micoud für die langen Pässe eingeladen". Einem denkwürdigen Abschiedsspiel mit zahlreichen Ailton-Buden steht also nichts mehr im Weg.

Von Yannik Cischinsky