Mein Debüt, mein Land, mein Ballsack...

Pole in Grün-Weiß: Im U23-Spiel gegen Wolfsburg zeigte Martin Kobylanski vollen Einsatz (Foto: nph).
Profis
Dienstag, 08.04.2014 // 12:57 Uhr

Am sechsten Spieltag, bei Werders 2:0-Erfolg in Hamburg, hallte der Name „Martin Kobylanski" erstmals durch ein Bundesliga-Stadion. Wenn er von diesem „Adrenalinkick" berichtet, strahlt der Angreifer. „Ich hatte damit überhaupt nicht gerechnet. Eigentlich wollte ich vor dem Spiel noch ein Nickerchen machen und mich ausruhen. Aber ich war viel zu hibbelig", verrät ‚Koby‘.

Als ihn die Trainer der U23 vor der Saison nach seinen Zielen fragten, lautete die Antwort des damals 19-Jährigen: „Weiterhin Stammspieler in der U 23 sein, sieben Tore erzielen, ein Training bei den Profis absolvieren und einen Profivertrag unterschreiben." Erfüllen konnte er diese Erwartungen nicht. Er hat sie übertroffen! „Aber darauf ruhe ich mich nicht aus", verspricht der Youngster.

Seit diesem Tag hat sich für ihn sportlich einiges verändert. Weil er derzeit in der Bundesliga vor allem bei Kurzeinsätzen Erfahrung sammelt, holt er sich die nötige Spielpraxis bei der U 23. „Natürlich ist es etwas anderes, vor 40.000 Menschen zu spielen. Aber ich weiß, dass mir die Minuten in der U 23 weiterhelfen. Deshalb bin ich dort gerne dabei", erklärt er. Und dafür, dass er auf dem Boden bleibt, sorgt auch schon die Hierarchie bei den Profis. „Da ich der jüngste Spieler bin, trage ich nach dem Training immer die Bälle", sagt er lachend und nennt das Trainingszubehör liebevoll „mein Ballsack".

Obwohl das Erstliga-Debüt des Torjägers noch nicht lange zurückliegt, ist der Name Kobylanski Bundesliga-Kennern schon lange ein Begriff. Vater Andrzej machte es seinem Sohn einst vor, spielte unter anderem für Energie Cottbus in der ersten Liga. Der Nachwuchs ist also mit den besten Voraussetzungen in sein Fußballer-Leben gestartet. Beim Gedanken an seine Anfänge muss Martin Kobylanski dennoch schmunzeln: „Im Alter von ungefähr sieben Jahren war ich kein guter Kicker", sagt er. „Ich habe noch ein paar Videos aus dieser Zeit. Das ist echt etwas erschreckend." Nur gut, dass die wenigsten Fußballer einfach so vom Himmel gefallen sind...

Nach seinem Vereinseinstand bei den Bambinis von Hannover 96 kam ‚Koby‘ als Sechsjähriger zu Energie Cottbus. Hier verbrachte er seine gesamte Fußballjugend und gab mit 17 Jahren sein Debüt in der zweiten Bundesliga. Spannende Zeiten für den Teenager. Denn damals lebte er allein mit seiner älteren Schwester in Cottbus, weil die Eltern durch die Karriere des Vaters oft pendeln mussten. Obwohl er Cottbus als seine Heimat bezeichnet, fühlt sich der Nachwuchskicker Polen, dem Herkunftsland seiner Eltern, stark verbunden: „Ich bin ein Pole, der in Deutschland aufgewachsen ist." Deshalb hat er sich entschieden, für die polnische Nationalmannschaft aufzulaufen.

Über weitere Einsätze in der Bundesliga will sich der Jungprofi langfristig für die A-Nationalmannschaft empfehlen. Der erste Treffer in Deutschlands höchster Spielklasse wäre wohl ein schlagkräftiges Argument. Eine
Idee, wie er sich zunächst einmal selbst dafür belohnen könnte, hat ‚Koby‘ auch schon: „Mein Vater und ich sind große Fans des FC Liverpool. Mein erstes Bundesliga-Tor könnte ich zum Anlass nehmen, endlich ein Spiel dort live zu sehen", überlegt er. Da heißt es: Gas geben in grün-weiß und dann die ‚Reds‘ anfeuern!

 

Von Laura Ziegler