"Der haut das Adrenalin raus!"

War der Matchwinner durch sein Tor zum 3:2-Endstand: Santiago Garcia (Foto:nph).
Profis
Sonntag, 03.11.2013 // 19:47 Uhr

Es war keine Partie, die einen Helden produzierte. Es war ein Spiel, das ein Team zum Vorschein brachte. Die Gesichter des Matches waren so zahlreich, so vielfältig, wie sich Werder in diesem Herbst 2013 insgesamt präsentiert.

Alle drei Torschützen, Aaron Hunt, Cedrick Makiadi und Santiago Garcia, trugen sich erstmals in die Torjägerliste dieser Spielzeit ein. Ein mutiger Trainer schickte mit Davie Selke den nächsten Bundesliga-Debütanten aufs Feld. Und die Fans wurden mit einem Spiel belohnt, das die Fingernägel gefährdete, die Durchblutung förderte und die Glückshormone explodieren ließ.

Lesen Sie hier alles zu den Gesichtern des Spiels:

Der Siegtorschütze - Santiago Garcia:


Bei den Mitspielern und bei den Fans steht der Argentinier ganz hoch im Kurs. Am Sonntagabend hat er gezeigt warum. Nicht umsonst wurde er mit über 70 Prozent von den Fans zum „Volkswagen Man oft he Match" gewählt. Auch Zlatko Junuzovic schwärmte: „Er ist unglaublich emotional. Das ist doch total geil für die Fans, wenn er vor der Ostkurve das Tor macht und es dann auch noch so feiert. Der haut das Adrenalin einfach nur so raus. Und damit nimmt er nicht nur die Fans, sondern auch die Teamkollegen mit. Er ist als Typ unheimlich wichtig."

Der Torschütze selbst zählt die 86. Minute zu den besten Szenen seiner noch kurzen Werder-Karriere: „Ich komme gut zum Kopfball, dann fällt die Kugel mir nochmal vor die Füße und ich schieße sie über die Linie. Genau vor unseren Fans. Ein tolles Gefühl! Ich mache ja nicht ganz so viele Treffer, deswegen ist es schon ein besonderer Moment. Auch weil es das entscheidende Tor war, das der ganzen Mannschaft weitergeholfen hat. Wir wollten alle unbedingt gewinnen, um den Anschluss an die obere Tabellenhälfte nicht zu verpassen. Das haben wir geschafft."


Der Tordebütant - Cedrick Makiadi:

Auf dieses erste Werder-Tor hat Cedrick Makiadi aus seiner Sicht viel zu lange gewartet, wie er nach dem Abpfiff zugab: „Ich hatte wirklich gehofft, dass es schon viel früher fällt. Aber besser heute als nie! Ganz schwer war der Treffer ja nicht. Die Torentfernung betrug etwa 15 Zentimeter. Wenn ich den noch vorbei gemacht hätte, wäre ich in jedem Saisonrückblick Stammgast gewesen."

Am Sonntagabend kam der Kongolese auf einer neuen offensiveren Position zum Einsatz. „Das hat mir gut gefallen. Ich hatte mehr Anteile in der Offensive, zwei wirklich gute Torabschlüsse, einer ging rein und der andere Schuss ging ganz knapp drüber."

Vorlagengeber Zlatko Junuzovic freute sich mit dem Mittelfeldkollegen. „Das war doch aber auch die perfekte Vorlage. Ich habe Ced am langen Pfosten gesehen und perfekt per Aufsetzer den Ball serviert. Danach ging der Blick gleich raus zum Linienrichter, aber er verdarb uns die Freude nicht und ließ die Fahne unten. Ich war erst gar nicht so sicher, weil Ced ja praktisch am Stangerl gewartet hatte."


Der eiskalte Engel - Aaron Hunt:

Der Vize-Kapitän genießt das volle Vertrauen des Trainers. Robin Dutt verteidigte ihn in der letzten Woche leidenschaftlich gegen jeden Anflug leiser Kritik und wurde am Sonntagabend bestätigt. Trotz des verschossenen Elfers gegen Frankfurt war es Hunt, der wieder die psychische Last auf sich nahm. Robin Dutt dazu: „Er hat Verantwortung übernommen und das Ding eiskalt verwandelt. Er ist ein Spieler von großer Bedeutung." Für Aaron Hunt war vor allem die kämpferische Leistung der Grund für den Sieg: "Wir sind immer wieder angerannt. Man hat uns angemerkt, dass wir unbedingt das entscheidende Tor schießen wollten. Am Ende konnten wir uns dann auch belohnen."


Der nächste Neuling - Davie Selke:

Er ist nach Martin Kobylanski und Melvyn Lorenzen der dritte Debütant aus der U 23, der seine ersten Bundesliga-Minuten unter Robin Dutt absolvieren durfte. „Er kam rein und hat mit seiner körperlichen Präsenz und seiner Laufbereitschaft Impulse gegeben. Die Zuschauer haben darauf sofort reagiert und ihn toll unterstützt."

Fast hätte es sogar zum ersten Tor im ersten Spiel gelangt, doch sein Ball touchierte nur den Außenpfosten. Zlatko Junuzovic fand das schade: „Er hat in dieser Szene nahezu alles richtig gemacht. Wie kaltschnäuzig er dann da noch den Haken geschlagen hat, um besser zum Tor zu stehen. Das war richtig klasse. Am Ende hat nur ein bisschen Glück gefehlt." Dass Selke seine Chance bekam, war für den Österreicher folgerichtig: „Er hat richtig gut trainiert. Es ist ja schön, wenn die jungen Spieler so früh Erfahrungen bei den Profis sammeln können, aber bei Davie war es schon etwas Besonderes in dieser Woche beim Training. Er hatte fast in jedem Trainingsspiel getroffen."

Lob kam für Davie Selke auch von Cedrick Makiadi: „Der Trainer hatte wieder den Mut einen jungen Mann zu bringen und der hat es wieder gut gemacht. Das ist ja nicht ganz einfach, wenn man in sein erstes Spiel vor 40.000 Leuten beim Stand von 2:2 in einem Derby eingewechselt wird. Ich war bei meinem ersten Spiel sehr nervös. Ich kann mich gut in Davie hineinversetzen."

Auch Geschäftsführer Thomas Eichin verteilte gute Noten an den Youngster. „Man darf das jetzt nicht überbewerten. Er hat es gut gemacht, war mutig. Und er hat gezeigt, dass die U 23-Jungs hier mithalten können, dass wir dort gute Arbeit leisten."


Der Kapitän des Teams - Clemens Fritz:

Der Routinier hatte nach dem Schlusspfiff ein großes Kompliment für das Team parat: „Wir wollten, dass der Funke durch bedingungslosen Einsatz auf die Zuschauer übergeht, das war heute der Fall. Wir haben den unbedingten Willen gehabt und haben am Ende das entscheidende Quäntchen Glück erzwungen. Alle haben mitgemacht, alle waren bereit. Wir brauchen Punkt für Punkt, deshalb war das ein ganz wichtiger Sieg."

Clemens Fritz verursachte den Elfmeter der 96er und sagte anschließend: „Ich wollte ihn nur blocken, weiß aber nicht, ob er auch zum Ball geht, oder nur in mich rennt. Ich muss erst noch die TV-Bilder sehen, um zu sagen, ob es ein Elfer war oder nicht."

Ansonsten bestach der Routinier durch Fleißarbeit auf der rechten Seite. Robin Dutt: „Es war mir sehr wichtig, dass er auch heute wieder auf dem Platz steht, er ist extrem wichtig. Er hatte einige guten Läufe auf der Seite."

Die Auswechslung von Clemens Fritz war der Gefährdung durch Platzverweis geschuldet. Fritz dazu: „Der Schiedsrichter hat mir gesagt, dass ich beim nächsten Foul des Feldes verwiesen werde. Deshalb habe ich mich mit dem Trainer abgestimmt. Wir wollten kein Risiko gehen, weil man in so einer Situation nicht mehr richtig in die Zweikämpfe gehen kann. Das hat mich gehemmt."

 

aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph, Dominik Kupilas und Timo Fresen