Kroos-Tor und ein "guter Plan" reichten nicht

Hängende Köpfe nach dem Spiel. Angesichts des Spielverlaufs nur zu verständlich.
Profis
Samstag, 09.11.2013 // 19:51 Uhr

Es hätte sein Abend werden können - mit einer unglaublich coolen Aktion hatte Felix Kroos die 1:0-Führung herausgeschossen. Tolle Balleroberung, viel Dynamik, große Übersicht, perfekte Schusstechnik. Doch aus der persönlichen Bundesliga- Erfolgsstory wurde nichts, denn der Treffer, der bis zur 85. Minute noch für einen Punkt gereicht hätte, verlor durch den zweiten Treffer von Kevin-Prince Boateng seine Bedeutung.

„In den nächsten Tagen werde ich mich bestimmt darüber freuen, aber im Moment ärgere ich mich noch über die Niederlage", berichtete Felix Kroos der Journalistenschar nach dem Schlusspfiff in der Mixed Zone. Selbst als einige Medienvertreter ihm mit der Statistik aufmuntern wollten, dass er für sein erstes Tor drei Bundesliga-Partien weniger gebraucht hatte als sein Bruder Toni beim FC Bayern München, lächelte Felix nur müde: „Ich wusste bis jetzt nicht, dass er 25 Spiele gebraucht hat, aber mir war immer klar, dass ich das schneller schaffen würde."

Weitere Themen in der Mixed Zone der Veltins-Arena:


Zum Spielverlauf

Thomas Eichin: „Das ist heute wirklich frustrierend. Wir müssen uns mal richtig schütteln und dann nach vorn blicken. Heute haben wir drei Punkte verloren, weil wir unsere Chancen auf das 2:0 nicht genutzt haben und zwei entscheidende 1-gegen 1-Duelle verloren haben. Über die individuelle Stärke von Schalke müssen wir nicht diskutieren. Sie haben gute Einzelspieler, aber wir haben es verpasst diesem Team sportlich den Todesstoß zu geben. Wir hatten insgesamt einen guten Plan und die Moral stimmte. Sehr gut fand ich Aaron Hunt, der viel gearbeitet und die Bälle sehr gut verteilt hat."

Robin Dutt: „Wir haben gut angefangen und die Möglichkeit genutzt in Führung zu gehen. Doch wir hätten das Geschenk annehmen müssen. Insgesamt war es ein gutes Spiel, für das wir ein Punkt verdient gehabt hätten, die Hoffnung auf drei Punkte haben durften und am Ende mit null Punkten dastehen. So ist das manchmal im Fußball. Wir hatten gute Pressing-Aktionen. Wir haben dem Druck der Schalker lange standgehalten. Den Ausschlag hat gegeben, dass wir vorne zwei Chancen nicht nutzen konnten und hinten die Tore nicht verhindert haben."

Clemens Fritz: „Der Frust ist immer groß nach verlorenen Spielen. Wir haben das heute lange gut gemacht, haben Schalke das Leben schwer gemacht und selbst in der zweiten Halbzeiten kaum klare Torchancen zugelassen; die beiden Tore fallen aus Halbchancen. Da müssen wir einfach eher pressen, dürfen die Flanken nicht zulassen. Am Ende haben wir uns aber auch zu sehr hinten reindrängen lassen. Wir haben gute Ansätze gezeigt, am Ende hat die hohe Qualität der Schalker den Ausschlag gegeben."

Zlatko Junuzovic: „Wir haben zu Beginn einiges zugelassen und Glück gehabt, doch dann haben wir früh die Kurve gekriegt. Wir standen sehr kompakt, haben als Team überzeugt. Folgerichtig gehen wir 1:0 in Führung und können perfekt kontern. Diese Niederlage tut richtig weh! Auf Schalke bekommst du selten die Gelegenheit aus so einer Situation heraus zu agieren. Das haben wir uns am Ende selbst zerstört."

Sebastian Mielitz: „Die Enttäuschung in der Mannschaft ist riesig. Wir sind sehr gut in die Partie gekommen, hatten viel Ballbesitz, haben den Ball laufen lassen und viele zweite Bälle bekommen. Dann gehen wir durch das Tor von Felix sogar 1:0 in Führung. Aber leider sind dann in der zweiten Halbzeit die beiden entscheidenden Tore nach Flanken gefallen, die wir nicht verhindern konnten. Den Willen kann man uns heute aber nicht abschreiben. Dennoch: Am Ende steht ein 1:3, das gilt es jetzt aufzuarbeiten."

Felix Kroos: „Diese Niederlage ist sehr enttäuschend. Wir haben über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht. Leider haben wir es verpasst in der entscheidenden Phase das 2:0 zu machen und haben am Ende dann auch die Bälle zu schnell verloren. Es ist schwer zu erklären, aber irgendwas hat heute gefehlt. Wir können im Hinblick auf die nächsten Spiele aber auf weite Strecken der Partie aufbauen."


Zur Schlüsselszene, in der Werder nicht das 2:0 gelang

Thomas Eichin: „Die Szene mit dem Ausrutscher von Elia war eine Schlüsselszene. Diesen Angriff hätten wir besser fahren müssen. Das haben wir nicht gut zu Ende gespielt."Zlatko Junuzovic: „Eigentlich war es gut, dass wir uns diese Situation erzwungen haben. Wir haben Schalke unter Druck gesetzt, auf einen Fehler spekuliert und sind belohnt worden. Doch dann spielen wir die Szene nicht gut zu Enden. Elia hat Pech, dass er im entscheidenden Moment ausrutscht. Dass er danach den Fehlpass spielt ist sicher dem Ausrutschen geschuldet. Dann ist es schwer in diesem Moment die richtige Entscheidung zu treffen. Da kann es passieren, dass er nicht sieht, dass ich und Aaron sicher viel besser standen. Mit dieser Situation hätten wir das 2:0 machen können. Dann wäre die Partie entschieden gewesen."


Zu den beiden Gegentoren durch Boateng

Zlatko Junuzovic: „Das ist wirklich unfassbar ärgerlich. Wir bekommen zwei Mal das gleiche Gegentor. Immer ist es eine Halbfeld-Flanke auf den langen Pfosten. Das waren in beiden Fällen für mich keine gefährlichen Situationen. Und wir können das trotzdem nicht verteidigen. Das geht zu einfach für den Gegner. Daran müssen wir arbeiten."

Thomas Eichin: „Ich will Lukas gar nicht so große Vorwürfe machen. Boateng macht das richtig gut, kommt vor allem beim zweiten Treffer mit viel Dynamik von außen. Außerdem kommen die Bälle gut in den Strafraum."


Zum Tor von Felix Kroos

Robin Dutt: „Felix entwickelt sich hervorragend. Das zeigt auch, dass er regelmäßig für die Startformation nominiert wird. Er macht das strategisch sehr gut. Heute hatte er viele sehr gute Gegenpressing-Aktionen, die er selbst zum Abschluss gebracht hat. So auch beim Tor."

Thomas Eichin: „Sie wissen vielleicht, dass ich schon immer ein Fan von Felix bin. Er war ja schon weg und wir haben ihn überzeugt hier zu bleiben. Ich bin fest davon überzeugt, dass er große Anlagen hat. Er hat sich mit seiner ruhigen, soliden Art ins Team gespielt. Ich bin sicher, dass noch mehr in ihm steckt und wir noch mehr von ihm sehen werden.

Zur Entwicklung des Teams

Thomas Eichin: „Ich nehme auch positive Dinge mit. Wir haben gesehen, dass wir die Chance haben, auch gegen Topteams mitzuspielen und Punkte zu holen.

Zlatko Junuzovic: „Das ist heute auch deshalb so ärgerlich, weil wir eine richtig gute Mischung gefunden haben. Wir sehen, dass wir auch gegen Teams wie Schalke gut mithalten können. Irgendwann müssen wir uns dafür aber auch mal belohnen. Irgendwann müssen wir so auch mal einen vermeintlich großen Gegner besiegen. Heute haben wir das auf unerklärliche Weise leichtfertig hergegeben."


Zur Auswechslung von Santiago Garcia

Thomas Eichin: „Der Trainer hat darauf reagiert, dass Santi extrem gelb-rot-gefährdet war. Eine Verwarnung für einen Abwehrspieler in so einem Spiel wie gegen Schalke, die viel 1-gegen-1 versuchen ist ein echtes Handicap. Und gerade Santi spielt sehr hart, geht in die Zweikämpfe als ob es keinen Morgen gibt. Er darf sicher sein Temperament behalten, aber die Produktion von unnötigen gelben Karten sollte er eindämmen. Er hat jetzt fünf Verwarnungen in sieben Spielen, das ist fast eine Bilanz wie bei mir früher."

Clemens Fritz: „Es ist nie optimal, früh wechseln zu müssen, aber dafür haben wir zwei Linksverteidiger im Kader, damit wir in solchen Situationen reagieren können. Bei mir war das in der letzten Woche ein ähnlicher Fall, als ich nach der gelben Karte ausgewechselt wurde. Manchmal muss man hingehen, auch wenn man schon verwarnt ist."

Felix Kroos: „Das hat keine entscheidende Rolle gespielt. Wir haben auch nach dem Wechsel gute Phasen gehabt."

 

aus der Veltins-Arena berichten Michael Rudolph und Dominik Kupilas