Bobic: "Dutt war ein guter Fang für Werder"

Fredi Bobic freut sich auf eine Bundesliga-Begegnung "absolut auf Augenhöhe". (Foto: nph)
Profis
Freitag, 04.10.2013 // 10:23 Uhr

Herr Bobic, beim Benefizspiel zum 150-jährigen Jubiläum des Deutschen Roten Kreuzes haben Sie nicht nur viele alte Nationalmannschaftskollegen wiedergetroffen, sondern auch einige ehemalige Gegner in grün-weiß. War es trotzdem die entspanntere Partie im Vergleich zum Bundesliga-Duell am Wochenende?

Am Donnerstag stand er mit den DFB-Allstars an der Weser auf dem Platz, Samstag sitzt er in Stuttgart für den VfB auf der Bank. Zweimal innerhalb von drei Tagen heißt der Gegner von Fredi Bobic SV Werder Bremen. Für den Sportdirektor des schwäbischen Traditionsvereins und Gegners der Grün-Weißen am Samstag, um 15.30 Uhr (ab 15.15 Uhr im Live-Ticker auf WERDER.DE), ist es "immer wieder eine Freude, gegen Werder anzutreten" - ganz egal ob für den guten Zweck oder im ernsten Alltag der Bundesliga. WERDER.DE hat sich mit dem Ex-Nationalspieler am Rande des DRK-Benefizspiels getroffen und einen Blick aufs Wochenende geworfen, über Identität und „frischen Wind" gesprochen und den 41-Jährigen zu seinem ganz besonderen Verhältnis zu Werder-Coach Robin Dutt befragt.

Fredi Bobic: (lacht) Es war mit Sicherheit eines der entspanntesten Spiele meiner Karriere. Alte Weggefährten zu treffen ist immer schön. Man kommt auch nicht mehr so häufig zusammen und wenn man mal die Zeit mal hat, sollte man sie auch nutzen um mit alten Kollegen und Kontrahenten zu kicken. Zwei Tage später sieht man sich dann in der Bundesliga wieder.

In der Liga konnte der SV Werder das letzte Gastspiel im "Schwabenländle" mit 4:1 für sich entscheiden. Was erwarten Sie am Samstag für ein Spiel?

Fredi Bobic: Am Samstag treffen zwei ambitionierte Klubs aufeinander, die sich absolut auf Augenhöhe befinden. Wir sind, wenn man nur die Punktzahl betrachtet, direkte Tabellennachbarn momentan. Die Werderaner hatten, genau wie wir, in dieser Saison bereits einige Topleistungen, aber auch schlechtere Auftritte. Deswegen ist es für mich eine Partie mit völlig offenem Ausgang. Wir spielen zu Hause und wollen selbstverständlich gewinnen, aber wir wissen auch, dass Werder immer ein gefährlicher Gegner ist - vor allem auswärts. Das haben sie uns bei unserem letzten Heimspiel leidvoll erfahren lassen.

Sie haben es erwähnt: Der SVW und der VfB liegen in der Tabelle eng beieinander. Wird es für beide Mannschaften ein richtungsweisendes Spiel?

Fredi Bobic: Nein, ich denke nicht. Dafür liegen einfach noch zu viele Spiele vor uns. Wir haben ja noch nicht mal ein Drittel der Saison absolviert. Es wird für uns ein wichtiges Spiel, keine Frage. Schließlich können wir unsere Serie weiter ausbauen (unter Neu-Coach Thomas Schneider holten die Schwaben aus vier Spielen zehn Punkte, Anm. d. Red.). Für beide Teams wäre darüber hinaus ein Erfolg wichtig, um ganz entspannt in die zweiwöchige Länderspielpause gehen zu können. Trotzdem: Die Bundesliga ist sehr schwer planbar und jedes Spiel muss für sich gewonnen werden.

Die Begegnung in der Mercedes-Benz Arena hält für Sie auch ein Wiedersehen mit Robin Dutt bereit. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel hat Dutt gesagt, dass er Sie bereits seit 30 Jahren kennt. Welche besondere Verbindungen haben Sie zu ihm?

Fredi Bobic: Wir sind sehr eng befreundet und auch unsere Frauen sind enge Freundinnen. Das ergibt sich aus unserer gemeinsamen Vergangenheit. Robin hat, genau wie ich, seine Karriere beim TSV Ditzingen begonnen. Er als Trainer und ich meine Laufbahn als aktiver Spieler - allerdings nicht zur selben Zeit. Trotzdem haben wir uns immer wieder getroffen und eine schöne Zeit miteinander gehabt. Ich muss sagen, er ist ein wirklich toller Trainer. Werder kann stolz sein, so einen guten Fang gemacht zu haben. Man muss ihm ein bisschen Zeit geben, aber dann wird sein Weg von Erfolg gekrönt sein.

Robin Dutt hat gemeinsam mit Thomas Eichin einen Umbruch bei Werder eingeleitet. Auch beim VfB Stuttgart gab es in der Sommerpause zahlreiche personelle Wechsel. Wie schwer ist es aus Ihrer Sicht, als "ambitionierter Traditionsklub" momentan nicht komplett den Anschluss an Spitzenteams wie Bayern, Dortmund oder Leverkusen zu verpassen?

Fredi Bobic: Es ist nicht einfach, das zeigen beispielsweise schon die ganz unterschiedlichen Budgets. Da klaffen riesige Lücken. Wir Traditionsklubs müssen einfach verstehen, ob das jetzt in Bremen, Stuttgart oder Hamburg ist, dass wir uns ständig erneuern müssen. Es braucht immer mal wieder frischen Wind, aber gleichzeitig auch die nötige Geduld. Außerdem kann keiner davon leben, was der Verein mal gehabt hat. Es reicht nicht, dass man einst große Erfolge gefeiert hat oder ständig in der Champions League vertreten war. Wir müssen uns den Erfolg immer wieder hart erarbeiten. Im Gegensatz zu den „Großen" gibt es hier keine Leute hinter dem Verein, die sehr viel Geld reinpulvern, nur um ganz oben mitzuhalten. Vielmehr muss man etwas entwickeln und seine eigene Identität finden. Ich glaube, dass vor allem Werder da sehr gut aufgestellt ist. Der Verein steht für etwas frisches und positives - immer durchdacht und nie in Aktionismus verfallend.

Das Interview führte Yannik Cischinsky