Garcia: Familienmensch und Strohwitwer in spe

Santiago Garcia im Schatten eines Privatfotos mit seinem Zwillingsbruder Manuel.
Profis
Dienstag, 29.10.2013 // 09:44 Uhr

Über eine große Überraschung konnte sich Santiago Garcia in der vergangenen Woche freuen. Verabredet zu einem Interview mit dem Pay-TV-Sender Sky kam „Santi" wie vereinbart in die ...

Über eine große Überraschung konnte sich Santiago Garcia in der vergangenen Woche freuen. Verabredet zu einem Interview mit dem Pay-TV-Sender Sky kam „Santi" wie vereinbart in die Spielerloge im VIP-Bereich des Weser-Stadions. Was er nicht ahnte: Sky hatte ein „Skype-Gespräch" mit Zwillingsbruder Manuel in Argentinien vereinbart. „Das war super, ich habe damit überhaupt nicht gerechnet", strahlte Werders Linksverteidiger nach dem Video-Telefonat mit Bruder Manuel.

Die Idee des Pay-TV-Senders war dabei aber kein Zufall, Garcia ist als Familienmensch bekannt. Trotz großer Entfernung und fünf Stunden Zeitunterschied zwischen Bremen und Rosario tauscht er sich täglich mit den Verwandten in der argentinischen Heimat aus. „Mit meinem Vater telefoniere ich immer morgens, bevor er zur Arbeit geht. Allerdings sprechen wir da immer nur kurz, erzählen uns, wie es geht und was wir erlebt haben", so Werders sympathischer Neuzugang. „Mit Manuel spreche ich dann meistens, wenn hier abends ist. Wir nehmen uns dann richtig viel Zeit, tauschen uns über die Trainingseinheiten aus und geben uns einander Tipps." Ein Rat von Verteidiger zu Torwart, denn Manuel ist Torhüter bei Atlético Rosario in der ersten argentinischen Liga.

Zwillinge, Freunde, wichtige Gesprächspartner

Doch Santiago und Manuel verbindet nicht nur das Fußballgeschäft. Zwillinge, Freunde, wichtige Gesprächspartner - die beiden haben trotz der mehr als 11.600 Kilometer Entfernung ein inniges Verhältnis zueinander. „Wir haben früher immer alles zusammen unternommen, hatten die gleichen Freunde, sind zusammen zur Schule gegangen, haben zusammen die Hausaufgaben gemacht. Uns gab es nur im Doppelpack. Deshalb fühle ich mich ihm auch jetzt noch nahe und vermisse ihn sehr", erklärt Garcia das Verhältnis zu seinem 25 Minuten älteren Zwillingsbruder.

Folgerichtig bezeichnet Santiago seinen Wechsel aus der argentinischen Heimat nach Palermo in Italien als den „härtesten Moment in meinem Leben. Das war keine einfache Zeit für mich. Ich war auf einmal auf mich alleine gestellt, musste eine neue Sprache lernen, hatte die ersten Monate keinen direkten Ansprechpartner. Aber es war immer mein Traum, Fußballprofi zu werden. Ich bin dankbar für die Chance, auch wenn mir meine Familie sehr fehlt und ich das Opfer bringen musste, meine Verwandten nicht mehr ständig sehen zu können."

Die Eingewöhnungsphase in Bremen und beim SV Werder ist dem Argentinier hingegen auch ohne Familie gut gelungen. „Ich habe mich hier schnell wohlgefühlt. Ich hatte auch in Italien eine tolle Zeit. Aber Bremen und Palermo sind nicht zu vergleichen. Da war ich direkt am Strand, konnte aber nie in Ruhe essen gehen, weil die Fans dort sehr fanatisch waren. Das ist nicht so mein Ding, ich mag die Ruhe hier lieber."

Strohwitwer Santiago hat einen Plan

Gesellschaft genießt der 25-Jährige beim Essen von seiner Freundin Carla, die ihn nach Deutschland begleitet hat. Die gemeinsame Zeit in der Hansestadt wird aber bald unterbrochen: „Sie wird die nächsten Monate wieder in Argentinien sein, um zu studieren. Das macht es für mich natürlich schwerer", so Garcia, der aber schon einen Plan geschmiedet hat: „Während des Trainings und des Spiels bin ich sowieso voll auf die Sache konzentriert und in der Freizeit werde ich dann mehr Zeit mit meinen Kumpels Luca und Franco verbringen. Das ist eine gute Ablenkung."

Die beste Ablenkung folgt Anfang Dezember. Dann nämlich erwartet Santiago Garcia Besuch aus der Heimat. „Ich habe sie nach Bremen eingeladen und freue mich riesig darauf. Vor ein paar Wochen waren meine Mutter und meine Tante schon hier in Deutschland, haben sich das Land angeschaut und mich besucht und wir waren in der Länderspielpause gemeinsam in Amsterdam. Aber auf den Besuch meines Bruders freue ich mich besonders. Er kann wegen der laufenden Saison nicht eher kommen." Eine Überraschung ist das dann zwar nicht, die Freude über das Wiedersehen dürfte aber ungleich größer sein.


Von Dominik Kupilas