"Papa, jetzt ist Schluss!"

Profis
Sonntag, 08.09.2013 // 01:10 Uhr

Als das Flutlicht im Weser-Stadion vollständig erlosch, einzelne LED's von den Tribünen matt strahlten und ‚Hells Bells‘ von ACDC aus den Lautsprechern ertönte, tauchten die ...

Als das Flutlicht im Weser-Stadion vollständig erlosch, einzelne LED's von den Tribünen matt strahlten und ‚Hells Bells‘ von AC/DC aus den Lautsprechern ertönte, tauchten die Stimmen seiner Töchter Lena-Alina und Lisa-Katharina auf: „Hey Papa, jetzt ist Schluss. Es wird Zeit, dass du runter kommst!"

Es war der emotionale Höhepunkt eines Abends, den Torsten Frings nach 80 Minuten Abschiedsspiel in vollen Zügen genoss. „Als meine Kinder auf den Platz kamen, war es vorbei und ich musste schon ein bisschen weinen. Es kamen natürlich viele Emotionen hoch, gerade im Weser-Stadion vor vollem Haus, wo ich vorher nicht mit gerechnet habe. Ich war total begeistert. Es war einfach ein super Abend und ich bin überglücklich", zeigte sich Frings nach seiner großen Abschiedsgala tief berührt.

Seine Ehrenrunde, für die er sich mit seinen beiden Töchtern eine Viertelstunde Zeit ließ, begann vor der Westtribüne, ging über den Norden, hin zu seiner Kurve - der Ostkurve. „Ich bin unheimlich dankbar, dass so viele Leute gekommen sind und uns alle unterstützt haben. Es waren super Spieler da, jeder Zuschauer ist auf seine Kosten gegeben. Aber auch für mich war es ein überragender Tag."

Ein überragender Tag mit vielen einzelnen, ganz bewegenden Momenten für den ‚Lutscher‘, die bereits am frühen Nachmittag begannen. Alle Spieler, die Frings an seinem Tag dabei haben wollte, trafen sich am Steigenberger Hotel und legten gemeinsam mit dem Schiff zum Anleger Weser-Stadion ab. Dort wurden Frings und Co. bereits von zahlreichen Fans empfangen. Jeder wollte ein Autogramm, jeder wollte dabei sein, wenn sich Torsten Frings auf den Weg in seine Heimspielstätte begibt, in der er elf Jahre eine tragende Rolle eingenommen hatte. „Wir hatten eine überragende Bremer Mannschaft. Während meiner Zeit, in der ich hier in Bremen war, hatten wir super Spieler dabei. Der Großteil der Spieler war auch heute dabei. Ich bin froh, dass es alle heute mit mir gemeinsam durchgezogen haben", so Frings, der seit Ende Juni ein Trainee-Programm bei den Grün-Weißen durchläuft.

In dem anschließenden Match ‚Werder-Allstars‘ gegen ‚Torsten & Friends‘, das 8:7 endete, trug sich der ‚Lutscher‘ zwei Mal in die Torschützenliste ein. „Ich hatte beiden Mannschaften vorher extra gesagt, dass ich keine Spaßveranstaltung und nichts geschenkt bekommen möchte. Zum Schluss haben sie mich dann doch nochmal durchgelassen, aber zur Krönung habe ich dann nochmal Tim Wiese getunnelt. Das war für mich dann ein gelungener Abschied", witzelte Frings.

Lange, sehr lange hielt sich Frings nach den Ereignissen auf dem Rasen in den Katakomben des Weser-Stadions auf. Ein letztes Mal diese Kabinen-Atmosphäre nach Spielen genießen, danach hatte der 36-Jährige aber auch genug: „Ich bin jetzt auch ein wenig froh, dass es vorbei ist. Es war eine Menge Stress für mich in den letzten Tagen und freue mich jetzt einfach auf die Party."

 
aus dem Weser-Stadion berichten Timo Volkmann, Dominik Kupilas und Marcel Schmidt