Di Santo: Energie-Schub von der Mama! Mit Santi zur WM?

Hat drei Länderspiele auf dem Buckel und war zuletzt vor einem Jahr für die 'Albiceleste' aktiv: Franco Di Santo (Foto: Getty).
Profis
Donnerstag, 13.03.2014 // 09:07 Uhr

Mit seinem Führungstreffer zum 1:0 beim 1. FC Nürnberg leitete Franco Di Santo Werders zweiten Pflichtspielsieg in Folge ein. Für den Gaucho war es der zweite Bundesliga-Treffer überhaupt. So gefährlich wie ...

Mit seinem Führungstreffer zum 1:0 beim 1. FC Nürnberg leitete Franco Di Santo Werders zweiten Pflichtspielsieg in Folge ein. Für den Gaucho war es der zweite Bundesliga-Treffer überhaupt. So gefährlich wie im Frankenland trat der 24-Jährige in dieser Saison noch nicht auf. Torabschluss? Di Santo? Ja, und das gleich zweimal richtig gefährlich. Erst ein Lattenknaller, dann das wichtige Führungstor von ihm höchstpersönlich.

Für WERDER.DE war dies Anlass genug, um mit Di Santo ein größeres Interview zu führen. Im zweiten Teil spricht der Argentinier über den positiven Einfluss von 'Mama Di Santo'. Was er auch vom Papa fürs Leben mitgenommen hat und wo er sich während der Weltmeisterschaft ab Juni in Brasilien sieht, konnte dem 24-Jährigen ebenfalls entlockt werden.

WERDER.DE: Seit Kurzem ist deine Mutter aus Argentinien bei dir zu Besuch. Wie war das Wiedersehen? Wie wichtig ist es für dich, dass deine Familie in deiner Nähe ist?

Franco Di Santo: „Das ist mir sehr, sehr wichtig. Ich bin zwar immer ein positiver Mensch. Aber wenn die Familie kommt, also Personen, mit denen du dieselbe Kultur, dieselbe Sprache teilst, und dazu auch noch meine Mutter, die noch nie in Deutschland war und die ich schon lange nicht mehr gesehen habe, dann gibt es nichts Schöneres. Meine Mutter gibt mir einen weiteren Schub an Energie. Ich bin mit noch mehr Freude bei der Sache. Das könnte sich auch positiv auf Werder auswirken."

WERDER.DE: Wie lange bleibt deine Mutter und was hast du mit ihr in den kommenden Tagen geplant?

Franco Di Santo: „Sie bleibt fast bis zum Saisonende. Ich möchte ihr an freien Tagen mehr von Deutschland zeigen. Wir wollen nach Berlin und München fahren. In München ist geplant, Claudio Pizarro zu besuchen. Zu ihm habe ich ein gutes Verhältnis, wir kennen uns seit unserer gemeinsamen Zeit bei Chelsea. Er hat mich und meine Familie früher oft zu sich eingeladen. Vielleicht sehen unsere Familien sich ja bald wieder?!"

WERDER.DE: In welchen Verhältnissen bist du denn eigentlich groß geworden?

Franco Di Santo: „Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie. Es waren auch nicht ganz so einfache Zeiten dabei, da ging es der Familie nicht so gut. Dennoch habe ich da gespürt, dass innerhalb meiner Familie immer dieser positive Gedanke zählt, der mich auch heute noch auszeichnet. Wir haben immer daran geglaubt, dass es bald besser gehen wird, wenn wir zusammenhalten und noch härter arbeiten. Meine Eltern haben selbst in schweren Momenten nie vergessen zu lächeln. Diese Art habe ich meinen Eltern zu verdanken. Ich bin sehr dankbar, dass es meiner Familie gesundheitlich, aber auch finanziell gut geht."

WERDER.DE: Ist es für dich ein hohes Gut, Fußball-Profi zu sein, um auch finanziell unabhängig zu sein?

Franco Di Santo: „Es ist ein hohes Privileg. Ich werde für das bezahlt, was ich gut mache und was ich vor allem auch gerne mache. Das ist ein Traum. Ganz wichtig ist mir, dass ich als Fußballer nicht nur mich glücklich mache, sondern auch alle Mitarbeiter des Vereins, die Fans und alle, die sich mit Werder identifizieren. In dieser glücklichen Situation ist nicht jeder. Daher schätze ich meine Situation umso mehr."

WERDER.DE: Werders ehemaliger ‚Kugelblitz‘ Ailton, der im September im Weser-Stadion endgültig Abschied nimmt von der großen Fußballbühne, hat zu seiner aktiven Zeit immer auch versucht, seine Familie in Brasilien finanziell zu unterstützen. Machst du das in irgendeiner Form auch?

Franco Di Santo: „Ich finde es gut, dass Ailton nie vergessen hat, woher er kommt. Man sollte immer der bleiben, der man ist. Im Verein behandle ich jeden Mitarbeiter gleich, unabhängig davon, ob es der Präsident oder die Putzfrau ist. Ich unterstütze meine Familie und meine Freunde. Südamerikaner vergessen nie ihren Ursprung. Entsprechend helfe ich den Leuten in meiner Heimat auch."

WERDER.DE: Was machst du eigentlich ab dem 12. Juni?

Franco Di Santo: „Ich hoffe, ich sitze dann bei der Weltmeisterschaft in Brasilien zumindest auf der Bank."

WERDER.DE: Zuletzt ging durch die Gazetten, dass du tatsächlich doch noch auf den WM-Zug aufspringen könntest. Argentiniens Nationalcoach Alejandro Sabella plant eine Rundtour durch Europa. Auch dich will er beobachten lassen. Gibt es aktuell Kontakt?

Franco Di Santo: „Ich weiß, dass Sabella eine Observationstour geplant hat und aktuell durch halb Europa fliegt. Es ist kein Geheimnis, dass ich wegen der Nationalmannschaft in Nürnberg beobachtet wurde. Ich bin zufrieden, dass ich gerade dort ein gutes Spiel mit einem Tor bestreiten konnte. Mehr weiß ich aber nicht."

WERDER.DE: Sabella sagte kürzlich, dass der Sturm der wichtigste Mannschaftsteil für ihn sei. Er legt also vermehrt den Fokus auf den Angriff. Erhöht das deine Chancen?

Franco Di Santo: „Ich bin dankbar, dass mein Name gefallen ist und ich neben einigen weiteren Stürmern im Fokus bin. Es ist ein gutes Gefühl, dass für mich überhaupt die theoretische Chance besteht, bei der WM dabei zu sein."

WERDER.DE: Santi Garcia und du für die ‚Albiceleste‘ bei der WM - das wäre doch was, oder?

Franco Di Santo: (lacht) „Na klar, das wäre ein Traum. Doch nicht nur für uns, sondern auch für Werder wäre das gut, wenn wir beide in Brasilien dabei wären."

WERDER.DE: Wie wichtig ist es für dich, dass ‚Santi‘ ebenfalls beim SV Werder spielt? Wie würdest du das Verhältnis zu ihm beschreiben?

Franco Di Santo: „Das ist sehr wichtig für mich. Wir helfen uns gegenseitig jeden Tag in allen möglichen Situationen. Ich bin eher der Lustige, der gerne mal Spaß macht und Santi ist eher der Ruhigere. Es ist schon häufig passiert, dass sich zwei Spieler, die denselben Ursprung hatten, sich nicht verstanden haben. Bei uns ist das nicht der Fall. Wir verstehen uns auf und neben dem Platz super. Das ist eine verdammt gute Mischung."

WERDER.DE: Verdammt gute Mischung? Das ist auch das Stichwort für die Leistungen der Mannschaft in den letzten Partien, denn die Mischung zwischen Abwehr und Angriff funktioniert immer besser. Ihr seid jetzt schon drei Spiele in Folge ohne Gegentor.  Ruhen darin auch wieder die Hoffnungen für einen Sieg gegen Stuttgart am Samstag?

Franco Di Santo: „Ja, absolut. Wir spielen seit dem Gladbach-Spiel wieder etwas defensiv orientierter. Vernachlässigen aber dabei nicht die Offensive. Wir werden auch gegen Stuttgart unsere Möglichkeiten bekommen. Wir haben die große Chance, uns noch ein Stück von den unteren Plätzen abzusetzen. Diese Chance wollen wir nicht liegenlassen."


Das Interview führten Timo Volkmann und Kevin Weber Roldán