(B)logbuch 5: Unglaublich, wie viel der schluckt!

In Zell am Ziller fährt momentan nicht nur die Dampflok mit Vollgas.
Profis
Montag, 08.07.2013 // 11:33 Uhr

Servus! Das zweite Trainingslager der Sommervorbereitung verschlägt den SV Werder auch dieses Jahr wieder in die Alpenregion Zillertal - im Gegensatz zu Norderney allerdings erst zum zweiten Mal. Zwischen Berg und Tal ist auch Werders Mediendirektor Tino Polster wieder dabei und hautnah bei der Mannschaft. So ist er mit dem Team vor Ort und bietet in seinem (B)Logbuch Hintergründiges, bunte Storys aus ungewöhnlichen Perspektiven und die eine oder andere Anekdote abseits der sportlichen Entscheidungen.

„Ich hätte Haus und Hof verwettet, dass das nichts wird!" So sprach Gerhard Huber gestern zu mir. Er ist der Präsident vom SK Raiffeisen Zell am Ziller, dem örtlichen Verein, unserem sportlichen Gastgeber. Er dachte an den 17. April zurück. Da sah er seine Platzanlage in einem Zustand, der nichts Gutes erahnen ließ. Fast einen halben Meter Höhe an Rasen und Erdreich war abgetragen worden. Unmöglich, dachte Huber, dass Werder da ab dem 7. Juli trainieren kann. Aber irgendwie steckten wir ja selbst dahinter. Der Platz besaß keine Drainage, die Trainingsbedingungen im Vorjahr waren nach ergiebigen Regenfällen schlecht. 

Was macht man da, wenn man eine echte Partnerschaft mit dem Zillertal lebt? Sich gegenseitig unter die Arme greifen. Frank Baumann wusste Rat. Seit langer Zeit schon kennt er einen begnadeten Greenkeeper. Der nahm die Renovierung der Anlage in Angriff und sorgte kurzzeitig für die Schnappatmung beim örtlichen Vereinvorstand. Gestern aber konnte Gerhard Huber wieder richtig lachen: „Unglaublich, in welchem Zustand der Rasen jetzt da liegt. Und wie viel Wasser der schluckt." In den letzten Wochen waren über dem Zillertal noch viel heftigere Güsse niedergegangen als vor einem Jahr, nie stand eine Pfütze drauf.

Es lag ein Donnergrollen über dem Tal der 55 Dreitausender, als wir am Sonntag gegen 17.15 Uhr in unser Hotel Theresa eingezogen waren. Aber regnen sollte es nicht. Die Begrüßung sehr herzlich, aber gefährlich. Ich hasse sie, die Österreicher. Sie haben die beste Gastronomie der Welt, sie führen dich dauernd in Versuchung. Im Garten des Hotels warteten sie schon, die kulinarischen Köstlichkeiten vom Kuchen- und Gebäckbüffet. Eins schien leckerer als das andere, da braucht es schon einen unmenschlich starken Willen, nicht mehr als einmal zuzugreifen. Dazu Orangensaft zum Anstoßen, denn Damir Buric, unser sympathischer Co-Trainer hatte Geburtstag, wurde 49 Jahre alt. Eine kurze Begrüßungsansprache vom Trainer, dann Einrichten auf den Zimmern und Treffen im Besprechungsraum. Dort führte Robin Dutt der Mannschaft ein Video vor, das Werder-TV eigens für diesen Zweck geschnitten hatte: Best of Norderney, ein „harte-Arbeit-großer-Spaß-Mix" als Rückschau für die einen und Einstimmung für die Nationalspieler, die ja hier erst zu uns gestoßen sind.

Auf dem kurzen Fußweg zum Parkstadion wurde die Mannschaft von bekannten Gesichtern begleitet. Sechs Sicherheitskräfte von Elko & Werder Security sind mitgereist. Ein paar Kilometer weiter im Tal verrichten ebenfalls sechs Kollegen einer Hamburger Firma ihren Dienst. Der HSV und auch Werder, dicht an dicht im Trainingslager, begleitet von ihren Fans, da wäre die Not groß, wenn wider Erwarten etwas passieren würde und niemand hätte sich im Vorfeld über die Sicherheitsfrage Gedanken gemacht. So haben beide Seiten ihre Hausaufgaben gemacht, glauben aber auch an die Vernunft ihrer Anhänger.

Nicht nur Fans sind mit im Zillertal, auch eine Schulklasse aus dem Programm „WERDER BEWEGT" ist wieder dabei, die Fußballschule mit Dieter Eilts kommt am Dienstag hierher und eine illustre Gruppe von Sponsorenvertretern ist unserer Einladung in die „Kraftquelle" Zillertal gefolgt. Laufen und Radfahren, wo kann man das besser als hier. Um sieben Uhr in der Früh war die Sponsorengruppe schon auf den Beinen. Und die Profis? Durften wie auf Norderney liegen bleiben. Robin Dutt packt dafür mehr Inhalte in die beiden Einheiten um 10 und 16 Uhr. Auf geht's: zweite Etappe der Vorbereitung, hoffentlich so unter Volldampf wie die Zillertalbahn, die täglich durch Zell stampft.