Ex-Borusse Lambert kommt mit seinen „Villans“

Paul Lambert (2.v.l.) mit seinem neuen Team während des Vorbereitungsspiels bei Nottingham Forest.
Donnerstag, 09.08.2012 // 22:23 Uhr

Das erste Spiel 2012/13 im Weser-Stadion ist zugleich ein hoch attraktives: Der englische Premier-League-Vertreter Aston Villa wartet am kommenden Samstag, um 18 Uhr (ab 17.45 Uhr im Live-Ticker auf ...

Das erste Spiel 2012/13 im Weser-Stadion ist zugleich ein hoch attraktives: Der englische Premier-League-Vertreter Aston Villa wartet am kommenden Samstag, um 18 Uhr (ab 17.45 Uhr im Live-Ticker auf WERDER.DE), auf die Grün-Weißen. Dieser Testkracher bildet zugleich den Höhepunkt sowie Abschluss des ab 13 Uhr beginnenden Tag der Fans 2012 (hier alle Infos). Für Werder ist die Partie auch aus sportlicher Sicht das Vorbereitungshighlight. Doch wen dürfen die Spieler, aber auch die Fans im Weser-Stadion erwarten? WERDER.DE stellt im Folgenden den Gegner, bei dem ein Ex-Borusse seit dem 2. Juni dieses Jahres das Zepter übernommen hat, vor.

„Ich bin stolz, jetzt Manager dieses Fußballklubs zu sein. Ich werde alles für den Verein geben, um erfolgreich zu sein", sagte Paul Lambert bei seiner offiziellen Vorstellung als neuer Teammanager bei Aston Villa. Der Schotte ist der vierte Coach in weniger als zwei Jahren beim Traditionsverein aus den englischen Midlands, möchte diesen wieder zu alten Erfolgen führen und dabei als gutes Beispiel vorangehen. Der ehemalige Dortmunder wurde 1996/1997 der erste britische Spieler, der mit einer nicht-britischen Mannschaft die Champions League gewann. Beim 3:1-Erfolg im Finale in München gegen Juventus Turin schaltete der Schotte keinen Geringeren als Zinedine Zidane aus - über 90 Minuten.

War trotz namenhafter Konkurrenz auf seiner Position im defensiven Mittelfeld Stammspieler bei Borussia Dortmund: Paul Lambert.

Doch nach anderthalb „fantastischen Jahren" zog es den Schotten zurück auf die Insel. Der Sohn krank, die Frau von Heimweh geplagt. Kein einfacher Schritt, bei seinem Abschied aus Dortmund weinte er. Doch seine Zeit in Deutschland hat Spuren hinterlassen, vor allem der „Unterricht" beim damaligen Trainer Ottmar Hitzfeld. Lambert - fußballerisch noch aktiv - macht den Trainerschein - nicht in Großbritannien, sondern in Köln. An der Sporthochschule. Mit seinem Ex-Verein Norwich City schaffte Lambert als Trainer den Durchmarsch von Liga drei in die höchste englische Spielklasse. Jetzt wartet auf den 43-Jährigen beim Aston Villa Football Club, so der offizielle Name, eine neue Mission.

Aufgrund seiner frühen Gründung im Jahre 1874 zählt der Verein aus Birmingham zu den ältesten Klubs Englands, der seine Heimspiele seit 1897 im Villa Park austrägt. Sieben englische Meisterschaften, sieben FA-Cup-Triumphe sowie fünf Titel im League Cup konnten die Villans in ihrer Vereinsgeschichte einheimsen, die meisten davon allerdings vor dem Zweiten Weltkrieg. 1982 feierte Aston Villa den bisher größten Vereinserfolg. Nach einem 1:0-Sieg im Finale über den FC Bayern wurden die Engländer nach Liverpool, Manchester United und Nottingham Forest der vierte Klub von der Insel, der den wichtigsten europäischen Wettbewerb gewann, den Europapokal der Landesmeister. In der Historie fand sich das Gründungsmitglied der 1888 ins Leben gerufenen Football League auch mehrere Spielzeiten in der Zweit- bzw. Drittklassigkeit wieder. Seit 1992 spielen die Engländer, die traditionell mit weinrot/himmelblauen Trikots auflaufen, ohne Unterbrechung in der wiederum neu gegründeten Premier League.

Große Spieler- bzw. Trainerpersönlichkeiten haben Aston Villa ebenfalls schon über den Atlantik hinaus bekannt gemacht. So fungierte nach Martin O'Neill (2005 bis 2010) und Kevin MacDonald Gérard Houllier (u.a. Paris St.-Germain, FC Liverpool, Olympique Lyon) als sportlicher Leiter. Gesundheitliche Probleme  hatten jedoch einen vorzeitigen Rücktritt des Franzosen nach nur einer Spielzeit zur Folge. Im Anschluss übernahm Alex McLeish den Managerposten. Doch diese neue Verbindung stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Der Schotte kam ausgerechnet vom Stadtrivalen Birmingham City. Nach einer langen Talfahrt fand sich der Verein aus den englischen Midlands lediglich auf Rang 16 wieder - zu wenig für die Ansprüche Aston Villas. McLeish musste seinen Hut nehmen, woraufhin Paul Lambert das Traineramt übernahm.

Teuerster Akteur in der Vereinsgeschichte von Aston Villa: Der 21,5 Mio. Euro schwere Darren Bent.

John Carew, Ashley Young, Peter Schmeichel, Dwight Yorke, Milan Baros - die Liste der namenhaften Spieler, die für die Villans die Schuhe schnürten, ist lang. Eher negativ besetzt ist dagegen der Name Peter Enckelman im Villa Park. Der finnische Schlussmann ließ im September 2002 einen Rückpass-Einwurf seines Mitspielers Olof Mellberg über seinen Fuß kullern - Villa verlor ausgerechnet im „Second City Derby" gegen Birmingham City mit 0:3. Enckelman bescherte dieser Fauxpas einen Eintrag in die Top10 der englischen Tageseitung "The Daily Telegraph" in der Kategorie 'schönstes Eigentor'. 

Im Test am Samstag im Weser-Stadion möchte sich Neu-Coach Lambert insbesondere von den Zugängen Ron Vlaar, Brett Holman, Matt Lowton und Karim El Ahmadi einen weiteren Eindruck verschaffen. Villa startet eine Woche später bei West Ham United in die neue Saison. Gegen den SV Werder nicht dabei sein kann indes Gabriel Agbonlahor. Der 25-jährigen Angreifer wird seit Wochen von Knieproblemen geplagt. Darren Bent könnte hingegen wieder in vorderster Front stürmen. Der teuerste Neuzugang der Vereingeschichte (Bent wechselte im Januar 2011 für umgerechnet 21,5 Mio. Euro vom AFC Sunderland zu Aston Villa) zog sich vor ein paar Wochen zwar eine Zerrung zu. Die Verletzung ist aber weitestgehend ausgeheilt und sollte den 28 Jahre alten englischen Nationalspieler, der bei seinen insgesamt vier Vereinswechseln bereits fast 63 Mio. Euro Ablöse gekostet hat, somit nicht weiter stören.  

von Timo Volkmann