Dieser Weg wird kein leichter sein - oder doch?

Zlatko Junuzovic (r.) wird mit seinen Mannschaftskollegen alles versuchen, die gut aufgelegten Bayern zu ärgern.
Bundesliga
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Am kommenden Sonnabend, den 29. September 2012, gastiert der FC Bayern im Bremer Weserstadion. Wieder ein Verein aus dem Süden, dieses Mal allerdings der beste weit und breit.

Besonders bei Sportjournalisten gehört der Begriff „Nord-Süd-Schlager" in die Schublade der stets griffbereiten Formulierungen. Und so liefen auch die beiden letzten Duelle von Werder gegen Stuttgart (2:2) und Freiburg (2:1) unter eben jener Bezeichnung. Am kommenden Sonnabend, den 29. September 2012, gastiert nun der FC Bayern im Bremer Weser-Stadion. Wieder ein Verein aus dem Süden, dieses Mal allerdings der beste weit und breit. Beim Team von Trainer Jupp Heynckes läuft es aktuell so gut wie lange nicht mehr. Seit dem verlorenen Champions-League-Finale haben die Bayern alle (!) darauffolgenden Pflichtspiele gewonnen und befinden sich derzeit auf einem guten Weg. Ein Weg, der allerdings noch „lang" ist und „möglicherweise auch steinig" werden kann, wie die Münchner selbst sagen.

Der 19. Mai 2012 war der wohl bitterste Tag in der Vereinsgeschichte des FC Bayern. Champions-League-„Finale dahoam" inklusive Albtraum dahoam. Nach der Niederlage gegen Chelsea blieben Enttäuschung, Leere und Frust, aber auch viele Fragezeichen. Hat Superstar Arjen Robben nach seinen egozentrischen Auftritten noch eine Zukunft in München? Wie verkraftet Bastian Schweinsteiger die schlimmsten Tage seiner Karriere? Und wie soll sich ein Team, das in drei Wettbewerben kontinuierlich gut bis sehr gut gespielt und je drei Vizetitel geholt hat, noch personell verstärken?

Die Sommerpause war lang. Lang genug, um Antworten zu liefern. Robben? Ist geblieben und arbeitet mehr für die Mannschaft denn je. Schweinsteigers Krise? Vier Tore in sieben Spielen. War da was? Und die Verpflichtung von sehr guten (und sehr teuren) Fußballern war in München eigentlich noch nie ein Problem: Javi Martínez (Ablöse ca. 40 Mio.), Mario Mandzukic (ca. 13 Mio.), Xherdan Shaqiri (ca. 13 Mio.), dazu Dante (ca. 5 Mio.) und Claudio Pizarro (ablösefrei), um nur die Toptransfers zu nennen. Wobei, ein wichtiger Neuzugang fehlt noch: Matthias Sammer. Was für ein Coup! Der ehemalige DFB-Sportdirektor wurde im Sommer ganz überraschend als Nerlinger-Nachfolger präsentiert - und steht seitdem für eine neue Bayern-Ära. Eine Ära, die geprägt sein soll von Dominanz, Stärke und Selbstvertrauen, vor allem aber möglichst von Titeln.

Bayern schier übermächtig - und trotzdem vorsichtig

So sah man die Bayern zuletzt häufig: jubelnd. Boateng, Robben, Dante, Martínez, Mandzukic und Co. führen die Tabelle aktuell souverän an.

Die Hausaufgaben sind also gemacht worden an der Säbener Straße. Jetzt müssen Taten folgen. Und der erste Eindruck nach sieben Spielen in drei Wettbewerben ist gewaltig. Der Konkurrenz schlottern die Knie und die Presse überschlägt sich mit Superlativen. Eine erste Bayern-Bilanz in der Bundesliga gefällig? Bitte sehr: Fünf Spiele, fünf Siege. Torverhältnis: 17:2. Bedeutet: neuer Startrekord. Nie kam ein Klub besser in eine Bundesliga-Saison. Auch Werder-Trainer Thomas Schaaf hat das zur Kenntnis genommen: „Sie treten als Mannschaft stark auf. Momentan ist es schwer, bei den Bayern etwas Negatives zu finden."

Dennoch bleibt man vor allem in vereinsinternen Kreisen auf dem Boden der Tatsachen.Man hat aus den vergangenen zwei Jahren, in denen man trotz zwischenzeitlicher Überlegenheit titellos blieb, gelernt: „Euphorie ist unangebracht", erklärt beispielsweise Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und gibt vor: „Wir müssen ruhig bleiben und weiter engagiert Fußball spielen." Und auch Mannschaftskapitän Philipp Lahm gibt wohlwissend, beinahe drohend, zu Protokoll: „Letztes Jahr haben wir in der Liga viele Punkte verschenkt, weil wir nicht konsequent waren. Das passiert uns nicht wieder."

Besonderes Spiel für Pizarro und Petersen

Was für ein Spiel: Mesut Özil (r.) schaffte 2008 mit Werder einen historischen 5:2-Sieg in München.

Wer soll Bayern also stoppen? Die nächste Mannschaft, die es versuchen darf, heißt Werder Bremen. „Es wird eine sehr, sehr schwere Partie für uns. Aber wir können uns beweisen", weiß Schaaf. In der Vergangenheit konnten die Grün-Weißen den Münchnern regelmäßig Paroli bieten. Gegen keine andere Bundesligamannschaft hat Bayern öfter verloren, als gegen Bremen. Doch zuletzt war für Werder nur wenig zu holen, die letzten drei Punkte gab es beim 5:2-Sieg in München (September 2008). Damals schossen Rosenberg (2), Naldo, Özil und Pizarro die Tore für Werder. Seitdem ist jedoch viel passiert.

Gute vier Jahre später stehen neben dem Münchner Starensemble vor allem zwei Spieler im Fokus der Partie: Nils Petersen und Claudio Pizarro. Für Petersen, Bayern-Leihgabe im Werder-Sturm, wird das Aufeinandertreffen dabei sicher nicht halb so emotional wie für Pizarro. Den Peruaner, insgesamt sieben Jahre in Diensten von Werder Bremen, zog es erst im Sommer von Bremen nach München (wie schon 2001) und kommt nun erstmals im neuen Dress in sein altes Wohnzimmer. Und das als frisch gebackener Rekordmann. Mit seiner Einwechslung am letzten Spieltag gegen Wolfsburg kam er auf seinen insgesamt 337. Bundesligaeinsatz - kein anderer Ausländer hat den Rasen in Deutschlands höchster Spielklasse öfter betreten.

…dieser Weg wird steinig und schwer?

Wenn es nach den Bayern geht, haben sie am Ende der Saison noch ein wenig mehr zu feiern, als den neuen Pizarro-Rekord. Im bekannten deutschen Popsong „Dieser Weg" von Xavier Naidoo heißt es: "Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer." Zwar ist nicht übermittelt, ob Karl-Heinz Rummenigge eine Vorliebe für Naidoo-Songs hat, und doch bemühte er kürzlich eine Parallele zu Naidoos Liedtext: "Wir haben noch einen langen und möglicherweise auch steinigen Weg vor uns", erklärte er. Der Weg der Bayern - ein langer Weg, so viel ist klar. Steinig und schwer? Das wird sich noch zeigen. Die Zuschauer im Weser-Stadion hätten sicher nichts dagegen, wenn sich Werder Bremen auf besagtem Weg als erster Stolperstein entpuppen würde.

Von Cord Sauer