"Im Herzen ein Bremer" - Interview mit Florian Trinks

Kehrt am Samstag im Dress der "Kleeblätter" zurück in die Hansestadt: Florian Trinks.
Profis
Mittwoch, 13.03.2013 // 14:36 Uhr

Hallo Flo, in der letzten Woche hat dich ein grippaler Infekt außer Gefecht gesetzt. Bist du inzwischen wieder genesen?

Das Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth wird für den SV Werder auch ein Wiedersehen mit Florian Trinks. Der 21-Jährige wechselte erst in der Winterpause von der Weser nach Mittelfranken und kehrt nach 6,5 Jahren im Dress des SVW nun erstmals als Gegner ins Weser-Stadion zurück. Für WERDER.DE der Grund, um vor der Begegnung mit Trinks zu telefonieren und über Heimweh, Neuanfang und Abstiegskampf zu sprechen.

Florian Trinks: "Ja, mir geht es schon wieder ganz gut. Die Grippe habe ich auskuriert, eine leichte Erkältung ist noch geblieben. Ich bin gerade im Wald mit dem Hund unterwegs - frische Luft tut gut." (lacht)

Dein Abschied von Werder liegt erst wenige Wochen zurück. Damals hast du gesagt, du gehst mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ist das weinende Auge inzwischen getrocknet?

Florian Trinks: "Im Herzen bin ich ein Bremer, das weiß jeder, dazu stehe ich und das wird sich so schnell auch nicht ändern. Ich verfolge mit großem Interesse, wie sich Werder entwickelt und drücke dem Team die Daumen, aber dennoch war der Schritt für mich genau der richtige. Mir tut das hier gut."

Mit welchen Gefühlen würdest du nach Bremen zurückkehren?

Florian Trinks: "Es wäre für mich eine Rückkehr in die Heimat. Ich würde mich auf meine Familie und meine Freunde freuen, auf meine alten Mannschaftskollegen, auf das Team hinter dem Team, auf das Stadion. Es gibt da eine ganze Menge, auf die ich mich freuen würde."

Angesichts dieser enormen Verbundenheit: Wie wichtig wäre dir ein Einsatz gegen die alten Kollegen und in der "Heimat"?

Florian Trinks: "Nach meiner Krankheit hoffe ich natürlich zunächst einmal, dass ich im Kader stehen werde. Wir haben seit Dienstag einen neuen Trainer - da muss man erst mal sehen, welches System er spielen möchte und welche Vorstellungen er generell hat. Aber für dieses Spiel gilt das Gleiche wie für jede andere Partie auch: Ich werde alles geben, um dabei zu sein."

Und anschließend bleibst du in Bremen?

Florian Trinks: "Ich hoffe tatsächlich, dass ich nach dem Spiel nicht direkt wieder mit zurückkreisen muss. Die Woche drauf ist ja Länderspielpause und deshalb habe ich die Hoffnung, dass wir ein, zwei Tage frei bekommen. Das werde ich aber noch absprechen und weiß es jetzt noch nicht. Sollte es so kommen, würde ich vielleicht auch noch meinen Geburtstag nachfeiern." (lacht)

Der Wechsel nach Fürth ging im Januar von jetzt auf gleich. Du warst noch mit uns im Trainingslager und am letzten Tag der Transferperiode war dann alles fix. Beschreib doch mal diese Tage.

Florian Trinks: "Der Wechsel ging so schnell, dass ich das alles selbst zu Beginn nicht richtig realisieren konnte. Ich war dann ja auch noch bei der GrünWeißenNacht, um mich zu verabschieden. Die ersten Tage in Fürth waren dann sehr stressig. Da sind viele Eindrücke auf mich eingeprasselt. Ich habe im Hotel gelebt, mir Wohnungen angeschaut, ein Auto zugelegt und natürlich trainiert. Es war alles sehr spannend, aber ich muss es so schnell auch nicht wieder haben."

Und inzwischen hast du die Wohnung bezogen, oder wohnst du noch im Hotel?

Florian Trinks: "Weder das eine, noch das andere. Ich habe zwar eine Wohnung gefunden, wohne im Moment aber noch bei Freunden, die ich gemeinsam mit meiner Freundin vor einiger Zeit im Urlaub kennengelernt habe."

Täuscht der Eindruck, dass du dich schon gut eingelebt hast?

Florian Trinks: "Nein, so ist es wirklich. Abgesehen von der sportlichen Situation ist es echt cool hier. Dass ich auch direkt Freunde vor Ort hatte, die nichts mit dem Fußball zu tun haben, war hilfreich."

Und die Wohnung ist dann direkt in Fürth?

Florian Trinks: "Ich habe schon auch überlegt nach Nürnberg zu ziehen, aber da hätte ich täglich über eine Stadtautobahn gemusst, um zum Training zu kommen. Und da es sich da immer staut, hatte ich darauf keine Lust. Jetzt habe ich eine Wohnung gefunden, die nur wenige Autominuten vom Stadion entfernt liegt."

Wohnung gefunden, Freunde vor Ort. Und wie wurdest du in der Mannschaft aufgenommen?

Florian Trinks: "Die Mannschaftskollegen sind super nett, die Verantwortlichen auch. Hier ist auch alles sehr professionell, aber auch etwas „oldschool" (lacht). Mit Werder Bremen kann man das nicht vergleichen."

Gibt es denn Mitspieler, die du schon vorher kanntest?

Florian Trinks: "Mit Felix Klaus und Matthias Zimmermann habe ich in der Junioren-Nationalmannschaft zusammen gespielt. Beide haben mir geholfen, mich schnell zurechtzufinden."

Aber sportlich hattest du es dir sicherlich etwas anders vorgestellt ...

Florian Trinks: "Ich wusste, unter welchen Vorzeichen ich nach Fürth gewechselt bin und wie das erste halbe Jahr laufen wird. Und genauso ist es jetzt auch gekommen. Es ist für uns eine schwierige Situation, aber wir versuchen das Beste daraus zu machen."

Heißt 'das Beste daraus machen', dass ihr euch vernünftig verabschieden wollt, oder dass ihr so lange für den Klassenerhalt kämpft, wie er rechnerisch möglich ist?

Florian Trinks: "Das heißt, dass wir natürlich bis zum Ende alles dafür geben werden in der Bundesliga zu bleiben, sonst wären wir keine Profi-Sportler. Aber wir wissen auch, dass es jetzt brutal schwer wird und es nicht richtig wäre, die Augen davor zu verschließen."

Welche Rolle wirst du persönlich dabei spielen?

Florian Trinks: "Ich würde natürlich gerne öfter spielen, ich weiß aber auch, dass ich eigentlich erst ab Sommer eingeplant bin und derzeit noch viele Spieler hier sind, die den Verein nach der Saison verlassen werden. Das akzeptiere ich, versuche mich unterzuordnen, mein Ding zu machen und alles so positiv wie möglich zu sehen. Aber nichtsdestotrotz werde ich weiterhin alles geben und dann wird man am Ende sehen, wie viele Einsätze es in dieser Saison noch werden."

Themenwechsel: Ihr habt in Person von Frank Kramer seit Dienstag einen neuen Trainer. Wie ist der erste Eindruck?

Florian Trinks: "Sehr positiv. Er ist ein sachlicher, ruhiger Typ, der Fußball lebt und mit totaler Leidenschaft dabei ist."

Hat er schon die "Marschroute" für das Spiel im Weser-Stadion ausgegeben? Du könntest ihn ja beratschlagen.

Florian Trinks: "Bisher gab es solche Gespräche nicht, aber wenn der Trainer mich fragt, werde ich natürlich mit bestem Gewissen alles erzählen, was ich über Werder weiß. (lacht) Ich muss aber auch sagen, dass Werder eine Wundertüte ist und Thomas Schaaf ja auch nicht jede Woche mit der gleichen Mannschaft spielt."

Sicher ist aber wohl, dass ihr nicht nach Bremen fahrt, um die Punkte kampflos abzuschenken...

Florian Trinks: "Natürlich nicht. Wir wollen die Saison so gut wie möglich zu Ende spielen und dafür so viele Punkte wie möglich holen. Deshalb gehen wir in das Spiel, um am Ende etwas Zählbares mitzunehmen."

Das Interview führte Dominik Kupilas