Eichin gibt die Richtung vor: Nicht rumjammern!

Nach dem Schlusspfiff herrschte großte Enttäuschung über das 0:1 unter den Werder-Profis.
Profis
Samstag, 02.03.2013 // 19:56 Uhr

Die Enttäuschung ist riesengroß, der Ton wird rauer! Klar war die Mannschaft am Samstag nach Spielschluss wieder einsichtig, doch alle Erklärungen nach dem Spiel spendeten keinen Trost.

Geschäftsführer Thomas Eichin wurde deutlich: „Wir haben einige Spieler mit sehr hohen Ansprüchen, die müssen es jetzt auch mal auf dem Platz zeigen und nicht nur in Interviews zwischen den Spieltagen." Das Nahziel hat Eichin dabei klar vor Augen: „Wir müssen weg von dieser negativen Grundstimmung. Wir müssen schnell die Wende schaffen. Das wird jetzt sicher ein schweres Stück Arbeit, aber wir müssen dahin kommen, nicht rumzujammern, die Situation anzunehmen und wieder mutiger und entschlossener ins Spiel zu gehen. Wir müssen hier auch wieder Teams in unserer eigenen Art und Weise sicher schlagen können. Die Mannschaft kann sich das wieder erarbeiten, wenn sich jeder an die eigene Nase packt. Wenn jeder verinnerlicht, dass individuelle Klasse allein in der Bundesliga nicht reicht, dass auch andere Qualitäten außer spielerische Klasse Grundbedingungen sind." Eichin weiter: „Dass sich in der Mannschaft Dinge ändern müssen, das weiß Thomas Schaaf auch. Er wird die Maßnahmen bündeln. Der Trainer steht in keiner Weise zur Diskussion."

Thomas Schaaf nahm sich nach dieser Partie viel Zeit, um die Fragen zur Situation zu beantworten. Es war ein enttäuschter, aber aufgeräumter Trainer, der auch auf Fragen nach seiner Zukunft gelassen agierte. Stichworten wie „Trainer-Rücktritt", „Vorwürfe an die Mannschaft" oder „stagnierende Entwicklung des Teams" ging er nicht aus dem Weg. Sein Signal: „Ich bin selbstkritisch genug, dass ich weiß, dass wir keinen Applaus erwarten können, wenn wir so ein Spiel verlieren", so Schaaf, der die Kritik teilt, dass dem Team ein wichtiger Schritt in ihrer Weiterentwicklung fehlt: „Ja, wir sehen alle, dass sich die Mannschaft sehr schwer tut, den nächsten Schritt zu gehen, um konstante Leistungen abzurufen. Aber ich muss auch widersprechen, wenn es heißt, die Mannschaft würde sich nicht weiterentwickeln. Sie hat in dieser Saison viel gelernt, aber es fehlt eben der große Sprung nach vorn, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen." Und genau darum kreisen die Gedanken des Coaches. „Mich interessiert unser Spiel. Mich interessiert, warum nicht die Bereitschaft da ist, sich zu wehren, warum wir dem Gegner zu viel Raum geben."

Einen Teil der Lösung sieht Schaaf in falsch verstandenem Vertrauen zu den Teamkollegen. „Wir haben zu sehr die Einstellung, der Mitspieler erledigt das schon. Wir denken vielleicht zu offensiv und sind in der Defensive nicht so konzentriert. Die Mannschaft muss deutlich aktiver sein, deutlich mehr miteinander kommunizieren."

Die Schwerpunkte für die Arbeit der nächsten Wochen stehen also fest, die Wege dahin werden vielfältig sein. „Jeder kann sicher sein, dass wir nicht nur eine Variante wählen, wie wir die Mannschaft ansprechen, wie wir mit ihr arbeiten. Draußen auf dem Trainingsplatz kann das jeder verfolgen, aber auch in der Kabine gibt es dafür nicht nur eine Richtung. Wir nutzen alle Möglichkeiten, um mit diesen Spielern wieder Leistungen hinzukriegen, über die man sich freuen kann."

Das wäre auch im Sinne von Zlatko Junuzovic, der das Feld als Kapitän verließ, und in der Mixed-Zone gemeinsam mit Sokratis Tacheles redete. Die Themen dabei:

Die Gründe für die Niederlage

Zlatko Junuzovic: „Diese Niederlage ist sehr enttäuschend. Da ist inzwischen viel Verunsicherung dabei. Wir waren zu passiv, zu naiv. Wir müssen an diesem Stil schleunigst etwas ändern. Ich denke, dass wir uns auf zu viele andere Dinge unter der Woche konzentrieren, auf zu viel, was geschrieben und diskutiert wird. Wir lassen uns da ablenken vom ganzen Trubel rundherum."

Sokratis: „Bei uns muss jeder Spieler alles geben, damit wir erfolgreich sind. Wenn zwei oder drei Spieler nicht mitmachen, dann wird es schwierig. Wir haben heute zu viele zweite Bälle verloren."

Zur Tabellensituation

Zlatko Junuzovic: „Wenn man drei Spiele in Folge verliert und darunter zwei Heismpiele sind, ist es sehr frustrierend. Wir sollten einfach gar nicht mehr auf die Tabelle schauen und den Diskussionen folgen, ob wir jetzt nach oben oder nach unten schauen müssen. Das ist genau so eine Sache, die ablenkt, die unwichtig ist. Wir müssen uns auf den Fußball konzentrieren."

Sokratis: „Wir haben sehr schlecht gespielt. Wenn man drei Partien in Serie verliert, dann hat man nicht viele Sachen richtig gemacht. Wir stehen momentan bei 28 Punkten und müssen jetzt zusehen, dass wir schnellstmöglich 35 Punkte erreichen, um die Saison zu retten. Alle anderen Gedanken verbieten sich in der momentanen Situation. Im Moment ist das nicht Werder. Mit so einer Saison habe ich nicht gerechnet, ich habe gedacht, dass wir eine bessere Mannschaft haben und weiter oben stehen in der Tabelle. Aber ich habe mich wohl vertan."

Über die nächste Trainingswoche

Zlatko Junuzovic: „Wir müssen an unseren Stärken arbeiten, unbedingt den Spaß am Fußball wiederfinden. Wir sind doch das gleiche Team wie in der Hinrunde und da konnten wir in den Heimspielen die Gegner unter Druck setzen, unser Spiel aufziehen. Da müssen wir wieder hinkommen."

Sokratis: „Wir sind in einer schwierigen Phase. Da hilft es nur noch härter zu arbeiten. Jeder von uns muss alles für die Mannschaft geben und sich ins Bewusstsein rufen, für welchen Verein wir spielen. Werder ist ein großer, ambitionierter Klub. Wir müssen kämpfen und uns aus dieser Situation befreien. Das klappt nur mit harter Arbeit."

Über den Trainer

Zlatko Junuzovic: „Wir sind eine intakte Mannschaft und stehen geschlossen zum Trainer. Da lassen wir uns durch nichts irritieren."

Sokratis: „Wir glauben alle an den Trainer. Er leistet hier seit vielen Jahren sehr gute Arbeit und hat auch aus dieser Mannschaft viel herausgeholt. Das Verhältnis zwischen uns Spielern und dem Trainer ist sehr gut, es gibt keinen Grund an ihm zu zweifeln."

Zur Gelbsperre von Sokratis

Sokratis: „Echt bitter! Erst konnte ich zwei Wochen nicht spielen, weil ich krank war und jetzt falle ich für das nächste Spiel aus, weil ich die fünfte Gelbe Karte gesehen habe. Aber so ist das Leben, so ist der Fußball."

Aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph, Dominik Kupilas und Yannik Cischinsky