Ein stiller, emotionaler Abschied

Die erste Einheit ohne den Cheftrainer: Vor dem Laktattest am Mittwochvormittag versammelte sich das Team mit Wolfgang Rolff und Matthias Hönerbach.
Profis
Mittwoch, 15.05.2013 // 18:26 Uhr

Ein letztes Mal sprach Thomas Schaaf an diesem Mittwochmorgen in der Kabine vor dem Team. Und ein letztes Mal lauschten die Spieler seinen Worten. Es war eine Situation, die sowohl den langjährigen Coach als auch die Werder-Profis emotional bewegten. „Thomas Schaaf hat tolle Worte gefunden. Die fünf bis zehn Minuten haben da absolut gereicht. Einige Spieler mussten dabei schon eine Träne verdrücken", gewährte Nils Petersen wenig später einen Einblick. Und auch Kapitän Clemens Fritz befand: „Bei der Verabschiedung vor der Mannschaft wurde uns allen nochmal bewusst, was für eine tolle Zeit wir hatten. Trotz der ganzen Spekulationen war es dann doch sehr überraschend und dadurch sehr emotional."

Nach der einvernehmlichen Trennung zwischen ihm und dem SV Werder nahm sich Schaaf also noch mal die Zeit, um Adieu zu sagen. „Ich bedanke mich bei allen, die mich in den ganzen Jahren unterstützt haben. Egal ob im Verein, oder als Fan den Weg mitgeleitet habe. Und mir das Zutrauen gegeben haben, Aufgaben anzupacken und das Vertrauen zu geben, diese auch bewältigen zu können. Wir haben hier alle unglaublich viele schöne Momente erlebt, aber genauso auch schwierige Zeiten durchgemacht. Ich wünsche Werder Bremen alles Gute", sagte Schaaf kurz vor seiner Abfahrt am Vormittag.

Seit 1972 ist der 52-Jährige im Verein, 14 Jahre war er Cheftrainer bei den Grün-Weißen und holte in seiner Ära vier große Titel. Am vergangenen Samstag wurde beim 1:1 gegen Frankfurt der Klassenerhalt gesichert. Seine letzte Amtshandlung als Werder-Coach. „Wir haben alle Faktoren, die Faktenlage und die Zukunftsaussichten analysiert. Irgendwann kam dann das Gefühl auf, bei dem jeder wusste, welcher Weg nun der richtige ist", nannte Geschäftsführer Thomas Eichin auf der offiziellen Pressekonferenz den Grund für die Trennung.

Für Fritz, Petersen und Co. ging es indes nach dem Abschied erstmalig ohne ihren Cheftrainer auf den Platz. Auf der Tartanbahn des Stadions „Platz 11" stand der kurz vor Saisonende übliche Laktattest an. Zu diesem Zeitpunkt hatte Thomas Schaaf das Trainingsgelände am Weser-Stadion bereits verlassen. Doch sein Weggang war verständlicherweise immer noch in den Köpfen der Spieler. „Im ersten Moment war das wirklich für uns alle ein Schock. Wir waren alle sehr betroffen und geschockt. Das ist nicht in Worte zu fassen", so Sebastian Prödl. „Die ganze Situation ist nicht in einer Stunde zu verarbeiten. Ich kann nur sagen, dass ich dankbar bin, fünf Jahre mit ihm zusammengearbeitet haben zu dürfen. Er hat mich sehr weiter gebracht und erfährt dadurch eine hohe Wertschätzung von mir", lobte der österreichische Nationalspieler, der im Sommer 2008 nach Bremen wechselte.

Sogar auf zwei Jahre mehr geht die Zusammenarbeit zwischen Fritz und Schaaf zurück. „Wir alle konnten viel von ihm lernen. Dafür möchten wir uns auch nochmal bedanken. Ganz Bremen kann dankbar sein für seine gute Arbeit, die er in den letzten 14 Jahren bei Werder geleistet hat", sagte Werders Spielführer.

Lediglich eine Spielzeit konnte dagegen Nils Petersen den langjährigen Coach an der Weser erleben. „Dass sich ausgerechnet in dieser Saison und nach nur einem Jahr unsere Wege trennen, ist unglaublich schade. Natürlich macht man sich dann schon Gedanken. Schließlich haben wir auch einen Teil dazu beigetragen, dass wir am Ende in der Tabelle so weit unten standen", äußerte sich der Angreifer selbstkritisch. "Wir machen uns schon Vorwürfe, weil wir die Saison nicht so gestalten konnten, wie wir uns das eigentlich vorgenommen hatten", weiß auch Teamkollege Prödl. Schließlich habe Thomas Schaaf den Verein geprägt und erst zu dem gemacht, der er heute sei. "Das ist aller Ehren wert. Auch gerade deshalb ist es Zeit, stets positiv an die Zeit des Trainers zurück zu denken."

von Timo Volkmann und Marcel Schmidt