Regenschlacht: Werder trennt sich 1:1 von Cottbus

Die Zuschauer im Parkstadion Zell am Ziller sahen ein leidenschaftlich umkämpftes Freundschaftsspiel. Alexandar Ignjovski (l.) zeigte sich wie gewohnt engagiert, wie in dieser Szene auch Roger vom FC Energie Cottbus.
Trainingslager
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

In einem leidenschaftlich umkämpften Freundschaftsspiel, in dem Werder Bremen über weite Strecken dominierte und trotz strömender Regengüsse sicher kombinierte, trennten sich die Grün-Weißen von Energie Cottbus mit 1:1.

In einem leidenschaftlich umkämpften Freundschaftsspiel, in dem Werder Bremen über weite Strecken dominierte und trotz strömender Regengüsse sicher kombinierte, trennten sich die Grün-Weißen von Energie Cottbus mit 1:1. Es war der erste Härtetest der noch jungen Saisonvorbereitung, den die Elf von Trainer Thomas Schaaf beinahe mit Bravour gemeistert hätte, wenn Daniel Adlung nicht kurz vor Schluss den Ausgleichstreffer für die Lausitzer markiert hätte. Das Tor für Werder erzielte Neuzugang Eljero Elia im ersten Durchgang nach einer sehenswerten Spielkombination.

Das vierte Testspiel der Saisonvorbereitung 2012/2013 sollte die Werder-Profis erstmals richtig fordern. Drei Siege in drei Testbegegnungen gegen Amateurteams hatte es zuvor für die Grün-Weißen gegeben - mit einem Torverhältnis von insgesamt 30:1. Nun wartete mit dem FC Energie Cottbus eine Zweitbundesliga-Mannschaft, die Clemens Fritz und seinen Kollegen mehr abverlangen sollte.

Als der Unparteiische Michael Daxauer zum Anpfiff in seine Pfeife blies, regnete es wie aus Eimern. Den fantastischen Werder-Fans schien das allerdings nur wenig auszumachen, sie feierten ihr Team mit lauten Sprechchören. Das Spiel begann munter und temporeich. Cottbus, in roten Trikots, hatte schnell die erste Chance durch den ehemaligen Bremer Boubacar Sanogo, der in der 4. Minute Sebastian Prödl stehen ließ, dann den Ball aber am langen Pfosten vorbei schob. Werder antwortete prompt - Marko Arnautovic versuchte es keine 60 Sekunden später mit einem strammen Schuss aus 16 Metern. Energie-Keeper Thorsten Kirschbaum musste sich arg strecken, um das frühe 1:0 für die Bremer zu verhindern.

Das frühe 1:0 hätte dann ebenso gut in der 10. Minute fallen können, als Eljero Elia nach einem tollen Steilpass von Aaron Hunt allein vor dem gegnerischen Gehäuse auftauchte, aber das Zuspiel um Millimeter verpasste. Cottbus blieb trotz des engagierten Werder-Auftritts in der Anfangsviertelstunde gefährlich. Gerade wollten die Lausitzer einen Angriff aufziehen, da unterband Lukas Schmitz diese Bemühungen und leitete einen erstklassigen Konter ein: Über Zlatko Junuzovic kam die Kugel zu Nils Petersen, der Kirschbaum umkurven und den Ball von der Grundlinie in die Mitte bringen konnte. Leider fand Petersen keinen Abnehmer (16.).

Neben Sanogo fand sich auch ein weiterer Ex-Bremer in der Startaufstellung von Energie Cottbus wieder - Ivica Banovic. Der sorgte in der 22. Minute für die zweite Chance seines Teams, als er sich aus zentraler Position mit einem Torschuss probierte. Werders Torhüter Raphael Wolf musste sich ganz lang machen, konnte den Ball aber noch souverän wegfausten - eine Klasseparade. Nach dieser Chance übernahm Werder wieder das Ruder - ohnehin hatten die Bremer mehr Spielanteile bis dahin und spielten konzentriert und mutig auf den Führungstreffer hin.

In der 27. Minute zeigte Elia dann, weshalb er geholt wurde. Mit einer tollen Einzelaktion durchquerte er die gesamte Hälfte von Energie Cottbus, fand sich danach auf der linken Seite auf der Grundlinie wieder und wollte gerade zum finalen Pass ausholen, als er gestört wurde. Dennoch: Ein Werder-Tor schien bloß eine Frage der Zeit zu sein. Junuzovic (28.) hatte gleich nach Elias Show die nächste dicke Chance, doch sein Ball rollte nach toller Hunt-Arnautovic-Kombination knapp am linken Pfosten vorbei.

Dann fiel es, das Tor für die Elf von Thomas Schaaf. Nach einem Abschlag von Keeper Wolf bekam Hunt den Ball an den Fuß, der ihn weiter auf Junuzovic leitete. Von dort fand die Kugel ihren Weg über Bargfrede zu Elia, der das runde Leder rechts an Kirschbaum vorbei trocken in die Maschen hob - ein Super-Tor! (34.).

Das Spiel wurde daraufhin etwas intensiver und härter, ein Foul von Marc-André Kruska an Junuzovic direkt vor der Haupttribüne sorgte für unnötige Brisanz. Uwe Möhrle zeigte in der 36. Minute ähnlichen Übereifer und legte Hunt - Schiedsrichter Daxauer zückte gleich zweimal den gelben Karton für Energie Cottbus.

Elias (l.) Traumtor: Nach sehenswerter Kombination beförderte Werders Neuzugang den Ball nach kurzem Ballkontakt direkt ins gegnerische Tor.

Nach einem 25-Meter-Schuss von Bargfrede (41.), der von Kirschbaum pariert werden konnte, ging es für beide Teams in die Kabinen zum Halbzeittee. Nach dem Wiederanpfiff sah das Publikum im Parkstadion Zell am Ziller zwar eine komplett andere Bremer Mannschaft, dennoch ließen sich schnell Parallelen zum ersten Durchgang erkennen. Werder machte das Spiel und schaffte es trotz strömenden Regens, ein sicheres Kombinationsspiel aufzuziehen.

Sanogo meldete in der 53. Minute sein Team zurück, als er mit einem Kopfball versuchte, den eingewechselten Keeper Sebastian Mielitz zu überwinden. Mielitz hatte keine große Mühe und fischte den Ball sicher runter. Dann brannte es wieder auf der Gegenseite - Werder mit Niclas Füllkrug und Florian Trinks in der Offensive und einem Mann mehr, konnte die Überzahl nicht ausnutzen. Füllkrugs Pass landete in den Beinen des einzigen roten Gegenspielers.

In der Folgezeit hatte Werder noch eine gute Gelegenheit durch Clemens Fritz (61.), der nach einem Schussversuch von Aleksandar Ignjovski den Ball aufs Tor brachte. Kirschbaum war allerdings zur Stelle. Danach erarbeitete sich Cottbus mehr Ballhoheit und spielte druckvoller. Lukimya klärte zweimal routiniert, wenngleich auch einmal auf Kosten eines Freistoßes. Dieser wurde schnell von Energie Cottbus ausgeführt und fand in Elfmeterpunktnähe den eingewechselten Marco Stiepermann, der frech Richtung Mielitz schoss. Wenige Zentimeter rauschte die Kugel über den linken Torgiebel.

Der Regen machte das Spiel zu einer wahren Wasserschlacht, in der Werder mehr und mehr ins Schwimmen geriet. Cottbus hatte in Person von Sörensen die nächste Chance, Mielitz konnte den heranfliegenden Ball aber gerade noch mit den Fingerspitzen über die Latte lenken (69.).

Nach diesem Energie-Intermezzo im Werder-Strafraum konnten sich die Grün-Weißen etwas befreien. In der 71. Spielminute schickte Ignjovski den Ball gedankenschnell zu Trinks, der gut hätte auf die lauernden Füllkrug und Wurtz abspielen können. Er wählte mit einem direkten Schuss eine zweite gefährliche Variante, scheiterte aber am wachsamen Kirschbaum. Johannes Wurtz hatte spätestens in der 74. Minute das sichere 2:0 für Werder auf dem Fuß, doch er schickte die Kugel gewaltsam fünf Meter über die Querlatte.

Die letzten Minuten des Spiels ging es noch einmal rauf und runter, beide Teams ließen nicht erkennen, dass es sich bloß um ein Testspiel handelte. Als das Spiel fast beendet war, sorgte Energie Cottbus dann doch noch für den Werder-Schock. In der 86. Minute konnte sich Daniel Adlung nach einem Trinks-Ballverlust alleine auf der linken Angriffsseite durchsetzen und auf Mielitz zustürmen. Der herausgeeilte Mielitz konnte wenige Sekunden später nur noch zuschauen, als Adlung den Werder-Keeper mit einem frechen Lupfer überwand - 1:1! Pünktlich zu diesem bitteren Gegentreffer begann es stark zu Donnern im Parkstadion. Schiedsrichter Daxauer beendete die Partie überpünktlich, Werder und Cottbus trennen sich 1:1-Unentschieden.

Trainer Schaaf zeigte sich mit der Leistung seiner Mannschaft sehr zufrieden: "Das war ein intensiver Test, es wurde sich nichts geschenkt. Wir wollen heute noch einmal alle sehen und jedem die Chance geben, sich zu präsentieren." Gerade mit Hinblick auf die Tatsache, dass Cottbus in zwei Wochen bereits in der 2. Bundesliga startet, sei das 1:1 höher einzustufen: "Unser Gegner ist deshalb schon ein Stück weiter als wir, aber haben uns körperlich sehr gut präsentiert", erklärte ein zufriedener Chefcoach außerdem. 

Auch Basti Prödl fand die Leistung seines Teams gegen Cottbus ansprechend, wenngleich er auch noch Luft nach oben ausmachte: "Die Bedinungen waren auf Grund der Regenfälle sehr schwer heute. Dennoch haben wir über weite Strecken viel gezeigt, auch wenn es uns noch nicht durchgehend gelungen ist. Insgesamt war es ein gutes Spiel."

Von Cord Sauer