Werder verspielt 2:0-Führung gegen den VfB

Nach furiosem ersten und nachlässigem zweiten Durchgang blieb nach dem Schlusspfiff die Enttäuschung, auch bei Aaron Hunt
Bundesliga
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

In dieser Spielzeit stehen Werder-Spiele wieder für Spektakel. Die Bremer hatten am vierten Spieltag der Fußballbundesliga den VfB Stuttgart zu Gast und zeigten in einer offen geführten Partie eine herausragende erste Halbzeit.

In dieser Spielzeit stehen Werder-Spiele wieder für Spektakel. Die Bremer hatten am vierten Spieltag der Fußballbundesliga den VfB Stuttgart zu Gast und zeigten in einer offen geführten Partie eine herausragende erste Halbzeit. Kevin De Bruyne und Zlatko Junuzovic hatten die Grün-Weißen in Führung gebracht, so dass der zweite Durchgang hoffnungsvoll beginnen konnte. Doch der ehemalige Bremer Martin Harnik hatte etwas dagegen und dämpfte mit seinem Anschlusstreffer kurz nach Wiederanpfiff schnell die Erwartungen. Danach entwickelte sich eine emotionale, intensive Begegnung, in der die Schwaben noch den Ausgleich durch Cacau schafften. Am Ende blieb ein leistungsgerechtes 2:2 (2:0)-Unentschieden.

Die Bremer, bei denen Sebastian Prödl und Zlatko Junuzovic wieder in die Startelf rückten, hatten nach vier Minuten die erste richtig gute Möglichkeit des Spiels. Kevin De Bruyne kam über die rechte Seite und flankte flach in den Strafraum, wo Nils Petersen nur noch hätte einschieben müssen. Doch Tasci verhinderte mit einer klärenden Grätsche die frühe Führung der Hausherren.

In den Anfangsminuten entwickelte sich ein offenes Spiel beider Teams. Der VfB zeigte sich vor allem im Zentrum hellwach und aggressiv, während die Bremer ihren Weg zum Erfolg oftmals über die Außenbahnen suchten und ein wenig mehr Strafraumpräsenz für sich verbuchen konnten. Die erste Chance für die Gäste hatte in der 17. Minute Tunay Torun, der nach einer Unachtsamkeit von Theodor Gebre Selassie überraschend zum Torschuss kam. Sein Versuch wurde jedoch gut von Prödl entschärft.

Starker Kevin De Bruyne bringt Werder in Führung

Rote Karte für Assani Lukimya: Der Werder-Verteidiger kassierte nur zwei Minuten nach seiner Einwechselung den Platzverweis.

Dann, in der 23. Minute stand es plötzlich 1:0 für Werder Bremen. De Bruyne hatte einen Angriff selbst im Mittelfeld eingeleitet, Eljero Elia über die linke Außenbahn mitgenommen und nach dessen Rückpass an der Strafraumgrenze auf Petersen abgelegt. Petersen fackelte nicht lang, ließ die Kugel in den Lauf von De Bruyne abtropfen und der vollendete den tollen Spielzug, indem er ohne großes Zögern den Ball mit links in die linke Torecke beförderte. Das 1:0 war nicht nur die wichtige Werder-Führung, das zweite Saisontor des quirligen Belgiers oder der hundertste Heimtreffer der Bremer gegen den VfB Stuttgart, sondern in erster Linie ein Tor, das das Herz eines jeden Fußballliebhabers höher schlagen ließ.

Der VfB hätte in der 32. Minute um ein Haar ausgeglichen, doch nach guter Flanke von Christian Gentner köpfte Shinji Okazaki nur an das rechte Außennetz. Praktisch im Gegenzug legten die Bremer nach. Eine gute Flanke von Marko Arnautovic fand in Petersen ihren Abnehmer. Petersen lief mit dem Ball raus zur Grundlinie und passte von dort flach in die Strafraummitte, wo Junuzovic nur noch seinen Fuß hinhalten musste und gegen unsortierte Schwaben zum verdienten 2:0 für Werder traf (34.). Kurz vor der Pause dann fast das 3:0, doch Petersen scheiterte nach Patzer von Maza am gut parierendem VfB-Keeper Ulreich (44.). Die letzte Aktion des ersten Durchgangs gehörte noch einmal den Gästen: Torun kam ungedeckt im Bremer Strafraum zum Abschluss, doch sein unentschlossener Versuch wurde in letzter Sekunde abgeblockt (45.).

Martin Harnik macht es wieder spannend

Martin Harnik (r.), hier gegen Elia, brachte den VfB mit seinem Tor erst zurück ins Spiel, sah dann Gelb-Rot.

Nach dem Pausentee knüpften die Bremer direkt an ihre Leistungen aus den ersten 45 Minuten an: Arnautovic zimmerte die Kugel nach Petersen-Flanke ansatzlos auf das Gehäuse von Ulreich, der das 3:0 verhinderte (46.). Wenig später dann war Stuttgart plötzlich wieder dran. Der eingewechselte Ibrahima Traoré flankte und Martin Harnik, völlig freistehend, schaffte es, die Kugel über den rechten Innenpfosten ins Tor zu köpfen. Werder-Keeper Sebastian Mielitz machtlos. Nur noch 2:1 für Bremen (50.). Und die Schwaben wollten mehr. Okazaki allein hätte zwei Mal das 2:2 besorgen können, wenn nicht gar müssen (56./60.), doch er scheiterte jeweils denkbar knapp per Kopf.

Werder in dieser Phase des Spiels stark in Bedrängnis. Aaron Hunt (62.) und Sokratis (63.) gelang mit zwei guten Chancen fast der Befreiungsschlag, doch die Schwaben blieben in der Folge spielbestimmend. Nachdem Harnik per Schlenzer neben den rechten Pfosten (68.) das 2:2 vergeben hatte, arbeitete Werder mehr und versuchte, eine mögliche Zitterpartie abzuwenden. Arnautovic (75.) und De Bruyne (77.) sorgten mit weiteren Chancen zwar für Entlastung, die Schlagzahl des VfB jedoch weiterhin höher als die der Hausherren.

Und das wurde tatsächlich belohnt. Cacau besorgte in der 81. Minute das 2:2. Eine Ecke von Traoré landete beim eingewechselten Georg Niedermeier, der den Ball handlungsschneller als Sokratis in Richtung Tor stocherte. Niedermeiers Abschlussversuch verlängerte Cacau clever und bestrafte die Bremer Passivität im zweiten Durchgang. Eine Gelb-Rote Karte für Harnik nach wiederholtem Foulspiel (87.) sowie eine unnötige Rote Karte für Assani Lukimya nach grobem Foulspiel waren der Schlusspunkt einer nervenaufreibenden Partie. Eine Partie, in der sowohl Werder als auch der VfB je eine Halbzeit stärker waren. Eine Partie, die dementsprechend keinen Sieger verdient gehabt hätte.

Von Cord Sauer