Werder holt Auswärtspunkt in Gladbach

Nils Petersen (l.) und Granit Xhaka mussten sich nach dem Abpfiff mit einer Punkteteilung zufrieden geben.
Bundesliga
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

In einem äußerst taktisch geprägten Bundesligaspiel trennt sich Werder Bremen von Borussia Mönchengladbach mit 1:1 (0:0). Für erste Aufregung sorgte nach einer guten Viertelstunde ein Tor der Gladbacher, das kurze Zeit später vom Schiedsrichter Wolfgang Stark wieder aberkannt wurde.

In einem äußerst taktisch geprägten Bundesligaspiel trennt sich Werder Bremen von Borussia Mönchengladbach mit 1:1 (0:0). Für erste Aufregung sorgte nach einer guten Viertelstunde ein Tor der Gladbacher, das kurze Zeit später vom Schiedsrichter Wolfgang Stark wieder aberkannt wurde. Im zweiten Durchgang stach Fohlen-Joker Peniel Mlapa per Kopf zwei Minuten nach seiner Einwechslung, doch Werder kam schnell zurück. Alexandar Ignjovski markierte wenig später das Ausgleichstor, das zugleich den Endstand besorgte.

Nach drei Niederlagen in Folge richtete sich der Blick für die Bremer vor der Partie gegen Gladbach mehr nach unten als nach oben in der Tabelle. Das Spiel gegen die Borussia sollte also ein ganz wichtiges werden - auch, um den Negativtrend zu stoppen. Dafür hatte Werder-Trainer Thomas Schaaf mehrfach Überraschungen in seiner Startelf parat. Theo Gebre Selassie, Clemens Fritz, Mateo Pavlovic und Tom Trybull ersetzten Aaron Hunt, Marko Arnautovic, Mehmet Ekici sowie den gelbgesperrten Sokratis. Bei den Gastgebern nahm Coach Lucien Favre nur zwei Änderungen vor: Juan Arango kehrte nach Verletzung zurück und ersetzte Filip Daems. Ebenfalls neu dabei: Granit Xhaka, der für den gesperrten Marx auflief.

Die ersten neun Minuten des Spiels blieben ereignisarm. Eine taktisch defensiv eingestellte Werder-Mannschaft war bemüht, kompakt zu stehen und dennoch konzentriert nach vorn zu arbeiten. Die Gladbacher schienen fast überrascht, keinem mutig stürmenden Gegner gegenüber zu stehen. Nach guten zehn Minuten wurde die Zaghaftigkeit dann aber schneller abgelegt als erwartet und es ergaben sich erste Mini-Chancen - sowohl für Gladbach in Person von Luuk de Jong (10.), als auch für Werder mit Kevin De Bruyne (12.) und Gebre Selassie (13.). Was dann danach passierte, war ein absolutes Bundesliga-Kuriosum.

Gladbach führt – und plötzlich steht es wieder 0:0

Eine Schlüsselszene des Spiels: BMG-Coach Favre (2.v.l.) protestiert beim Linienrichter Jan Hendrik Salver (2.v.r.), nachdem das 1:0 aberkannt wurde.

Nach einem Arango-Pass startete Patrick Herrmann völlig frei durch in die Spitze. Sebastian Mielitz eilte heraus, konnte den Ball jedoch nicht unter Kontrolle bringen. Herrmann schob lässig ein, 1:0 Gladbach (15.). Der Stadionsprecher gab den Torschützen durch, das Publikum war längst in Jubellaune. Doch plötzlich wurde aus der „1" auf der Anzeigetafel wieder eine „0" - den Pass von Arango hatte Amin Younes zuvor leicht per Hackentrick zu Herrmann weitergeleitet, was aus passivem Abseits eine aktive Abseitsstellung machte. So viel Wortspiel muss an dieser Stelle erlaubt sein: Schiedsrichter Wolfgang Stark in dieser Szene mit einer ganz starken Leistung. Gemeinsam mit seinem Assistenten an der Linie, Jan Hendrik Salver, nahm er das Tor kurzerhand zurück und traf damit eine vollkommen richtige Entscheidung, die sicher nicht jeder seiner Kollegen so gefällt hätte. Großer Sport!

Nach dieser nervenaufreibenden Szene ging es zunächst weniger hektisch weiter. Erst in der 26. Minute dann wieder mehr Aufregung: Nils Petersen hatte die bis dato größte Chance des Spiels, als er einen Gladbacher Klärungsversuch vor die Füße bekam, schnell und flach abschloss, den Ball aber hauchdünn links neben das Gehäuse setzte. Das Spiel wurde mit zunehmender Spieldauer attraktiver, da beide Teams mehr für ihre Offensive taten. Wieder sorgte Petersen mit einem 18-Meter-Schuss für Gefahr, Gladbach-Keeper Marc-André ter Stegen entschärfte die nächste Bremer Möglichkeit zur Ecke (32.). Vor der Halbzeit versuchten sich die Fohlen noch einmal vor dem Bremer Tor, doch sämtliche Bemühungen - auch Herrmanns strammer Schuss (45.+1) - blieben erfolglos.

Mlapa und Ignjovski verhindern Nullnummer

Die Erlösung für Werder - Ignjovski, hier unter der Bremer Jubeltraube, verhinderte mit seinem Treffer Werders vierte Niederlage in Folge.

Bereits eine Halbzeit durfte Schaafs neue Taktik, eine deutlich defensivere Aufstellung, als durchaus zufriedenstellend bezeichnet werden. Der zweite Durchgang begann dann ähnlich, wie der erste: gemächlich. Aber dann waren es die Gladbacher, die sich vor allem nach der 55. Minute in der Bremer Hälfte einnisteten und mit Arango und dessen Kopfball eine richtig gute Möglichkeit für sich verbuchen konnten (58.). Mielitz parierte aber mindestens genauso gut. Es blieb weiterhin bei der Nullnummer im Borussen-Park. Herrmann blieb der gefährlichste Spieler auf dem Feld. In der 67. Minute hatte er nach Lukimya-Ballverlust plötzlich viel Platz, doch Lukas Schmitz war wachsam und klärte in höchster Not.

Direkt im Anschluss endlich wieder Werder: De Bruyne sprintete auf der rechten Seite alleine los, lies zwei Gegenspieler stehen und entschied sich vor ter Stegen für einen kräftigen Schuss, der aber vom Torhüter abgewehrt werden konnte (69.). Fast die Führung für die Bremer, doch dann kam es genau andersherum. Nach einem Eckball war Werder im Zentrum unsortiert, so dass Peniel Mlapa, keine zwei Minuten im Spiel, unbedrängt einköpfen konnte (72.). Mielitz ohne Chance. Kurz mussten die Bremer sich schütteln, doch dann kamen sie eindrucksvoll zurück. Nach hervorragender De-Bruyne-Flanke von der rechten Seite stand Alexandar Ignjovski in Lauerstellung am zweiten Pfosten und bugsierte die Kugel ins Tor. Ter Stegen fischte das Leder noch im Sprung aus dem Gehäuse, doch der Ball war mit vollem Umfang über der Linie - 1:1 (77.)!

Nach Ignjovskis erstem Bundesligatreffer war die Schaaf-Elf wie euphorisiert, konnte jedoch kein weiteres Tor nachlegen. In der 90. Minute hatte die Borussia die letzte Chance der Partie - und was für eine! Nach Pass vom eingewechselten Mike Hanke auf den Torschützen Mlapa tauchte dieser frei vor Mielitz auf und tanzte irgendwie an ihm vorbei. Das leere Tor vor Augen, vertendelte Mlapa die Chance auch deshalb, weil Pavlovic in höchster Not entscheidend störte, ehe sich Mielitz die Kugel krallen konnte. Was für eine Schlussphase. Am Ende ein durchaus leistungsgerechtes Unentschieden, das für Werder fast mehr Wert sein dürfte, als für die Gastgeber aus Gladbach.

Von Cord Sauer

Stimmen zum Spiel folgen im Laufe des Abends auf WERDER.DE