Starke Bremer verlieren gegen eiskalte Bayern

Claudio Pizarro (l.) blieb gegen seinen Ex-Klub ohne Torerfolg, dafür trafen Luiz Gustavo und Mandzukic gegen gute Bremer.
FC Bayern München
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Starke Bremer verlieren gegen eiskalte Bayern
Über 80 Minuten war Werder Bremen den Bayern ein würdiger Gegner. Über 80 Minuten war Werder in der Defensive bärenstark und bot eine tolle geschlossene Mannschaftsleistung.

Über 80 Minuten war Werder Bremen den Bayern ein würdiger Gegner. Über 80 Minuten war Werder in der Defensive bärenstark und bot eine tolle geschlossene Mannschaftsleistung. Doch in der 81. Minute waren die Hausherren ein einziges Mal passiv - und das wurde sofort bestraft. Luiz Gustavo traf für den Tabellenführer zu einer insgesamt verdienten Führung, ehe Mario Mandzukic wenig später auf 2:0 erhöhte. Am Ende mussten die Bremer sich der großen Qualität der Münchner geschlagen geben und wurden für ihren starken, engagierten Auftritt nicht belohnt.

Zum Topspiel gegen die Bayern im ausverkauften Weser-Stadion tauschte Werder-Trainer Thomas Schaaf zweimal Personal aus. Für Joseph Akpala und Lukas Schmitz rückten Nils Petersen und Theodor Gebre Selassie in die Startformation. Bei den Bayern hingegen wurde doppelt so oft rotiert. Luiz Gustavo, Thomas Müller, Toni Kroos sowie Ex-Bremer Claudio Pizarro ersetzten Javi Martínez, Arjen Robben (blieb verletzt in München), Xherdan Shaqiri und Mario Mandzukic.

Rein also in die Partie. Die in grün-weiß gekleideten Hausherren präsentierten sich gut organisiert und ließen den Münchnern wenige Freiräume. Für ein erstes Raunen auf den Rängen sorgte jedoch Claudio Pizarro im Dress der Bayern, der nach einer Flanke von Franck Ribery zum Kopfball ansetzte, Mielitz aber nicht weiter in Bedrängnis brachte (5.). Trotz dieser ersten Halbchance war die Anfangsphase geprägt vom beidseitigen Abtasten. Weder Werder noch die Bayern konnten Akzente setzen. Torchancen? Mangelware.

Intensiver erster Durchgang ohne Tore

"Hände weg, der Ball gehört mir" - Werders Torwart Sebastian Mielitz machte ein gutes Spiel, Ribery (M.) scheiterte mehrmals an ihm.

Mit zunehmender Spieldauer sahen die Zuschauer dominantere Bayern, doch die Bremer Defensive, zu der zeitweise sogar Offensivkräfte wie Eljero Elia oder Marko Arnautovic gehörten, arbeitete erstklassig. In der neuen Spielzeit hatte bislang kein Bundesligist zuvor derart wenige Chancen der Bayern zugelassen und sich so geschlossen und bissig präsentiert, wie die Bremer. Das 0:0 nach einer guten halben Stunde dennoch eines der besseren Sorte, lebte es doch von der Spannung und dem großen Engagement beider Teams.

Viele Ungenauigkeiten und später auch viele Fouls prägten das Spiel, vor allem gegen Ende der ersten Halbzeit. Nach einem guten Kopfball von Pizarro, der das Tor knapp verfehlte (43.), pfiff Schiedsrichter Michael Weiner zum Pausentee. Einmal war der Ball zwischenzeitlich im Tor (31.), doch Dantes Kopfball wurde zu Recht wegen Abseits, wahlweise auch wegen einem Stürmerfoul, abgepfiffen. Die Szene damit nicht weiter erwähnenswert.

Starker Ribery trifft nur den Pfosten

Oft hatten die Bremer den Tabellenführer heute gut im Griff, doch letztendlich verloren Elia (r.) und sein Team unglücklich 0:2.

Kurz nach der Pause hätte es beinahe das erste (reguläre) Tor des Tages gegeben, doch Ribery traf aus rechter Position nur den Pfosten, nachdem er Clemens Fritz gleich zweimal clever überwunden hatte (49.). Glück für Werder in dieser Szene. Der Pfostenkracher erwies sich als kleiner Weckruf. Kevin De Bruyne gab in der 54. Minute einen ersten gefährlichen Torschuss auf das Bayern-Tor ab, doch Manuel Neuer war zur Stelle. Gäste-Coach Jupp Heynckes drängte auf eine Erhöhung der Schlagzahl und brachte dafür Shaqiri und den aktuellen Topscorer der Liga Mandzukic für Pizarro und Kroos. Der gewünschte Effekt blieb jedoch bis auf Weiteres aus. Einzig Ribery tanzte in der 65. Minute die Bremer Hintermannschaft aus, ehe sein Abschlussversuch knapp am linken Pfosten vorbei strich.

Kurz darauf hatte Nils Petersen gegen seine Bayern eine gute Möglichkeit, doch seinen Drop-Kick hielt Neuer souverän (67.). Weiterhin zeigte die Anzeigetafel zwei Nullen an, doch das Spiel nun offener. Bayern drückte mehr und mehr auf die Führung - auch dank dem wirbelnden Shaqiri. Nach einer De-Bruyne-Flanke hätte auf Seiten der Bremer Arnautovic den Ball ins leere Tor befördern können, doch wenige Zentimeter fehlten 1:0 für Werder (70.). Die Schlussphase bot dann deutlich die meisten Torszenen: Gustavo (73.), Shaqiri (74.), Mandzukic (75.) scheiterten noch, ehe es im Bremer Gehäuse klingelte.

Torschütze war Gustavo, der einen Angriff im Mittelfeld selbst eingeleitet hatte und den Ball anschließend aus 20 Metern per Schlenzer über Mielitz hinweg ins Tor beförderte (81.). Werder war in dieser Szene zu passiv und wurde prompt bestraft - bitter! Bayern danach eiskalt: Einen Konter nutzten die Münchner sofort zum 2:0. Nach Shaqiri-Flanke fand sich Mandzukic völlig frei vor Mielitz wieder und musste nur noch einschieben (83.). Das Spiel war damit entschieden, Werders großer Aufwand nicht belohnt. Unterm Strich jedoch blieb die Erkenntnis, dass Werder der bisher anspruchsvollste Bayern-Gegner der noch jungen Saison war. Eine Leistung, auf die sich aufbauen lässt und die Mut macht für die kommenden Spiele.

Von Cord Sauer