Theo Gebre Selassie hat mit Äthiopien nichts am Hut

Klaus Allofs und Thomas Schaaf mit Neuzugang Theodor Gebre Selassie bei der Pressekonferenz am Dienstag.
Profis
Dienstag, 26.06.2012 // 17:20 Uhr

Hektisch ging es zu am ersten Werder-Tag von Theodor Gebre Selassie , den die Werder-Welt in Zukunft auch „Theo" rufen darf. Um 10.20 Uhr landete er mit der Maschine aus München, wurde vom Airport Bremen direkt ins „Sporthep Werder" zum Medizin-Check und mittags in die Geschäftsstelle zu einem Gespräch mit Geschäftsführer Klaus Allofs gebracht, das direkt in der offiziellen Präsentation im Weser-Stadion endete.

Dazwischen musste er Fragen über Fragen beantworten, dem Team von WERDER.TV und WERDER.DE, das Gebre Selassie den ganzen Tag begleitete, aber natürlich auch den zahlreichen Medienvertretern am Nachmittag. Kein Wunder, dass Theo in der Pressekonferenz seinen neuen Trainer Thomas Schaaf zurückhaltend um etwas Urlaub bat. „Ich freue mich hier zu sein, auch wenn ich natürlich noch lieber bei der EURO weitergespielt hätte. Dennoch sind wir dort mit einem Erfolg nach Hause gefahren. Danach folgten viele Termine, heute die Vorstellung in Bremen. Von der Stadt hier kenne ich eigentlich nur den Arzt, aber ab heute werde ich mich auch intensiv mit der Tradition dieses Klubs und den neuen Mitspielern beschäftigen. Ich werde den Trainer bitten, mir einige Tage Erholung zu gewähren."

Cheftrainer Thomas Schaaf ließ diesen Wunsch sofort in Erfüllung gehen. „Er hatte jetzt eine Woche frei, ohne sich richtig erholen zu können, daher kann er mit dem heutigen Tag zwei Wochen frei machen. Es ist wichtig, dass er jetzt auch mal abschalten kann. Er wird vielleicht in der Endphase des Trainingslagers auf Norderney zu uns stoßen oder spätestens mit der Mannschaft ins Zillertal reisen", so der Cheftrainer, der dann einiges von seinem Neuzugang erwartet: „Wir wollen ihn hier genauso erleben wie bei der Europameisterschaft, als er sehr auf sich aufmerksam gemacht hat. Er war laufstark, aktiv, hat sich immer wieder nach vorn eingeschaltet. Er wird auf der Verteidiger-Position eine Bereicherung für unser Spiel sein."

Bei der EURO hatte der 25-Jährige Tscheche die guten Beobachtungsberichte der Werder-Scouts eindrucksvoll bestätigt. „Das war ja kein Schnellschuss von uns, sondern unserer Philosophie folgend ein mittelfristig geplanter Transfer. Wir haben ihn einige Male vor der EURO gesichtet und konnten damals schon die Gespräche sehr intensiv führen. Beim Turnier hatten wir dann nochmal mehrere Gelegenheiten uns zu überzeugen. Er hat ein hohes Niveau, ist aber noch kein fertiger Spieler. Wir haben schon die Fantasie, dass wir ihn weiter ausbilden und noch besser machen können", schätzte Klaus Allofs ein.

Hohe Ansprüche an sich hat der Außenverteidiger aber auch selbst. „Die Bundesliga ist eine der besten Ligen der Welt. Ich habe mit meinen Nationalmannschaftskollegen Tomas Pekhart (Nürnberg) und Petr Jiracek (Wolfsburg), aber vor allem mit Jaroslav Drobny (HSV) gesprochen, die nur Gutes berichtet haben. Ich bin hier her gekommen, um mich durchzusetzen. Nach dem Angebot von Werder wusste ich, dass ich mich nicht weiter umschauen muss. Das war mein erstes Angebot und meine erste Wahl", so der Tscheche, der hoch hinaus möchte. „Werder wird eine junge Mannschaft haben, aber die Champions League ist ohne Frage ein Ziel, für das wir spielen sollten."

Als nächster kleiner Schritt auf diesem Weg steht das heimisch werden in Bremen an. „Ich will so schnell wie möglich nicht mehr im Hotel wohnen, deutsch lernen und meine Freundin nachholen. Sie wird mit nach Bremen kommen", so der Tscheche, der mehrfach an seinem ersten Werder-Tag betonen muss, dass er keinerlei verwandtschaftliche Beziehungen zum äthiopischen Weltklasse-Läufer Haile Gebreselassie unterhält und dass er auch nicht nach ihm benannt wurde. „An solchen Geschichten ist gar nichts dran. Ich bin in Tschechien geboren. Gebre Selassie ist mein ganz normaler Familienname von Geburt an. Ich habe bis auf einen entfernten Onkel keine Beziehungen zum Land Äthiopien und war im Alter von drei Jahren das letzte Mal dort. An diesen Besuch habe ich aber auch keine Erinnerungen mehr", betete er herunter. Es war nicht das erste Mal, dass danach gefragt wurde.

Von Michael Rudolph