Nicht zu viel negativen Ballast mitnehmen

Ein symptomatisches Bild dieser Saison: Wenn es nach der Mannschaft geht, wird sich das nicht wiederholen.
Profis
Samstag, 18.05.2013 // 20:18 Uhr

Der Kapitän war sehr nachdenklich, er überlegte lange bevor er seine Einschätzung der Situation preisgab. Er wollte nichts schönreden, er wollte realistisch sein, aber er wollte auch ein Signal gegen überbordenden Pessimismus setzen. „Klar sind wir froh, dass jetzt erstmal alles vorbei ist. Wir sind mit enormen Ansprüchen in die Spielzeit gestartet, doch am Ende ist alles anders gelaufen", sagte Clemens Fritz, stockte und fügte an: „Ich habe definitiv keinen Bock mehr, noch mal so eine Saison zu spielen."

Wieder hielt er inne und setzte noch mal nach: „Bei aller Enttäuschung müssen wir aber aufpassen, dass wir nicht den ganzen negativen Kram mit in die neue Saison nehmen. Es ist definitiv zu früh, die nächste Spielzeit schlecht zu reden", so der Werder-Routinier, der aufzählte: „Es gilt jetzt, einen Trainer zu präsentieren. Dazu müssen wir einen neuen Kevin De Bruyne und ein paar andere Spielertypen finden, die hier reinpassen. Das wird nicht leicht, aber ich traue Thomas Eichin sehr viel zu. Er wird das packen und Unterstützung bekommen, wenn er sie braucht. Er ist ja nicht der Einzige, der auf der Geschäftsstelle arbeitet."

Den Blick nach vorne richtete nicht nur Clemens Fritz, sondern auch Werder-Torhüter Sebastian Mielitz. Der Keeper, der auch sehr emotionale Worte in Richtung Thomas Schaaf äußerte, machte aber auch deutlich, dass dieses Kapitel mit der Partie in Nürnberg zugeschlagen werden muss, um den Blick für die Zukunft zu bekommen. „Thomas Schaaf ist nicht mehr unser Trainer. Nach dem heutigen Tag ist diese Sache dann auch abgehakt. Jetzt kommt ein neuer Coach und wir müssen den Blick darauf richten, nächstes Jahr besser zu sein", sagte die Nummer eins und ging mit optimistischen Worten voran: „Für mich persönlich war es keine verlorene Saison. Ich freue mich, dass ich für Werder diese Saison spielen konnte. Ich habe mich weiterentwickelt und werde nach ein paar Tagen Abstand, heiß auf die nächste Spielzeit sein, die ich für diesen Klub zwischen den Pfosten stehen darf."

Interims-Trainer Wolfgang Rolff, der mit seinem Kollegen Matthias Hönerbach und Torwart-Trainer Michael Kraft die Mannschaft in Nürnberg betreute, ließ trotz eigener ungewisser Zukunft ebenfalls seinen Blick nach vorn schweifen und listete seine Punkte für eine bessere Werder-Zeit auf: „Man konnte heute wieder sehen, dass es einige Spieler gibt, die eine Schippe drauflegen müssen. Auf der Position von Kevin De Bruyne muss man tätig werden. Da braucht Werder wieder unbedingt einen Spieler, der genau so einen Zug zum Tor und so ein Tempo mitbringt. Rückblickend muss man sagen, dass diesem Team im Grunde zwei, drei De Bruynes gefehlt haben." Ob die Zukunft mit den aktuellen Co-Trainer eingeleitet werde, beantwortete Wolfgang Rolff sehr sachlich: „Alles wird sich zeigen, wenn feststeht, wer der neue Trainer sein wird. Dann werden sicher ein paar Entscheidungen fallen."

Die Neubesetzung des Trainerpostens sieht auch Geschäftsführer Thomas Eichin als wichtigsten Schritt in der Sommerpause. „Ab heute beginnen die Planungen für die neue Saison. Es gibt viele interessante Trainer, die zu Werder passen. Wir werden den richtigen präsentieren. Aber wir werden keine Wasserstandsmeldungen abgeben. Wenn es soweit ist, werden wir uns melden."

Der letzte Spieltag der Saison, er war in gewisser Weise für Werder ein Startschuss.

Es berichten Michael Rudolph und Marcel Schmidt