Naldo-Interview: "Gegen "Miele" zu treffen wird schwerer als gegen Wiese"

"Strahlemann" Naldo freut sich auf das Wiedersehen mit den alten Kollegen.
Profis
Mittwoch, 21.11.2012 // 11:41 Uhr

Am Samstag tritt der SV Werder Bremen beim VfL Wolfsburg an. Kein gewöhnliches Spiel, sondern ein großes Wiedersehen. Denn in der Volkswagen Arena treffen die Grün-Weißen gleich auf drei Ex-Werderaner. Die beiden Brasilianer Diego, Naldo und seit letzter Woche auch Manager Klaus Allofs stehen in Diensten des VfL. Vor dem "emotionalen" Aufeinandertreffen sprach WERDER.DE mit Naldo über das Wiedersehen mit alten Kollegen, den spektakulären Allofs-Wechsel und den Torjubel zur rechten Zeit.

Hallo Naldo, schön, dass du dir die Zeit nimmst, mit uns zu telefonieren. Wie geht es dir? Hast du dich gut eingelebt in Wolfsburg?

Naldo: Meine Familie wohnt jetzt seit drei Monaten hier und die Kinder gehen zur Schule - es geht uns sehr gut. 

Gratulation zu deinem Freistoß-Tor am letzten Spieltag. Den hast du ja reingehauen, wie früher bei Werder.

Naldo: Genau, es hat endlich wieder geklappt (lacht) und dann auch noch ausgerechnet gegen Wiese.

Müssen wir „Miele" vorwarnen, dass du da auch einen Versuch starten wirst?

Naldo: Ich kenne beide schon sehr lange und es sind beides sehr gute Torhüter. Gegen Wiese habe ich getroffen, aber am Samstag gegen Mielitz wird es noch schwieriger. Da werde ich mich noch mehr auf die Defensive konzentrieren müssen, weil Werder vor allem offensiv sehr stark ist. Aber wenn ein Freistoß kommt, dann werde ich versuchen auch gegen Miele zu treffen.

Aber mal Hand auf's Herz - wie wichtig war denn dieses Erfolgserlebnis für dich, nachdem es am Anfang nicht immer rund lief und sogar Kritik laut wurde?

Naldo: Das war sehr wichtig. Am Anfang habe ich es mir alles ganz anders vorgestellt. Bis zum achten Spieltag lief es nicht gut bei uns, wir haben nicht miteinander gespielt und standen schlecht da. Aber das gehört zum Fußball dazu und jetzt läuft es ja auch schon wieder deutlich besser.

Du hast in einem anderen Interview gesagt, dass die ersten Wochen die schwierigste Zeit deiner Karriere war - und das trotz deiner 16-monatigen Leidenszeit wegen der Knieverletetzung. Meinst du sportlich oder vielleicht auch, weil du Bremen vermisst hast?

Naldo: Das lag an beidem. Ich hatte sieben tolle Jahre bei Werder und Bremen wird immer in meinem Herzen sein. Und wenn es dann auch sportlich nicht wie gewünscht läuft, dann ist es doppelt schwer sich zurechtzufinden. Aber jetzt kommt das Selbstvertrauen Schritt für Schritt zurück und damit auch der sportliche Erfolg.

Und nun kommt es am Samstag zum großen Wiedersehen mit den alten Kollegen. Ein komisches Gefühl oder pure Vorfreude?

Naldo: Ich freue mich sehr auf das Spiel, es ist keine Partie wie jede andere. Die Fans haben mich immer bedingungslos unterstützt und ich habe viele Freunde in Bremen. Aber natürlich ist es auch ein komisches Gefühl. Ich kenne bei Werder alles und jeden und habe auch jetzt noch viel Kontakt zu einigen Spielern, wie zum Beispiel zu Aaron Hunt, Marko Arnautovic, Clemens Fritz oder Aleksandar Ignjovski. Das wird nicht einfach für mich, aber ich muss am Samstag leider Gas geben und werde versuchen, meiner Mannschaft zu helfen.

Da hilft es doch bestimmt, dass du mit dieser Situation nicht alleine dastehst. Denn auch für Diego und Klaus Allofs ist es ein besonderes Spiel.

Naldo: Fußball ist manchmal komisch (lacht). Ich habe drei Jahre mit Diego in Bremen gespielt und wir sind jetzt wieder hier zusammen in Wolfsburg. Und jetzt kam auch noch Klaus Allofs dazu, der vor zwei Wochen noch in Bremen war. Aber auch für die beiden ist das nicht einfach gegen Werder zu spielen, ich habe darüber schon mit Diego gesprochen, der dieses Gefühl ja schon kennt. Es wird sehr emotional.

Wie groß ist denn die Gefahr, dass ihr drei am Samstag aus Gewohnheit bei einem Werder-Tor jubelt?

Naldo: Wir müssen versuchen zu Null zu spielen, dann kann das nicht passieren (lacht). Aber das wird nicht einfach, weil Werder eine sehr starke Mannschaft hat.

Und wie würdest du dich verhalten, wenn du selber ein Tor erzielst?

Naldo: Dann jubele ich nicht. Das ist für mich eine Frage des Respekts und ich habe einen riesen Respekt vor Werder.

Worauf freust du dich denn eigentlich am meisten?

Naldo: Auf alles! Ich freue mich auf die Fans, die alten Kollegen, den Trainer- und Betreuerstab. Und natürlich freue ich mich auf Thomas Schaaf. Er war nicht nur sieben Jahre lang ein ausgezeichneter Trainer für mich, sondern auch ein netter Mensch und ein super Berater. Er ist eine ganz besondere Person.

In Bremen kannte man lange Zeit nur die Konstellation Schaaf/Allofs. Jetzt wurde dieses Duo getrennt. Es war zu lesen, dass du dich sehr darüber gefreut hast, dass Klaus Allofs in Wolfsburg angeheuert hat.

Naldo: Klar, er ist ein super Manager, der viele super Spieler nach Bremen geholt hat. Unter anderem hat er auch mir die Chance ermöglicht, in Deutschland zu spielen. Ich hoffe, dass das mit ihm hier jetzt genauso gut funktioniert.

Wie waren denn die ersten Tage mit ihm? Wie ist er die neue Aufgabe angegangen?

Naldo: Er hat mit jedem einzelnen Spieler gesprochen, ist jeden Tag in der Kabine und versucht sich so einen Überblick zu verschaffen. Vorher kannte er nur Diego und mich, jetzt muss er versuchen so schnell wie möglich auch alle anderen kennenzulernen.

 

Werder kennt ihr jedenfalls alle aus dem Eff eff. Sprechen wir nochmal über deinen Abschied, der für viele auch sehr überraschend kam. Konntest du dich überhaupt schon von den alten Kollegen verabschieden?

Naldo: Ich habe mich noch direkt im Mannschaftshotel von den Kollegen verabschiedet. Das war sehr schwer für mich, ein trauriger Tag. Aber ich habe mich auch gefreut, weil ich bei Wolfsburg unterschrieben hatte. Und so ganz weg bin ich auch gar nicht. So oft es geht, komme ich noch nach Bremen und treffe mich mit den alten Kollegen.

Dann hast du sicher auch die Entwicklung von Werder in den ersten Wochen der Saison verfolgt, oder?

Naldo: Natürlich. Ich wusste auch, dass es ist nicht einfach ist, wenn so viele erfahrene Spieler den Verein verlassen, aber die Mannschaft hat das bisher gut gemacht und ich habe immer gesagt, dass viele junge Spieler da sind, die über großes Potential verfügen. Und die "alten" Spieler, wie Aaron, der bislang eine überragende Saison spielt, und Clemens Fritz sind absolute Leader für Werder. Und auch Marko Arnautovic spielt sehr gut, hat viele Aktionen und bereitet Tore vor.

Was für einen Gegner erwartest du denn am Samstag?

Naldo: Einen sehr starken Gegner. Vor allem Offensiv ist Werder mit Petersen, De Bruyne, Hunt, Elia und Arnautovic sehr gut aufgestellt. Aber auch die Spieler dahinter haben eine hohe Qualität. Die größte Stärke ist die große Spielfreude von Werder - die spielen sehr gut miteinander.

Du hast eingangs gesagt, dass ihr am Anfang nicht gut miteinander gespielt habt. Liegt darin der größte Unterschied zwischen Werder und Wolfsburg?

Naldo: Werder hat immer versucht nach vorne zu spielen und viele Tore zu erzielen, hier war das nicht so. Wir haben mehr nach hinten gedacht, als nach vorne. Aber nach dem Trainerwechsel versuchen wir das jetzt zu ändern und auch offensiver zu spielen.

Apropos Trainerwechsel. Aus deiner Zeit bei Werder kanntest du eine solche Situation nicht. Wie hast du das erlebt?

Naldo: Bei Werder habe ich die ganze Zeit mit Thomas Schaaf zusammengearbeitet und kannte das daher nicht. Unter Felix Magath, der auch ein super Trainer ist, hat es leider nicht geklappt – manchmal versteht man auch gar nicht, warum das so ist. Nach dem Trainerwechsel hat Lorenz-Günther Köstner jedem Spieler das Vertrauen ausgesprochen. Ich bin sehr zufrieden mit ihm.

Das Interview führte Dominik Kupilas