Erste Seite im Kapitel Mielitz ist geschrieben

Sebastian Mielitz in seinem ersten Spiel für Werder mit der Nummer 1 auf dem Rücken.
Profis
Donnerstag, 12.07.2012 // 15:09 Uhr

Um 19.01 Uhr begann am Mittwochabend beim SV Werder Bremen ein neues Torwart-Kapitel. Erstmals nach sechs Jahren liefen die Grün-Weißen mit einer Trikot-Nummer „1" aufs Feld, auf der nicht der Name WIESE stand. Die „1" ist jetzt mit dem Namen MIELITZ verbunden. Und der 22-Jährige machte sich mit dem ersten Testspiel der Saison auf, auch die nächste Stufe erfolgreich zu nehmen.

„Ich habe bisher nur die Nummer 1 auf dem Rücken, aber natürlich will ich jetzt alles daran setzen, dass ich auch die Nummer 1 werde. Ich habe früher zu den Torhütern bei Werder aufgesehen und jetzt will ich selbst dort stehen. Ich habe keine Zweifel, dass ich das schaffe, aber am Ende entscheidet der Trainer", beschreibt Mielitz seine Motivation.

Der Keeper steckt in diesen Tagen in der vielleicht wichtigsten Vorbereitung seiner jungen Fußballer-Karriere. „Ich darf seit diesem Sommer die Nummer eins tragen, das ist für einen Torhüter schon etwas Besonderes. Es bedeutet große Verantwortung. Und ich will dem gerecht werden. Ich will dem Trainer und der Mannschaft ein gutes Gefühl geben." Für Mielitz ist es die Phase der endgültigen Emanzipation von den namhaften Torhütern der Vergangenheit, es geht für ihn aber auch um die Rückkehr in den direkten Wettstreit mit der bundesweit agierenden jungen Torhüter-Generation. „Das war keine leichte Zeit in den letzten Monaten, als die Kollegen, mit denen ich in den Junioren-Nationalteams gespielt habe, ins erste Glied aufgestiegen sind." Miele musste dagegen Ruhe bewahren. „Meine Situation war eine andere. Ich hatte mit Tim Wiese einen Nationaltorhüter vor mir, der immer spielte, wenn er fit war, und der immer seine Leistung bestätigt hat. Ich habe es aber dennoch immer geschafft, meinen Weg bei Werder im Fokus zu haben. Jetzt ist die Geduldsprobe vorbei, jetzt ist alles offen. Und ich will mir nicht vorwerfen lassen, die Chance nicht genutzt zu haben."

In seinem ersten Spiel mit der „1" gegen die Ostfriesland-Auswahl hat er keine Fehler gemacht. Beim Gegentreffer war er machtlos, ein Teamkollege war beim Abwehrversuch ausgerutscht. Mielitz, der sich lieber still über das Gegentor ärgert, ist keiner der Schuld bei den Kollegen sucht. „Ich bin nicht der Typ, der den Vordermännern an die Gurgel geht. Das nützt mir gar nichts, wenn ich sie dann auch noch zusätzlich verunsichere. Ich will sie lieber aufbauen, anfeuern, positive Signale senden." Und das nicht nur auf dem Sportplatz an der Mühle auf Norderney, sondern in den Bundesliga-Arenen dieses Landes. „Miele" weiß, die Chance auf den Stammplatz zwischen den Pfosten ist so groß wie nie zuvor. Mit dem Schlusspfiff am Mittwochabend ist für „Miele" jedoch schon klar: „Das Kapitel Tim Wiese bei Werder Bremen ist abgehakt." Verschmitzt fügte er hinzu: „Ich hätte nichts dagegen, wenn die Medien irgendwann schreiben, das neue Kapitel wird mit Mielitz geschrieben."

Von Norderney berichten Michael Rudolph und Dominik Kupilas