Lücke: "Nur einmal wieder zum Fahrstuhl sprinten können"

"Lücke" im RehaZentrum, wo er sich wieder fit machen möchte für die Sommervorbereitung 2013/14.
Profis
Mittwoch, 27.03.2013 // 17:35 Uhr

Aus, Schluss und vorbei: Für Niclas Füllkrug endete die Saison Anfang Februar aufgrund einer Knorpelverletzung vorzeitig. Nach seiner Operation in Augsburg arbeitet der junge Angreifer wieder hart an seinem Comeback. WERDER.DE hat „Lücke" im RehaZentrum besucht und mit ihm über seine aktuelle Verfassung, die schweren Momente seiner Verletzung gesprochen und erfahren, welche große Sehnsucht ihn antreibt.

WERDER.DE: Lücke, als wir uns das letzte Mal gesehen haben, warst du gerade auf dem Weg ins Weser-Stadion. Werder hat gegen Fürth gespielt. Du hast mit deiner Freundin Lisa im Auto gesessen, sie saß am Steuer, weil du selbst noch Gehhilfen hattest und deshalb nicht fahren konntest. Hat sich die Fahrerkonstellation inzwischen wieder geändert?

Niclas Füllkrug: (lacht) „Ja, ich kann wieder alleine fahren, denn ich habe seit knapp zwei Wochen keine Krücken mehr. Das ist für uns alle angenehmer, Lisa muss mich nicht mehr ständig überall hinkutschieren. In den ersten Wochen musste ich immer gucken, wie ich zu einem bestimmten Ort komme. Ich hatte zwar auch einen Taxischein, aber wieder alles selbst in der Hand zu haben, ist schon angenehmer."

Neue Übungen einstreuen? "Das motiviert mich"

WERDER.DE: Auffällig ist, dass du hier überhaupt nicht abgeschottet trainierst, sondern mittendrin bist. Wie ist das Miteinander mit den anderen Reha-Patienten für dich?

Niclas Füllkrug: „Ich werde oft von den Menschen angesprochen, die hier ihre Reha machen. Meistens geht es um Werder. Wir unterhalten uns regelmäßig. Das ist aber kein Problem für mich, ich antworte dann gerne."

WERDER.DE: Da musst du wahrscheinlich oft die Leistung der Mannschaft rechtfertigen, oder?

Niclas Füllkrug: „Ja, viele wollen wissen, was zurzeit los ist. Ich sag dann immer: Ich weiß doch auch nicht mehr als ihr. Wir haben eben ein paar Probleme, die gelöst werden müssen. Viele Patienten sagen mir aber auch, dass ich ganz schnell wieder zurückkehren soll und wünschen mir bei meinem Heilungsprozess alles Gute. Das finde ich total nett, das macht mir Mut."

WERDER.DE: Wie weit bist du denn überhaupt, was kannst du bislang alles machen?

Niclas Füllkrug: „Ich baue meine Muskulatur im Knie wieder Stück für Stück auf. Die war nach der OP komplett zurückgebildet. Ich war gestern erstmalig im Schwimmbecken und konnte dort Übungen machen. Ich versuche so nah wie möglich einer Laufbewegung nachzukommen, ohne dass ich dabei eine Belastung im Knie habe. Das ist ganz wichtig. Deshalb mache ich das im Wasser, weil ich dabei nicht den Boden berühre. Außerdem kann ich auch meinen Oberkörper gezielt trainieren. Für mich ist es ein großer Motivationsschub, wenn ich neue Übungen einstreuen kann und den Fortschritt erkenne."

"Meine Familie hat mir das Leben wieder schmackhaft gemacht"

WERDER.DE: Es ist deine erste schwere Verletzung am Knie. Wie gehst du damit um?

Niclas Füllkrug: „Ich kriege das gut hin. Ich versuche, mir immer kleine Ziele zu setzen. Momentan liegen diese noch innerhalb der Verletzung. Ich hoffe, dass ich schnell wieder rankomme und in der Sommervorbereitung wieder auf dem Platz stehe."

WERDER.DE: Bis dahin vergehen aber noch ein paar Monate. Wirst du da gar nicht ungeduldig?

Niclas Füllkrug: „Ich habe mir klar gemacht, dass das Knie für immer halten soll. Daher warte ich lieber ein paar Wochen länger, denn so eine Verletzung muss komplett ausheilen. Ich muss Geduld aufbringen und darf nicht zu steif an die Reha herangehen. Das Knie gibt mir vor, wie es läuft und wie viel ich machen kann, daran muss ich mich halten. Ich bin zielstrebig und entwickle gerade ein Gefühl für das Knie. Wenn ich zu viel mache, wird es schnell zu dick und dann habe ich wieder ein paar Tage verloren."

WERDER.DE: Von wem erhältst du momentan am meisten Unterstützung?

Niclas Füllkrug: „Von meiner Familie und meiner Freundin. Die sind immer für mich da und besuchen mich oft. Gerade in der Anfangsphase, in der ich gar nichts machen konnte, war ich schlecht drauf. Meine Familie und Lisa haben mir das Leben wieder schmackhaft gemacht und ich habe wieder an Zuversicht dazugewonnen. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar."

"Lerne in meiner Verletzungszeit erst richtig zu schätzen, wie schön es ist, gesund zu sein"

WERDER.DE: Wie niedergeschlagen warst du eigentlich, als du von der Verletzung erfahren hast?

Niclas Füllkrug: „Es war extrem schlimm, vor allem nach der OP, als ich erfahren habe, dass ich vier, fünf Monate pausieren muss. Ich konnte am Anfang auch einfach nichts machen. Das war ein ganz ekliges Gefühl. Da war ich sehr niedergeschlagen."

WERDER.DE: Wie sieht aktuell der Kontakt zu deinen Mannschaftskollegen aus?

Niclas Füllkrug: „Ich bin zweimal die Woche am Stadion und rede mit den Spielern. Ich bekomme nicht so viel vom Alltag dort mit, was sehr schade ist. Ich habe aber über das Training hinaus noch mit 'Miele' und Levent Aycicek sehr viel Kontakt und mache viel mit ihnen in meiner Freizeit. Wir können auch über andere Themen reden und lachen. Das lenkt ab und tut gut. Mit Nils Petersen schreibe ich zusätzlich ab und zu SMS."

WERDER.DE: Was vermisst du am meisten?

Niclas Füllkrug: „Ich will endlich wieder was mit dem Ball machen, ich habe Sehnsucht danach. Endlich wieder schnell laufen zu können - dieses Gefühl verliert man so schnell. Das ist total komisch. Ich mache das an vielen Kleinigkeiten fest: Wenn ich auf einen Fahrstuhl zugegangen bin und gesehen habe, dass die Tür gerade zuging, dann bin ich sonst immer noch hingesprintet. Jetzt muss ich langsam darauf zu steuern und mit anschauen, wie die Türen schließen - ohne mich im Fahrstuhl. Außerdem juckt es mich extrem, wieder mit den Jungs Fußball spielen zu können und ihnen in der jetzigen Situation helfen zu können. Das macht mich traurig. Aber ich arbeite wieder auf diese Glücksmomente hin. In meiner Verletzungszeit lerne ich erst richtig zu schätzen, wie schön es ist, gesund zu sein."

Das Interview führte Timo Volkmann