Harnik-Interview: ''Werder ist unser Spiegelbild im Norden''

Martin Harnik spielte von Januar 2006 bis Sommer 2009 bei Werder, ehe er über eine Ausleihe nach Düsseldorf nach Stuttgart wechselte.
Profis
Donnerstag, 07.02.2013 // 12:08 Uhr

Martin Harnik ist vor dem Spiel zwischen seinem aktuellen Verein, dem VfB Stuttgart und seinem ehemaligen Klub, dem SV Werder Bremen, ein viel gefragter Mann. WERDER.DE passte ...

Martin Harnik ist vor dem Spiel zwischen seinem aktuellen Verein, dem VfB Stuttgart, und seinem ehemaligen Klub, dem SV Werder Bremen, ein viel gefragter Mann. WERDER.DE passte die Zeit zwischen Presserunde und zahlreichen Interviews ab und griff zum Telefonhörer, um mit dem österreichischen Nationalspieler über vergangene Tage, die aktuelle Situation und das anstehende Spiel zu reden.

Hallo Martin, schön, dass es geklappt hat.

Martin Harnik: "Es war nicht ganz einfach, ich hatte eben noch eine Presserunde, musste die Stuttgarter Journalisten bedienen und gleich geht's auch schon wieder zum Training."

Training? Du musstest die Länderspielreise doch wegen einer Verletzung absagen. Bist du wieder fit?

Martin Harnik: "Ich hatte eine Zerrung des Gesäßmuskels, habe die Verletzung aber inzwischen gut überstanden. Ich bin auch schon wieder voll im Mannschaftstraining und bereite mich nun intensiv auf das Spiel vor."

Es ist gar nicht lange her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben ...

Martin Harnik: "Stimmt. Das war erst vor wenigen Wochen im Trainingslager in Belek. Da habe ich mich mit Basti Prödl, Zladdi und Marko Arnautovic getroffen. Das hat super gepasst, zumal auch noch Marc Janko und Veli Kavlak von Besiktas Istanbul in eurem Hotel waren."

Gewagte These: Das Spiel zwischen dem VfB und Werder war da vermutlich noch kein Thema, oder?

Martin Harnik: "Darüber haben wir uns tatsächlich nicht unterhalten, das war damals noch in zu weiter Ferne (lacht). Aber es war ein witziger Abend, an dem wir viel Spaß miteinander hatten."

Nun steht der Samstag aber unmittelbar vor der Tür. Sind die Begegnungen gegen Werder überhaupt noch etwas Besonderes für dich?

Martin Harnik: "Ich hatte eine super Zeit in Bremen, auch wenn es schon wieder das eine oder andere Jahr her ist, dass ich gewechselt bin. Aber es sind trotzdem immer noch viele bekannte Gesichter dabei - ob nun bei den Spielern oder im Trainer- und Betreuerstab. Und es ist natürlich auch deswegen etwas Schönes, weil ich mich sportlich in Bremen nicht richtig durchsetzen konnte und ich Werder jetzt mit dem VfB auf Augenhöhe begegne - das ist ein positives Gefühl."

Ein positives Gefühl sollte dir auch deine persönliche Torbilanz der beiden letzten Spiele geben.

Martin Harnik: "Da habe ich dreimal getroffen (lacht). Natürlich wäre ich sehr glücklich, wenn ich diese Serie fortsetzen könnte, aber ich würde mich noch mehr freuen, wenn wir als Mannschaft durch einen Sieg aus der kleinen Krise herauskommen, damit sich auch das Umfeld mal wieder beruhigt."

Da scheint Werder als Gegner ja genau richtig zu kommen, schließlich habt ihr fünf der letzten sechs Heimspiele gewonnen und dabei immer mindestens vier Tore erzielt. Und über deine gute Torausbeute haben wir ja schon gesprochen. Kommt am Samstag euer Lieblingsgegner?

Martin Harnik: "Ich weiß schon, dass die letzten Spiele gegen Werder ziemlich gut verliefen, aber das sind eben alles nur Statistiken und die werden irgendwann auch mal widerlegt. Deshalb kann man sich nicht zu sicher sein und denken: ,Naja, gegen Werder läuft es immer.‘ Wir müssen die Aufgabe voll angehen, hoffen aber gleichzeitig, dass wir die Statistik bestätigen und ausbauen können. Aber wir wissen auch um die Stärke der Bremer."

Was erwartet euch am Samstag denn für ein Gegner?

Martin Harnik: "Werder hat insgesamt eine gute Mannschaft mit sehr viel Potential. In meinen Augen sind sie so etwas, wie unser Spiegelbild im Norden. Sie laufen den eigenen Ansprüchen auch ein Stück weit hinterher in dieser Saison. Allerdings sind sie uns einen Schritt voraus: Sie haben gegen Hannover den Befreiungsschlag gelandet, den wir uns am Samstag wünschen."

Hast du den "Befreiungsschlag" verfolgt?

Martin Harnik: "Ja! Und da haben sie richtig gut gespielt, das war eine der besten Saisonleistungen, sofern ich das von hier beurteilen kann. Da war Werder wirklich richtig stark und hat verdient gewonnen, auch wenn die Tore erst sehr spät gefallen sind. Die werden mit breiterer Brust auflaufen, als wir."

Wenn man sich die Tabelle anschaut, dann kann von breiter Brust kaum die Rede sein, es spielt schließlich der Tabellenelfte beim Tabellenzwölften. Hättest du damit vor der Saison gerechnet?

Martin Harnik: „Was heißt damit gerechnet? Man weiß ja nie, wie die Saison verläuft, das zeigt die Bundesliga immer wieder. Aber man kann ja auch festhalten, dass beide Teams nur vier Punkte hinter dem sechsten Platz liegen. Es spielt zwar der Elfte gegen den Zwölften, aber es ist für beide Teams noch alles möglich in dieser Saison - nach oben, aber gleichzeitig auch nach unten."

Was bedeutet das für Samstag?

Martin Harnik: "Dass beide Mannschaften am Wochenende zum Siegen verdammt sind - zum einen, um den Anschluss nach oben nicht ganz abreißen zu lassen und zum anderen, um das Polster nach unten auszubauen. Außerdem wollen wir unbedingt die Negativserie von vier Niederlagen in Folge stoppen."

Hand auf's Herz: Macht man sich im Schwabenland denn tatsächlich Gedanken? Man müsste inzwischen doch daran gewöhnt sein, dass ihr erst in der Rückrunde durchstartet.

Martin Harnik: "Das war in den vergangenen Spielzeiten tatsächlich so, aber darauf kann man sich natürlich nicht verlassen. Wir hoffen, dass uns das auch dieses Jahr wieder gelingt, dafür ist es aber wichtig, dass wir uns aus der Krise befreien und endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis feiern können. Auf der anderen Seite müssen wir auch aufpassen, dass wir nicht unten reinrutschen. Aber wir sind es aus den letzten Jahren tatsächlich gewohnt, einmal in der Saison eine richtig schöne Talfahrt mitmachen zu müssen. Deshalb verlieren wir auch nicht die Nerven. Aber natürlich sind wir uns der Situation bewusst und wissen, dass es immer enger wird und wenn wir nicht langsam wieder punkten."

Martin, danke für das Gespräch und wir hoffen, dass euch der Befreiungsschlag erst eine Woche später gelingt!

Das Interview führte Dominik Kupilas