Angekommen: Zu Werder über Salzburg

Der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats Dr. Hubertus Hess-Grunewald und Aufsichtsratsvorsitzender Willi Lemke präsentieren den neuen Geschäftsführer Sport Thomas Eichin.
Profis
Donnerstag, 27.12.2012 // 18:34 Uhr

„2016" stand auf dem Rücken des ersten Werder-Trikots, das Thomas Eichin am Donnerstagnachmittag übergeben wurde, aber das Ende der Vertragslaufzeit seines nun abgeschlossenen ...

„2016" stand auf dem Rücken des ersten Werder-Trikots, das Thomas Eichin am Donnerstagnachmittag übergeben wurde, aber das Ende der Vertragslaufzeit seines nun abgeschlossenen Vertrages soll keineswegs das Ende der Zusammenarbeit sein. „Werder steht ja dafür, dass hier kontinuierlich gearbeitet wird, und es wäre schön, wenn wir es gemeinsam hinbekommen, hier viele weitere Jahre erfolgreich zu sein", betonte Thomas Eichin bei seinem ersten offiziellen Auftritt für die Grün-Weißen.

Der Auftakt am Donnerstag deutet darauf hin, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen könnte, denn es war ein Start nach Maß für den 46-Jährigen, der mit viel Lob an der Weser vorgestellt wurde. „Er ist ein Teamplayer, der uns von der ersten Sekunde an auf eine seriöse Art ohne dabei aufdringlich zu sein klar gemacht hat, dass er diese Chance in Bremen nutzen will", beschrieb Lemke und berichtete von der ersten Kontaktaufnahme: „Es dauerte nicht lange bis wir bei unseren Recherchen auch den Namen Thomas Eichin zugerufen bekamen. Immer wieder hieß es, dass wir uns unbedingt anschauen müssten, was er in Köln aufgebaut hat, was er dort leistet. Daraufhin habe ich mich mit Marco Bode zusammen erkundigt. Das erste Gespräch fand dann auch im kleinen Kreis unter sechs Augen in Schwachhausen statt."

Danach war die kleine Werder-Delegation so begeistert, dass Eichin nur wenige Tage später dem gesamten Aufsichtsrat vorgestellt wurde. „Dabei hatte er dann bestätigt, dass alle Vorschusslorbeeren berechtigt waren. Also haben wir ihn auch noch zu Thomas Schaaf nach Österreich gejagt, um alles klar zu machen", so Lemke flapsig. Und auch dort hat alles gepasst. „Das war sicher für Thomas Schaaf und mich ein sehr wichtiges Gespräch, weil es eine Voraussetzung ist, dass die Chemie stimmt. Ich habe bislang immer sehr eng mit den Trainern zusammengearbeitet und diesen Stil möchte ich gerne beibehalten. Wir haben drei Stunden in Salzburg zusammengesessen und uns ausgetauscht", so Eichin. Auch Schaaf zeigte sich zuversichtlich nach dem Gespräch: "Thomas Eichin ist eine sinnvolle Lösung. Er hat sich in einer anderen Sportart mehr als bewiesen und ist dem Fußball dennoch immer eng verbunden geblieben. Es war auch sein großer Wunsch wieder in unseren Sport zurückzukehren. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Thomas und wünsche ihm ein gutes Händchen, die Dinge bei Werder zu lenken."

Die Vorstellung bei den Werderanern war für Eichin das Ende eines langen Weges zurück in den Fußball. „Darauf habe ich 13 Jahre hingearbeitet. Eishockey ist eine tolle Sportart, aber mein Ziel war immer die Rückkehr in den Fußball. Ich habe früh angefangen, die Branche von der Pike an zu lernen, habe nach der Profi-Karriere auch Autogrammkartensets zusammengestellt, Tickets verkauft und Cola-Kisten in VIP-Bereiche geschleppt. Ich habe mir immer klar gemacht, dass es nicht reicht, Ahnung vom Fußball zu haben, um einen renommierten Verein wie Werder mitführen zu können. Ich habe unter Managern wie Rolf Rüssmann Erfahrungen sammeln können und wurde ins kalte Wasser geschmissen. Die Aufgabe bei den Kölner Haien war dann wie ein Geschenk für mich. Dort konnte ich mir beweisen, dass ich so einen Verein auch in einer anderen Sportart führen kann", erklärte Eichin.

"Doch ich habe nie den Kontakt in meine Sportart abreißen lassen, habe sicher mehr als 1.000 Fußballspiele in den vergangenen zehn Jahren besucht und habe noch viele Kontakte", so Eichin weiter, der kein Problem damit hatte, nicht der einzige Kandidat auf Werders Shortlist gewesen zu sein. „Es ist doch normal, dass ein Verein bei so einer wichtigen Entscheidung mit mehreren Kandidaten spricht. Mir ist es auch ehrlich gesagt sehr, sehr egal. Auch wenn ich als ‚EINS-Z-Kandidat‘ hier bezeichnet werden würde, wäre die Messlatte einzig und allein der Erfolg. Werder ist meine Chance und ich bin froh, hier in diesem Team mitarbeiten zu dürfen."

Ganz unbekannt ist das neue Team um Filbry, Fischer, Schaaf und Baumann für Eichin nicht. „Mein Bremen-Bezug beschränkt sich jedoch auf den fußballerischen Aspekt. Ich habe in meiner Karriere mehrfach im Weser-Stadion gespielt und hatte das Vergnügen gegen Stürmer wie Klaus Allofs, Kalle Riedle oder Wynton Rufer spielen zu dürfen. Hin und wieder sind sie mir auch mal entwischt", schmunzelte Eichin im sicheren Wissen, dass es dafür am neuen Arbeitsplatz keinen Minuspunkte gibt. Mit Frank Baumann verbindet ihn sogar eine kurze gemeinsame Zeit beim 1. FC Nürnberg. „Ich war dorthin für ein halbes Jahr ausgeliehen, er war ein sehr talentierter junger Spieler, ich der Routinier. Wir haben damals ein paar Mal das Zimmer geteilt. Auch später habe ich Franks Werdegang sehr interessiert verfolgt."

Jetzt wird er mit Baumann & Co. zusammenarbeiten und das sicher nicht erst in ein paar Monaten nach dem offiziellen Start. „Thomas Schaaf und Frank Baumann haben sich Gedanken rund um den Kader gemacht, sollte dazu noch eine Meinung von mir benötigt werden, werde ich mich einbringen. Ich bin mir sicher, dass wir Mittel und Wege finden werden, uns in wichtigen Fragen abzustimmen. In alle anderen Fragen werde ich mich dann nach meinem Start akribisch einarbeiten."

Von Michael Rudolph und Yannik Cischinsky