(B)Logbuch 7: Zillertaler Diplomatie

Dunkle Wolken für alle Naldo-Fans! Der Verteidiger gibt in dieser Szene im Zillertal sein letztes Interview für Radio Bremen und WERDER.TV. Anschließend reiste er ab.
Profis
Dienstag, 17.07.2012 // 23:10 Uhr

Servus! Das zweite Trainingslager der Sommervorbereitung verschlägt den SV Werder in die Alpenregion Zillertal - zum ersten Mal. Zwischen Berg und Tal ist auch Werders Mediendirektor Tino Polster wieder dabei und hautnah bei der Mannschaft. In seinem (B)Logbuch bietet er Hintergründiges, bunte Storys aus ungewöhnlichen Perspektiven und die eine oder andere Anekdote abseits der sportlichen Entscheidungen.

Dienstag, 17.07.2012, 20 Uhr

Eins vorweg: Es ist wunderschön im Zillertal. Die Luft, das Bergpanorama, es gibt Lauf- und Fahrradstrecken, die fürs Training gut passen. Unsere Gastgeber im Hotel Theresa und im Posthotel sind aufmerksam und warmherzig, sogar Dampflokfans geraten täglich in Verzückung, wenn die Zillertalbahn durchs Tal stampft. Auch gut: Schon zwei Tage lang regnet es nicht mehr. Aber leider zuvor arg heftig. Und das stellte unsere Trainer vor ein echtes Problem. Der Trainingsplatz ist nach zwei Einheiten so tief, rumpelig und rutschig, dass bei diversen Übungen ein gewisses Verletzungsrisiko nicht auszuschließen ist. Spielformen, bei denen der Ball sauber laufen muss, fallen auch aus. Und der Hauptplatz, eigentlich vorgesehen für die Partie gegen eine Tirolauswahl, wies am Dienstagmorgen immer noch einige morastige Flecken auf. Ein Spiel dort machte keinen Sinn. Ich will nicht von Krise sprechen, aber eine gute Situation war das nicht.

Der einheimische Verein SK Zell am Ziller kann nichts dafür, die Plätze haben die außergewöhnlichen Regengüsse der vergangenen Tage einfach nicht schlucken können. Nun war Gernot Paesold gefordert. Er managt unser Trainingslager für die Zillertal Tourismus GmbH. Die Lösung schien einfach: Ca. 4 Kilometer den Fluss Ziller aufwärts liegt Hippach. Dort betreiben drei Gemeinden gemeinsam einen Sportplatz, dessen Unterbau für gute Verhältnisse sorgt. Doch Politik gibt's auch im Zillertal. Zunächst nämlich konnte man sich nicht dazu durchringen, die Anlage, die zuvor schon vom HSV beansprucht worden war, noch einmal für uns freizugeben. Dann aber am Dienstag früh der Durchbruch. Gernot hatte alle an einen Tisch gebracht und verkündete freudig: „Wir Zillertaler halten zusammen!" Morgentraining und der Test gegen die Auswahl wurden nun in Hippach ausgetragen. Wir waren beeindruckt, wie gut alles so kurzfristig organisiert wurde und danken dem Verein SK Hippach für die Hilfe. Dem SK Zell am Ziller danken wir sehr für das Verständnis. Am Mittwoch sind wir wieder dort, an unserem angestammten Platz.

 

Den hat Naldo heute leider verlassen. Abschied nach sieben Jahren: es fiel allen sichtlich schwer. Am Nachmittag der Verkündung zeigte Naldo erstmals seit Trainingsbeginn am 5. Juli sein herrliches Lachen nicht. Dennoch wird er innerlich zufrieden sein. Er hatte sich noch einmal einen „großen" 4-Jahresvertrag gewünscht. Den scheint er in Wolfsburg zu bekommen. Schon Diego wirkte damals nach seiner Vertragsunterschrift bei den Wölfen alles andere als unzufrieden. Am Abend beim 6:0 gegen die Tiroler Landesligaauswahl war Naldo nicht mehr dabei. Dafür standen „unsere" Österreicher im Blickpunkt. „Basti" Prödl und Torschütze „Sladdy" Junuzovic hatten TV-Teams von ORF und ATV angelockt und fühlen sich in ihrer Heimat sichtlich wohl. Auch wenn es zwischendurch im Spiel ein paar Hänger gab, bestätigte unser Team die Einschätzung, die mir Naldo noch gab: „Es macht sehr viel Spaß mit dieser Mannschaft, ich glaube, sie kann eine gute Saison spielen." Florian Hartherz, einer der Jüngsten, brachte das so auf den Punkt: „Es ist einfach cool mit den Jungs!" In diesem Sinne bitte einfach weitermachen!