In Nürnberg: Tore für Oma und Jubelverbot-Gelübde

Kehrt am Samstag, 15.30 Uhr, mit dem SV Werder in die alte Heimat zurück: Andi Wolf.
Profis
Freitag, 16.09.2011 // 10:44 Uhr

Andreas Wolf ist einer von zwei Ex-Nürnbergern im Werder-Team, aber der einzige, der noch nicht offiziell beim Club verabschiedet wurde. Das wollen die Franken am Samstag nachholen. Kurz vor dem Abschlusstraining am Freitagnachmittag sprachen wir mit dem 29-Jährigen Sympathieträger.


Andi, am Freitagnachmittag fliegst du mit der Mannschaft nach Nürnberg. Dort erwartet dich nicht nur die Partie gegen deinen Ex-Klub, sondern auch eine richtige Verabschiedung. Hat der Club vorher mit dir darüber gesprochen?

Andreas Wolf: Ich habe das gelesen, weiß aber nicht über alles Bescheid. Sie wollen mich mit einigen Dingen überraschen. Darüber freue ich mich sehr. Ich habe dort 14 sehr schöne Jahre verbracht und möchte keinen Tag missen, leider gab es dann für beide Seiten keine Möglichkeit, sich zu verabschieden.

Sie legen sich ins Zeug, sie haben sogar den normalen Zeitablauf vor einem Bundesligaspiel verändert. Die Mannschaften kommen für deine Verabschiedung eher aus den Kabinen.

Andreas Wolf: Oh, davon wusste ich auf jeden Fall nichts, da bin ich ja mal gespannt.

Aber stört das denn nicht die Konzentration. Du bist doch ein Spieler, der mit viel positiver Aggressivität ins Spiel geht.

Andreas Wolf: Ach das schließt ja nicht aus, dass ich voll konzentriert in die Partie gehe. Es ist ein ganz besonderes Spiel. Wir hatten mit Werder einen guten Start und wollen weiter Punkte sammeln, das allein zählt, wenn der Anpfiff erfolgt.

Also wird es kein Problem sein, deine ersten beiden Bundesligatreffer im Werder-Trikot in Nürnberg zu markieren.

Andreas Wolf: Naja mal ganz langsam. Es wird schwer genug, dort zu gewinnen. Aber ich habe nichts dagegen, wenn ich dann ein Tor beisteuern sollte. Im Spiel zählt nur Werder, dann schieße ich auch drei Tore, wenn es so sein sollte.

Das wäre eine Geschichte! Ausgerechnet im Stadion, in dem du so lange zu Hause warst. Wie würde denn dein Jubel ausfallen.

Andreas Wolf: Es gäbe keinen! Soviel Respekt ist da. Natürlich ist das immer ein ganz besonders emotionaler Moment, wenn der Ball ins Netz geht. Ich hätte sogar ein bisschen Angst, dass ich das mit dem Nicht-Jubel in der ersten Sekunde vergesse, aber sobald ich dann eine Sekunde nachgedacht habe, werde ich mich sofort zurückhalten.

In einer Zwickmühle werden ja sicher auch deine persönlichen Fans in der Nürnberg-Ecke stecken? Wieviele Karten musstest du denn besorgen.

Andreas Wolf: Das waren exakt 35 Stück. Es ist einiges los.

Bei soviel Andrang trifft es sich ja gut, dass ihr am Wochenende zwei Mal in der Gegend spielt. Das TARGOBANK-Spiel beim TSV Frankonia Höpfingen ist ja auch nicht soweit?

Andreas Wolf: Das stimmt, aber wie ich meine Leute kenne, werden sie sich auf die Partie gegen den Club konzentrieren. Der Anpfiff am Sonntag findet einfach zu früh statt!

Zu früh? Er ist für 11 Uhr angesetzt.

Andreas Wolf: Ja, aber im Hause Wolf wird am Samstagabend kräftig gefeiert, egal wie das Spiel ausgeht. Meine Oma hat Geburtstag und das wird nicht schon um 19 Uhr beendet sein. Da wird sich keiner am Sonntagmorgen auf den Weg nach Höpfingen machen.

Also gut, dann schenke doch deiner Oma ein paar Andi-Tore, vielleicht lässt dich der Trainer dann auch zur Party. Das wäre doch schön.

Andreas Wolf: Jetzt konzentriere ich mich erstmal auf die Partie, die wird schwer genug.

Oder schenke deiner Oma einen Gutschein für ein Champions-League-Spiel in der nächsten Saison?

Andreas Wolf: Vorsicht, nicht schon wieder so voreilig. Wir haben noch gar nichts erreicht, denn wir haben noch 29 Spieltage vor der Brust. In denen muss sich jeder Einzelne jedes Mal wieder dem Konkurrenzkampf stellen und sich beweisen. Dann können wir permanent da oben mitspielen. Aber das wird richtig schwer.

Also gut, dann schenke ihr erstmal einen Blumenstrauß.


Das Interview führte Michael Rudolph