Bundesligaerprobte Lüneburger wollen Torlos-Serie beenden

September 2011: Das letzte Spiel der SV Eintracht gegen einen Bundesligisten. Hier: Andreas Demir gegen den Wolfsburger Mandzukic (Bild: Behns).
Profis
Montag, 05.03.2012 // 22:43 Uhr

Am letzten Sonntag ging es noch gegen den TB Uphusen, am morgigen Dienstag warten die Bundesliga-Profis des SV Werder Bremen: Die Spielvereinigung Eintracht Lüneburg, die 1903 ...

Am letzten Sonntag ging es noch gegen den TB Uphusen, am morgigen Dienstag warten die Bundesliga-Profis des SV Werder Bremen: Die Spielvereinigung Eintracht Lüneburg, die 1903 gegründet wurde und heutzutage etwa 600 Mitglieder zählt, gehört wohl zu den ungewöhnlichsten Landesligisten der Bundesrepublik. Ungewöhnlich, weil durchaus erprobt in Duellen gegen Mannschaften aus dem Profifußball. Seit 2006 werden regelmäßig Freundschaftsspiele gegen wesentlich höherklassige Vereine ausgetragen. Der FC St. Pauli war bereits vier Mal auf der „Hasenburg", dazu noch Teams wie Hannover 96, Eintracht Braunschweig, Hansa Rostock und zuletzt, im September 2011, der VfL Wolfsburg. Um 18.30 Uhr (ab 18.15 Uhr im Live-Ticker auf WERDER.DE) wird dieser Kreis mit den Grün-Weißen um einen weiteren Bundesligisten erweitert.

„Wenn wir insgesamt mit fünf Gegentreffern auskommen, können wir froh sein. Ich würde mir aber nichts Sehnlicheres wünschen, als dass unser Team ein Tor schießt", hofft SVE-Manager Matthias Thomas. Ganz dicht dran waren die „Blau-Weißen" bereits. Im Test gegen St. Pauli bekamen die Lüneburger in der 89. Spielminute einen Elfmeter zugesprochen. Doch dieser Strafstoß wurde verschossen, die Chance auf das erste Tor gegen ein Profiteam vertan.

"Familienbetrieb" Eintracht Lüneburg: SV-Coach Carsten Lorenzen mit seinen Zwillingssöhnen Bennet (li.) und Vincent (re.) (Bild: Behns).

Dies gelang den Hausherren auch beim ersten Aufeinandertreffen gegen den SV Werder vor über 36 Jahren nicht. Auf der „Hasenburg" gingen die Werderaner früh mit 2:0 durch Jürgen Röber und Sanny Aslund in Front, konnten jedoch weitere hochkarätige Chancen nicht nutzen. Erst zehn Minuten vor Schluss erzielten Ibrahim Sunday, erneut Aslund sowie Per Roentved drei weitere Treffer zum 5:0-Endstand vor 1.500 Zuschauern. Etwa doppelt so viele werden morgen Abend im Siegfried-Körner-Stadion erwartet. Bislang wurden 2.500 Tickets abgesetzt, weitere Karten sind ab 16.45 Uhr an der Abendkasse erhältlich.

Dann werden alle Zuschauer ein junges Landesliga-Team erleben können, dass aus einem Umbruch der letzten Jahre resultiert. Ältere Akteure verließen den Verein, hungrige Talente wurden geholt, um „in der nächsten Saison den Aufstieg zu schaffen. In diesem Jahr ist Platz vier das Ziel. Darüber hinaus wollen wir noch unsere Derbys gegen Uelzen und Treubund gewinnen", formuliert Thomas die Saisonziele für die verbleibende Spielzeit. Aktuell steht die SVE - mit Kontakt zur Spitze - auf Rang acht. Das letzte Match gegen Uphusen ging 0:2 verloren, davor durften zum Rückrundenauftakt zwei Siege gegen Stade und Moisburg bejubelt werden.

Großer Tim-Wiese-Fan: Keeper und Kapitän Michael Hopp möchte nach Spielende die Torwarthandschuhe des Werder-Schlussmanns "abstauben" (Bild: Behns).

Dass die Lüneburger dabei sicher die Klasse halten werden, steht außer Frage. Wie in den letzten sieben Jahren in der Landesliga. Kontinuität wird bei den Niedersachsen, die sich selbst als „verträumt und bodenständig" bezeichnen, generell großgeschrieben. So arbeitet Manager Thomas bereits seit acht Jahren im Verein, Trainer Carsten Lorenzen verlängerte seinen Vertrag Ende 2010 um zwei weitere Jahre. „Er ist ein Glücksfall für den Verein, total verlässlich, engagiert und fühlt sich bei uns auch wohl, verlässt also nach getaner Arbeit nicht sofort das Sportgelände", findet Thomas für Coach Lorenzen nur lobende Worte. Obwohl er als „Spieler nicht der große Fußballer war, denn er hat alles umgehauen, was noch stand, lässt er einen ansprechenden Fußball spielen", führt der SVE-Manager weiter aus.

Wenn der Sechstligist am Dienstagabend gegen die Grün-Weißen antritt, könnte Lorenzen gleich zwei Brüderpärchen aufbieten: Seine Zwillingssöhne Bennet und Vincent sowie das Brüderpaar Alexander und Felix Reinecke. Für Felix Reinecke ist die Begegnung gegen Fritz und Co. ein „Riesending. Es waren bereits mehrere Profivereine in Lüneburg. Wenn es jetzt gegen den Klub geht, den ich schon als kleiner Junge angehimmelt habe, ist es das Nonplusultra", schwärmt der Allrounder im Team der Niedersachen über Werder. „Es gäbe nichts Größeres, gegen die Bremer auch noch ein Tor zu schießen", äußert sich der jüngere Reinecke-Bruder. Ebenso wie Felix Reinecke ist auch Torwart und Kapitän Michael Hopp großer Anhänger der Grün-Weißen. „Ich bin der größere Werder-Fan, Michael ist der größere Tim-Wiese-Fan", zieht Lüneburgs Außenspieler den internen Vergleich. Ganz klar, dass Hopp nach Spielende „die Handschuhe von Wiese abstauben möchte", wie Reinecke verrät. Sollte bei Wiese und Co. die Null stehen, wäre der Werder-Keeper auch sicherlich nicht abgeneigt.

von Timo Volkmann