„Freiburg lebt davon, spielerisch sehr stark zu sein“

Werders Schlussmann Tim Wiese will am Samstag verhindern, dass Papiss Demba Cissé sein Torekonto hochschraubt.
Donnerstag, 18.08.2011 // 15:54 Uhr

Volker Finke aus Norderstedt? Robin Dutt von den Stuttgarter Kickers? Konnte das gutgehen? Und wie es ging! Nur diese zwei Trainer, verpflichtet jeweils aus unteren Spielklassen, saßen in den vergangenen 20 Jahren auf dem Trainerstuhl des SC Freiburg.

Volker Finke aus Norderstedt? Robin Dutt von den Stuttgarter Kickers? Konnte das gutgehen? Und wie es ging! Nur diese zwei Trainer, verpflichtet jeweils aus unteren Spielklassen, saßen in den vergangenen 20 Jahren auf dem Trainerstuhl des SC Freiburg.

Und sie etablierten den Klub mit vergleichsweise geringen Mitteln fest im deutschen Profifußball. Wenn die Breisgauer nunmehr in der Gegenwart zum 3. Spieltag am Samstag, 20.08.2011, um 15.30 Uhr bei Werder Bremen antreten müssen, dann lenkt von der Seitenlinie aus wieder ein auf dem großen Terrain noch kaum bekannter Fußballehrer die Geschicke.

Marcus Sorg soll Freiburger Philosophie fortführen

Marcus Sorg hat beim SC Freiburg das Erbe von Robin Dutt angetreten.

Marcus Sorg soll diese Linie der Beständigkeit fortführen. Zuletzt betreute der 45-Jährige den Regionalliga-Nachwuchs der Badener und erhielt nach Dutts Abgang zu Bayer Leverkusen im Sommer das Vertrauen. Sein Vorgänger übergab ihm eine bestens zusammen agierende und taktisch präparierte Mannschaft, die mit dem mehr als beachtenswerten Erfolgserlebnis des neunten Tabellenplatzes die zurückliegende Bundesliga beendete. „Freiburg hat schon immer davon gelebt, spielerisch sehr stark zu sein. Auch unter dem neuen Trainer werden sie ihre Philosophie beibehalten", sagte Werders Cheftrainer Thomas Schaaf und hob gleichen Zuges hervor: „Wir haben es im Test erleben dürfen, wie schnell da Situationen umgesetzt werden können. Sie verfügen über eine Mannschaft, die zu tollen Taten bereit ist." Ehe sich die Grün-Weißen versahen, lagen sie in der Vorbereitungspartie Mitte Juli mit 1:3 hinten. Blitzschnell bestrafte der SCF kleinste Lücken und Fehler.

Durch einen starken Schlussspurt drehte Werder das damalige Spiel noch zu eigenen Gunsten (4:3). So gefährlich der Angriff auch sein kann, die Anfälligkeit in der Freiburger Defensive verhinderte das Positiverlebnis. Daran hat die junge Mannschaft weiterhin zu knabbern. Mit 2:3 wurde sie in Unterhaching aus dem DFB-Pokal gekegelt. Darauf folgten das 2:2 in Augsburg und die 1:2-Heimniederlage gegen Mainz. Aber gegen Mainz „hat die Mannschaft sehr mutig und couragiert gearbeitet. Diesen Ansatz müssen wir fortführen", meinte Marcus Sorg. Jedoch muss er noch nach einer standfesten Formation der Viererkette fahnden.

Klaus Allofs: „Die logische Konsequenz, noch einmal zuzulegen“

Sorgen in der Defensive: Mensur Mujdza fällt aus, Heiko Butscher (r.) wackelt.

Unter anderem hängt der schweizerische Neuzugang Berg Ferati (FC Basel), der gewünschte Nachfolger des nach Leverkusen abgewanderten Ömer Toprak, noch hinter den Erwartungen zurück. Im Weser-Stadion wird zudem Rechtsverteidiger Mensur Mujdza (Innenbandeinriss im Knie) fehlen. Der Einsatz von Defensivkollege Heiko Butscher (Oberschenkelzerrung) ist alles andere als gesichert. Mittelfeldspieler Jan Rosenthal (Aufbau nach Knie-Arthroskopie) fällt auf jeden Fall aus.

Immerhin präsentiert sich Angreifer Papiss Demba Cissé auch in der neuen Saison mitleidslos wie eh und je vor dem gegnerischen Kasten. Die zwei Treffer aus zwei Punktspielen ließen ihn nunmehr zum Freiburger Bundesliga-Rekordschützen aufsteigen. Die Quote des Senegalesen (50 Einsätze, 30 Tore) ist beeindruckend, zugleich eine offensive Lebensversicherung und weckt bei der finanziell gehobeneren Konkurrenz eine Menge Begehrlichkeiten.

Thomas Schaaf machte allerdings klar, worauf es ihm ankommt. „Wir sind sehr auf unsere Aufgabe konzentriert, dazu gehört es eben auch, in der Defensive die Gegenspieler auszuschalten. Wir müssen sie unter Druck setzen und zu Fehlern zwingen." Nicht zuletzt der unnötige Punkteverlust in Leverkusen hat gezeigt, „dass wir noch nicht so sicher in unseren Aktionen sind, wie es bedarf." Schaaf weiter: "Wir sind einen großen Schritt weiter als in der letzten Saison. Viele Dinge wurden gut angepackt, aber wir sind noch nicht soweit, alles komplett richtig zu machen. Natürlich sind wir auch ungeduldig. Es fehlt noch die Klarheit, alle Dinge in der Offensive und Defensive zu kontrollieren. Daran arbeiten wir."

Geschäftsführer Klaus Allofs brachte sogleich auf den Punkt, was zu einem gelungenen Start benötigt wird: „Die logische Konsequenz, noch einmal zuzulegen, an den Sieg über Kaiserslautern anknüpfen und auch Freiburg schlagen."

von Maximilian Hendel