Viel Frust und Enttäuschung nach "Katastrophenspiel"

Fühlte sich in Berlin an die 0:1-Niederlage gegen Nürnberg vor einer Woche erinnert: Cheftrainer Thomas Schaaf.
Profis
Samstag, 03.03.2012 // 19:03 Uhr

Gründe für den schwachen Auftritt lieferte er sofort mit: „Wir sind nicht in der Lage, zwingend zu spielen und uns in den entscheidenen Situationen durchzusetzen. Wenn der letzte Pass ansteht, die Chance kommt, dann sind wir nicht konsequent genug." Tom Trybull pflichtete Klaus Allofs bei. „Wir hatten uns im Vorfeld viel vorgenommen, sind hierher gefahren, um zu gewinnen. Leider ist unser Plan heute nicht ganz aufgegangen. Vielleicht hätten wir uns in der einen oder anderen Situation besser an die Platzverhältnisse anpassen müssen."

Die Gesichter der Spieler sprachen nach der 0:1-Niederlage bei Hertha BSC Bände. Wutentbrannt und tiefenttäuscht trotteten Pizarro, Wiese und Co. durch die Mixed-Zone in die Kabine. Wortlos. Zu groß war der Ärger über den schwachen Auftritt im Berliner Olympiastadion. „Wir sind alle total enttäuscht. Das war ein Katastrophenspiel", ließ Klaus Allofs seinem Frust freien Lauf. „Ich möchte der Hertha nicht zu nahe treten, aber die Mannschaft war völlig verunsichert und hat im Moment nicht die Klasse - wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, müssen wir hier die drei Punkte mitnehmen", schimpfte der Geschäftsführer.

Soll heißen, dass Werder es zu oft versucht hat, die Partie mit spielerischen Mitteln zu lösen. „Aber hinterher ist es dann immer einfach zu sagen, wie man es hätte machen müssen", so der 18-Jährige. Geburtstagskind Philipp Bargfrede hatte sich seinen Ehrentag jedenfalls ganz anders vorgestellt. „Ich kann gar nicht so viel sagen, die Enttäuschung ist einfach zu groß. Wie Nürnberg in der letzten Woche stand auch Hertha heute sehr tief, und wir haben es wieder nicht geschafft, aus unseren Chancen ein Tor zu schießen", so der 23-Jährige.

An die Vorwoche erinnert, fühlte sich auch Thomas Schaaf: „Das Spiel ist so gelaufen, wie letzte Woche. Wir haben wieder unheimlich viel Aufwand betrieben und uns Chancen herausgespielt, aber wir schaffen es in letzter Zeit nicht, unsere Möglichkeiten zu nutzen. Es ist uns schwergefallen, die Lücken zu finden, die Räume zu nutzen. Wir müssen daran arbeiten, noch effektiver und entschlossener zu werden. Denn ohne Tor gewinnt man einfach keine Spiele", so der Cheftrainer. Dass Werder nun schon seit zwei Partien torlos ist, bemängelte auch Klaus Allofs. „Wir haben momentan keinen, der Tore schießt. Auch Claudio trifft im Moment nicht, aber dann wäre es gut, wenn es Spieler geben würde, die ihn unterstützen."

Gedanken darüber, das große Ziel „internationalen Wettbewerb" nicht zu erreichen, machen sich die Werderaner nicht. „Ich mache mir Gedanken, wie wir unseren großen Einsatz in den nächsten Partien wieder zur Wirkungen bringen können", so Schaaf. „Wir haben gegen Nürnberg ein gutes Spiel abgeliefert und sind sehr engagiert aufgetreten. Die Mannschaft hat auch heute viel getan. Unter dem Strich steht: Wir waren in beiden Partie nicht gut genug. Das muss uns ärgern, uns wütend machen und uns zugleich anspornen."

Zusätzlich anstacheln sollte den SV Werder auch die Konstellation der nächsten Begegnung gegen Hannover 96. „Das ist ein richtungsweisendes Spiel", weiß Trybull. „Wenn wir unsere Punkte holen, dann müssen wir auch nicht auf die anderen schauen", so der gebürtige Berliner weiter. Dass dies nur möglich ist, wenn sich die Mannschaft steigert, weiß Bargfrede.

„Ich hoffe, dass wir uns sehr bald wieder steigern können. Nächste Woche haben wir gegen Hannover 96 ein Spiel, in dem wir einiges wieder gutmachen können." Klaus Allofs dazu: „Wir werden uns in den nächsten Tagen auf jeden Fall zusammensetzen und einige Dinge besprechen. Das Spiel heute war einfach zu schlecht, um einfach so zur Tagesordnung überzugehen", so der Werder-Geschäftsführer. Während die Werderaner also sichtlich angefressen die Heimreise antraten, konnte sich Ex-Trainer Otto Rehhagel, der während des Spiels „wie ein Geisteskranker" an der Außenlinie tobte, über den ersten Sieg mit seinem neuen Klub freuen. „Werder war spielerisch besser. In der zweiten Halbzeit sind die Bremer immer weiter in unsere Hälfte gekommen", so Rehhagel. „Aber für den Moment sind wir alle unheimlich erleichtert. Der Sieg heute soll der Anfang sein. Wir können wieder Hoffnung haben, sind wieder dabei."

Aus Berlin berichten Dominik Kupilas und Timo Volkmann