Wieder das hässliche Auswärtsgesicht gezeigt

Torjäger Claudio Pizarro konnte im letzten Spiel der Hinrunde keine weiteren Treffer markieren.
Profis
Samstag, 17.12.2011 // 21:38 Uhr

Hängende Köpfe, nachdenkliche Mienen und ein Jahresabschluss zum abgewöhnen. Werder zeigte bei der Pleite gegen den FC Schalke 04 mal wieder sein unschönes ,Auswärtsgesicht‘. „Wir setzen da einfach nicht die Dinge um, die den Erfolg versprechen. Wir sind ängstlich gewesen, unkonzentriert wie schon bei den Bayern oder in Mönchengladbach. Es ist sehr ärgerlich, dass wir uns nicht besser verabschiedet haben. Wir sind deswegen alle bitter enttäuscht", konnte es Klaus Allofs nicht fassen.

„So ein Spiel geht nicht, das können wir nicht akzeptieren", zeigte sich Thomas Schaaf tief enttäuscht von dem Auftritt seiner Mannschaft und wollte nichts schön reden: „Wir haben auswärts nicht die Präsenz, nicht das Selbstvertrauen und schaffen es nicht, den Gegner mal in Not zu bringen."

Clemens Fritz war in Gedanken bei den eigenen Anhängern. „Unsere Fans reisen alle zwei Wochen durch die Republik und wir enttäuschen sie. Dafür können wir uns nur entschuldigen", so der Kapitän, der kurz nach dem Spiel vergeblich die Ursachen suchte: „Ich kann es mir nicht erklären, wir sind alle sehr enttäuscht. Wir setzen auswärts einfach nicht das um, was uns der Trainer sagt. Ich weiß nicht, ob das inzwischen schon eine Blockade ist." Die Blockade, nicht gegen Topteams der Liga bestehen zu können, wollte Klaus Allofs heute lösen. „Diese Tatsache wollten wir heute mit einem Sieg geraderücken, aber es ist uns nicht gelungen. Aber Kopf hoch, wir werden daran arbeiten, dass unsere Fans, die uns trotz allem super unterstützt haben, auch auswärts bald erfolgreicheren Fußball sehen."

Auch andere Werderaner äußerten sich anschließend tief enttäuscht ...

... über den Spielverlauf:

Naldo: „Das ist schwer in Worte zu fassen, warum das so ist. Heute hatten wir nicht die Qualität, um gegen diese Schalker Mannschaft zu gewinnen. Aber wir dürfen diese Niederlagen nicht vergessen, sondern uns immer wieder ins Gedächtnis rufen und an der Auswärtsschwäche arbeiten."

Aleksander Ignjovski: „Das war ein katastrophales Spiel von uns. Insgesamt waren wir auswärts bisher nicht so gut, das hat sich auch heute fortgeführt. Wir waren nicht konzentriert genug."

Lukas Schmitz: „Das war ein sehr schlechtes Spiel von uns und ich hätte mir meine Rückkehr natürlich ganz anders vorgestellt. So wie heute dürfen wir nicht auftreten."

...über den gesamten Verlauf der Hinrunde:

Klaus Allofs: „Wir bleiben realistisch. Wir sind noch kein Team, das nach der Erfahrung aus dem Vorjahr schon wieder um die Champions-League-Plätze mitspielen kann. Wenn wir am Ende einen internationalen Startplatz belegen, dann können wir zufrieden sein. So wie die Hinrunde gelaufen ist, können wir mit Platz fünf, mit dem wir jetzt in die Winterpause gehen, sehr gut leben."

Andreas Wolf: „Mit unseren Auftritten im eigenen Stadion können wir zufrieden sein, da waren wir sehr gut und habe viele Punkte geholt. Wie wir auswärts aufgetreten sind, möchte ich lieber nicht aussprechen."

...zu den zwei Gesichtern der Werderaner:

Clemens Fritz: „Wir machen das sicher nicht gerne, dass wir auswärts so schlecht spielen und alle zwei Wochen versagen. Aber wir machen zu einfache Fehler und lassen uns dadurch total aus dem Konzept bringen. Daran müssen wir arbeiten."

Klaus Allofs: „Der Unterschied zwischen unseren Auftritten im Weser-Stadion und denen auswärts, ist einfach zu groß. Da fehlt es an einigen Dingen, die hat uns Schalke heute verdeutlicht. Sie waren aggressiv in den Zweikämpfen und es war kein Weg zu weit. Aber ich denke positiv und sehe, dass diese starken Mannschaften in der Rückrunde alle nach Bremen kommen und wir zu Hause gefestigter auftreten werden und Chancen haben. Bei den anderen Team müssen wir auswärts mehr Punkte holen. Aber vielleicht sollten wir eine neue ,Auswärtsmannschaft‘ verpflichten."

Thomas Schaaf: „Wir sind selber schuld an diesem Ergebnis. Wenn man so einfache Fehler macht, dann braucht man sich über die Gegentore nicht zu wundern. Wenn man Elemente betrachtet, wie unser Zweikampfverhalten oder die Art, wie wir uns bewegen und die freien Räume nutzen, dann ist das schlecht."

Claudio Pizarro: „Es gibt keine Erklärung dafür. Das ist einfach enttäuschend und peinlich so aufzutreten. Wir müssen darüber nachdenken, die Fehler analysieren und daran arbeiten. Wir müssen die richtige Balance finden, können nicht in der einen Woche 4:1 gewinnen und dann 0:5 verlieren. Das war zuletzt auswärts dreimal ganz schlecht und wir müssen aufpassen, dass es nicht noch häufiger passiert."

Andreas Wolf: „Das ist schwer zu erklären, warum wir diese zwei Gesichter zeigen. Wir investieren im Weser-Stadion insgesamt mehr, laufen mehr, sind selbstbewusster und arbeiten als Einheit besser nach hinten. So geht das auswärts nicht mehr. Wir müssen daran arbeiten, dass und das nicht mehr passiert."

 

... über die anstehende Winterpause:

Klaus Allofs: „Am liebsten hätte ich nächste Woche noch ein Pokalspiel, aber da sind wir leider nicht mehr vertreten. Die Spieler können die Pause für eine Denkaufgabe nutzen: ,was muss jeder einzelne verändern, damit es im nächsten Jahr besser läuft?‘

Klaus Allofs zum Kader: „Wir haben einen großen Kader, in den in der Winterpause auch noch drei Rückkehrer zu erwarten sind. Denni Avdic, Mikael Silvestre und Sebastian Boenisch werden wahrscheinlich wieder zur Verfügung stehen, dazu kommen noch Aaron Hunt, Sokratis und Mehmet Ekici, die allesamt heute nicht gespielt haben. Deshalb kann es auch sein, dass wir den einen oder anderen auch noch abgeben werden."

Aleksander Ignjovski: „Wir haben in der Pause jetzt die Gelegenheit über diese Fehler nachzudenken und dann eine gute Vorbereitung zu absolvieren. In der Rückrunde müssen wir vom ersten Spiel an anders ausftreten."

Lukas Schmitz: „Auf der einen Seite ist es gut, dass wir jetzt eine Pause haben, um dieses Scheiß-Spiel vergessen zu können, auf der anderen Seite würde ich gerne nächste Woche wieder spielen, um zu zeigen, dass es auch anders geht."

Claudio Pizarro: „Es wird nicht einfach dieses Spiel sacken zu lassen, aber wir müssen die Pause nutzen, um uns Gedanken darüber zu machen."

aus der Veltins Arena berichtet Dominik Kupilas