5:4-Sieg am Millerntor: Neun Tore und ein Comeback

Ein unterhaltsames und torreiches Spiel wurde den 7.324 Zuschauern am Millerntor geboten. Marko Marin war einer der auffälligsten Spieler.
Profis
Dienstag, 16.08.2011 // 20:08 Uhr

Viele Geschichten, noch mehr Tore und ein lang ersehntes Comeback. Werder Bremen hat am Dienstagabend das kurzfristig angesetzte Testspiel beim Zweitligisten FC St. Pauli knapp mit 5:4 (4:1) gewonnen. Vor 7.234 Zuschauern am Hamburger Millerntor feierte Innenverteidiger Naldo nach über einem Jahr Verletzungspause seine Rückkehr auf den Rasen. Und die Fans bekamen ein Offensivspektakel zu sehen. Claudio Pizarro eröffnete früh den Torreigen (7.). Kevin Schindler sorgte für den kurzzeitigen Ausgleich (26.), ehe Marko Marin und ein Doppelpack von Marko Arnautovic die Weichen noch vor der Pause auf einen deutlichen Sieg stellten (29., 31., 36.). Sandro Wagner erhöhte vom Elfmeterpunkt gar noch auf 5:1. Dann jedoch machten es die Gastgeber mit drei Toren im zweiten Durchgang noch einmal ganz spannend. 

"Das Ergebnis sagt sehr viel über den heutigen Abend aus. Wir haben in der Offensive viele gute Aktionen gesehen und einige andere Dinge, die wir verbessern müssen. Es war ein guter Abend mit wunderschönen Toren und einem tollen Rahmen. Derartige Veranstaltungen werden wir mit Sicherheit wiederholen. Wir brauchen für den Kader die Spielpraxis", resümierte Cheftrainer Thomas Schaaf. 

Arnautovic setzt sich in Szene / Schindler trifft und wechselt

Kevin Schindler (re. , hier im Duell mit Florian Trinks) lief am Dienstag erstmals für seinen neuen Verein auf - mit einer Gastsspiellizenz.

Dass es sich aus Bremer Sicht um eine alles andere als alltägliche Partie handelte, dafür sorgte schon allein das vielumjubelte Comeback von Naldo. Der Brasilianer konnte sich erstmals und sehnsüchtig erwartet nach 458 Tagen Leidenszeit endlich wieder das Trikot überziehen - und mit ihm sammelten ebenfalls Neuzugang Aleksandar Ignjovski sowie die in den bisherigen Pflichtspielen noch nicht wirklich zum Zug gekommenen Claudio Pizarro, Sandro Wagner, Sebastian Prödl, Florian Trinks, Leon Balogun und Torwart Sebastian Mielitz Praxis. Auf der Gegenseite begann das Bremer Eigengewächs Kevin Schindler noch mit einer Gastspielerlizenz, wenig später schon durfte der Wechsel des 23-Jährigen zum FC St. Pauli offiziell verkündet werden.

Kombinationssicher und spielfreudig legten die Grün-Weißen derweil los. Allein der sehenswerte Hackentrick von Pizarro auf Marin, dessen folgender Schlenzer das Tor verpasste, machte gleich Lust auf mehr (3.). Kaum vier Minuten später führte Werder. Sandro Wagner ließ Gegenspieler Sobiech hinter sich, bereitete per Querpass mustergültig vor, wodurch Claudio Pizarro lediglich noch den Ball über die Linie drücken brauchte. Marko Arnautovic‘ erste Szene konnte Pauli-Keeper Pliquett noch hervorragend abwehren (19.). Seine Vorderleute taten sich darauf ebenfalls hervor. Und zwar gleich mit dem Ausgleich durch - ja, genau - Kevin Schindler, der Sebastian Schachtens flanke einköpfte (26.). Dieser kleine Rückschlag sollte die Bremer Offensivlust, insbesondere jene von Marko Arnautovic, in keinster Weise eindämmen. Ein punktgenaues Zuspiel des Österreichers hebelte die gegnerische Viererkette aus, Marko Marin ließ sich diese Chance nicht entgehen und verwandelte prompt zur erneuten Führung (29.). Während Naldo unter Dauerapplaus seinen Defensiv-Part souverän erfüllte, schwang sich Arnautovic mehr und mehr zum auffälligsten Akteur auf. Mit einem Antritt düpierte er die gesamte Hamburger Hintermannschaft, ließ zudem Pliquett stehen und besorgte 120 Sekunden nach seiner Torvorlage den Ausbau der Führung (31.).

St. Pauli gibt nicht auf und verkürzt auf 4:5

Sebastian Prödl spielte nach seinem Comeback in Leverkusen am vergangenen Sonntag am Millerntor die ersten 45 Minuten als rechter Verteidiger.

Schade, dass heute nicht Bundesliga auf dem Programm stand. Es lief wie am Schnürchen und wurde sogar noch schöner. Denn Pizarros Flanke drosch Arnautovic von der Strafraumgrenze aus unhaltbar in den diagonal gelegenen Winkel. Ein Traumtor zum 4:1 (36.). Lediglich der guten Parade von Benedikt Pliquett war es geschuldet, dass dem 21-Jährigen wenige Minute vor der Pause nicht noch der Hattrick gelang. Kurz zuvor hatte Sebastian Mielitz mit einer Klassetat gegen Mahir Saglik den Anschlusstreffer verhindert (38./41.). In der Halbzeitpause mischte Cheftrainer Thomas Schaaf seine Elf munter durch. Neben den Stammspielern Mertesacker, Clemens Fritz und Mehmet Ekici bekam auch Junioren-Nationalspieler Cimo Röcker seinen Einsatz bei den Profis. Etwas mehr als eine Viertelstunde nach Wiederanpfiff durfte auch Naldo die wohlverdiente Verschnaufpause in Anspruch nehmen. Sokratis ersetzte ihn. Zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 5:2 für Werder.

Erst hatte Sandro Wagner einen Foulelfmeter (Marin war nach herrlichem Dribbling vom eingewechselten Keeper Schenk zu Fall gebracht worden) problemlos verwandelt (51.), danach profitierte Paulis Mahir Saglik von Schindlers guter Vorbereitung und verkürzte (55.). Wiederum Saglik macht es acht Minuten darauf noch einmal spannend. Sein listiger Fernschuss aus gut und gerne 30 Metern flog über den überraschten Mielitz hinweg ins Netz (63.). Mehmet Ekici dagegen verpasste nach Arnautovic-Vorlage knapp die Wiederherstellung des Drei-Tore-Vorsprungs (66.). Ein abermals wunderschöner Fernschuss brachte den FC St. Pauli in den Schlussminuten doch noch einmal ganz dicht dran. Patrick Funk hatte ganz genau Maß genommen und ins rechte obere Eck getroffen (83.). Den Sieg ließen sich die Grün-Weißen jedoch nicht mehr nehmen.


von Maximilian Hendel