Mit Jubiläumstreffer und Traumtor zum Sieg

Jubelnde Torschützen: Claudio Pizarro traf zum 150. Mal in der Bundesliga, Aaron Hunt mit einem sehenswerten Fernschuss.
Profis
Samstag, 29.10.2011 // 20:26 Uhr

Wieder einmal hat Werder Bremen ein Spiel gedreht: Aus einem 0:1-Rückstand hat die Mannschaft von Thomas Schaaf noch einen 3:1-Sieg gemacht. Die Gastgeber aus Mainz waren in der ersten Hälfte...

Wieder einmal hat Werder Bremen ein Spiel gedreht: Aus einem 0:1-Rückstand hat die Mannschaft von Thomas Schaaf noch einen 3:1-Sieg gemacht. Die Gastgeber aus Mainz waren in der ersten Hälfte durch Bungert in Führung gegangen (23.), aber Claudio Pizarro schaffte nach feiner Einzelleistung mit seinem 150. Bundesligatreffer wenig später den Ausgleich (29.). In der zweiten Hälfte gelang Aaron Hunt ein Traumtor (47.), ehe Sebastian Prödl für den Endstand sorgte (78.). Werder ist in der Bundesligatabelle nun auf den vierten Platz vorgerückt.

Während FSV-Trainer Thomas Tuchel die gleiche Elf aufbot, die unter der Woche im Pokal Hannover besiegt hatte, veränderte Werders Cheftrainer Thomas Schaaf seine Anfangsformation auf zwei Positionen: Sebastian Prödl lief für Andreas Wolf in der Innenverteidigung auf und Mehmet Ekici übernahm die Position von Marko Marin hinter den Spitzen.

Pizarro trifft zum 150. Mal in der Bundesliga

Aleksandar Ignjovski durfte in Mainz wieder im defensiven Mittelfeld ran.

34.000 Zuschauer in der ausverkauften Coface-Arena sahen einen Spielbeginn mit hohem Tempo, aber auch etlichen Ungenauigkeiten auf beiden Seiten. Die Defensivreihen agierten sehr aufmerksam, auf Bremer Seite klärte Naldo ein ums andere Mal elegant. Die Offensivabteilungen beider Teams kamen in der Anfangsphase nur zu einigen Halbchancen: Fritz passte auf Hunt, der viel Platz hatte und aus 20 Metern abzog. Sein Schuss traf aber Bungert und war deshalb ungefährlich (8.). Eine schöne Bremer Kombination landete im Strafraum bei Pizarro, aber mit seinem letzten Haken blieb der Peruaner an Bungert hängen (13.).

Werder gehörte die erste Viertelstunde, danach aber hatte der Gastgeber mehr vom Spiel. Nach einer flotten Mainzer Kombination rettete Schmitz noch vor Choupo-Moting, der sonst frei durch gewesen wäre (22.). Die nachfolgende Ecke hatte es aber in sich: Bungert entwischte seinem Gegenspieler und brachte aus unmöglichem Winkel einen Kopfball aufs Bremer Tor. Kurz neben dem ungedeckten Pfosten schlug der Ball ein - das 1:0 für die Gastgeber (23.).

Die Mannschaft von Thomas Schaaf schüttelte sich einmal kurz und machte dann mit noch mehr Engagement weiter. Mit Erfolg: Nur sechs Minuten nach dem Rückschlag fiel der Ausgleich für die Grün-Weißen. Und wieder einmal hieß der Torschütze Claudio Pizarro. Es war der 150. Bundesligatreffer des Peruaners - und was für ein schöner: Nach Balleroberung von Sokratis zog Pizarro in Richtung Mainzer Strafraum. Ein Pass auf Rosenberg wurde zu einem unfreiwilligen Doppelpass mit dem Gegner, so dass sich Werders Top-Torjäger plötzlich selbst in aussichtsreicher Position wiederfand. Geistesgegenwärtig ließ er noch einen Gegenspieler aussteigen und überwand dann den herausstürmenden Wetklo mit einem gefühlvollen Lupfer.

Nach dem Ausgleichstreffer zeigten sich die Gastgeber wieder: Choupo-Moting drang aus spitzem Winkel in den Bremer Strafraum ein, sein Schuss traf aber nur das Außennetz (32.). Nur eine Minute später musste Naldo eingreifen: Nach einem Mainzer Konter blockte der Brasilianer in höchster Not einen Schuss von Caligiuri ab (33.). Dann machte aber auch Werder wieder mit: Nach schöner Vorarbeit von Sokratis drang Fritz in den Strafraum ein und bediente in der Mitte Pizarro, der den Ball aber nicht drücken konnte und übers Tor köpfte (40.). Die letzte Chance der ersten Halbzeit gehörte nochmals Mainz. Ujah wuchtete nach Flanke von Soto einen Kopfball aufs Bremer Tor, aber Wiese schnappte sich per Flugeinlage das Spielgerät (42.).

Aaron Hunt trifft in den Winkel

Grenzenloser Jubel: Nach dem Traumtor von Aaron Hunt wollten alle mit dabei sein.

Die zweite Halbzeit begann mit einem echten Kracher. Es schien, als würde der Fußballgott das grün-weiße Abschlusspech der vergangenen Spiele nun in einer einzigen Situation ausgleichen: Pizarro eroberte auf der Außenbahn den Ball, zog nach innen und spielte Hunt an, der in zentraler Position freie Sicht aufs Mainzer Tor hatte. Der Bremer Linksfuß nahm an, schaute einmal kurz und zog dann ab. Unhaltbar für den Mainzer Keeper Wetklo schlug der Ball im Winkel ein - das Spiel war gedreht (47.).

Mainz antwortete mit wütenden Gegenangriffen. Eine flache Hereingabe sauste einmal durch den Bremer Strafraum, wo Pospech am langen Pfosten draufhielt, aber am Tor vorbei zielte (49.). Nur wenig später musste Prödl bei einer Hereingabe von der anderen Seite vor Ujah retten (54.). Auf der Gegenseite sorgte Pizarro weiter für Gefahr. Einen Pass von Sokratis konnte der Peruaner zwar nicht richtig kontrollieren. Seine Direktabnahme ging aber nur knapp über das Mainzer Tor (56.). Kurz darauf hatte Rosenberg die Entscheidung auf dem Fuß. Nach perfektem Pass von Ekici lief der Schwede allein auf Wetklo zu, scheiterte aber am Mainzer Keeper (61.).

Bremen hatte das Spiel nun im Griff. Tiefstehend bekamen die Grün-Weißen die Mainzer Angriffsbemühungen unter Kontrolle, auch weil alle Mannschaftsteile mit nach hinten arbeiteten. Der eingewechselte Sandro Wagner konnte einige Zweikämpfe in der eigenen Hälfte für sich entscheiden. Nur selten musste Wiese eingreifen und wenn, dann war er da. Einen Schuss aus der Drehung von Malli hielt die Bremer Nummer 1 fest (74.). Nach vorne gab es nur noch vereinzelte Entlastungsangriffe.

Eine Standardsituation brachte schließlich die Vorentscheidung: Nach Foul an Wagner brachte Hunt den fälligen Freistoß in den Sechzehner. Prödl stieg am höchsten und köpfte den Ball an den Pfosten, setzte aber geistesgegenwärtig nach und vollendete kaltschnäuzig mit der Fußsohle (78.). Der Mainzer Willen war nun gebrochen. Werder ließ nichts mehr anbrennen und zeigte selbst noch ein paar ansehnliche Kombinationen, bevor der Abpfiff des guten Schiedsrichters Aytekin den ersten "Dreier" nach drei Spielen ohne Sieg perfekt machte.

Von Benjamin Gehrs

Stimmen zum Spiel folgen im Laufe des Abends auf WERDER.DE