Zungenbrecher ade: Nennt mich Sokratis!

Werders griechischer Nationalverteidiger wird "offiziell" nur noch Sokratis genannt.
Profis
Dienstag, 06.09.2011 // 14:30 Uhr

Sokratis Papastathopoulos ist Vergangenheit. Zumindest, was den Nachnamen angeht. Der Mann mit dem längsten Nachnamen der Bundesliga wird "offiziell" nur noch Sokratis genannt. Auch auf der Spielberechtigungsliste der Deutschen Fußball Liga (DFL) ist bereits der Vorname eingetragen, der zukünftig wie ein Künstlername behandelt werden soll. In dieser Hinsicht dürfen alle Werder-Fans jetzt schon gespannt sein auf das nächste Heimspiel ihres SVW gegen den Hamburger SV. Ähnlich wie bei ‚Na-Na-Na-Naldo' oder ‚Wes-ley' werden Werders Stadionsprecher Arnd Zeigler und Christian Stoll beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung den neuen Rufnamen des Griechen für alle Fans präsentieren und mit ihnen gemeinsam einstudieren.

Auch sportlich gesehen dürfen sich alle Anhänger in grün-weiß bereits am kommenden Samstag, 10.09.2011, auf das Nordderby gegen den HSV (ab 18.15 Uhr im Live-Ticker auf WERDER.DE) freuen. Denn wenn Werders neuer Grieche den Platz betritt, ist kein Grashalm vor ihm sicher. Mit einem schier unbändigen Willen wirft sich Sokratis in jeden Zweikampf, gibt dabei keinen Ball verloren, marschiert aber gleichzeitig auch nach vorne, um seine Teamkollegen mit Flanken zu füttern. Seine Spielweise ist hart, aber fair. In den bisherigen fünf Pflichtspielen stand „Papas" fünf Mal über 90 Minuten auf dem Platz.

„Er scheut keinen Zweikampf und bestreitet diesen sehr intensiv. Sokratis hat die Überzeugung, jedes Duell für sich entscheiden zu wollen. Er kann vieles gut umsetzen, obwohl er noch sehr jung ist. Jedoch verfügt er bereits über viel Erfahrung, wovon sein Spiel profitiert", zeigt sich auch Cheftrainer Thomas Schaaf angetan ob der guten Leistungen des 23-Jährigen, der dem Team mit seiner entschlossenen Spielweise den richtigen Weg aufzeigt.

Besonders gut zu sehen war diese jetzt schon typische „Sokratis-Art" im Testspiel gegen Fenerbahce Istanbul vor zwei Wochen. Zur zweiten Halbzeit eingewechselt, ließ der neue Mann aus Griechenland in seiner ersten Aktion gleich zwei Gegenspieler im eigenen Strafraum ins Leere laufen und initiierte - ausgestattet mit einer Seelenruhe - von hinten heraus einen Angriff der Grün-Weißen.

Ob hinten links, in der Mitte oder sogar im Mittelfeld - „Papas" wusste in der Vergangenheit bereits auf verschiedenen Positionen zu überzeugen. „Sokratis macht das richtig gut. Er ist nicht auf eine Position fixiert, sondern flexibel einsetzbar. Das ist eine große Qualität und für das Team eine große Bereicherung", findet Schaaf weiter nur lobende Worte für seinen griechischen Abwehrmann. „Er hat in Italien gelernt, in einer Dreierkette zu spielen oder er hat auf der ‚Sechs' im Mittelfeld den Manndecker gegeben. Er ist clever, schnell und körperlich stark. Er spielt dort, wo er uns am besten helfen kann", hebt auch Werders Geschäftsführer Klaus Allofs Sokratis' Vorzüge hervor.

Beeindruckend ist auch, dass Sokratis kaum Eingewöhnungszeit benötigte, obwohl der griechische Nationalverteidiger erst vor gut sieben Wochen an die Weser wechselte. „Werder ist einer der besten Vereine in Deutschland. Meine Mitspieler haben mich sehr gut aufgenommen, ich fühle mich pudelwohl", ist Sokratis glücklich. Trotz seines juvenilen Alters bestritt Sokratis bereits 18 Länderspiele für die Südosteuropäer (im EM-Qualifikationsspiel am Abend in Riga gegen Lettland könnte sein 19. hinzukommen), für die er noch unter Otto Rehhagel mit gerade einmal 19 Jahren als frisch gebackener Junioren-Vize-Europameister debütierte. „König Otto" impfte ihm während der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika in der Gruppenphase gegen Argentinien ein besonderes Defensiv-Gen ein, als er „Papas" auf keinen Geringeren als Lionel Messi ansetzte. So ließ er den Weltfußballer während der kompletten Spielzeit nicht aus den Augen, „und die Luft, die Messi atmete, hatte vorher Sokratis gesiebt", wie die ‚Süddeutsche' damals über die Abwehrkünste von „Papas" schrieb. „Messi ist einer der besten Fußballer der Welt, weil er in jeder Hinsicht alles schneller macht, als jeder andere Spieler auf diesem Planeten. Gegen ihn zu spielen, war eine sehr gute Erfahrung für mich", blickt „Papas" zurück auf das Duell gegen den argentinischen Weltstar.

Ob Kommentator, Stadionsprecher oder Weltfußballer - Werders Mann mit der Rückennummer 22 hat in seiner bislang noch jungen Karriere bereits so manchen auf sehr vielfältige Art und Weise das Fürchten gelehrt. Während „Arni" und „Stolli" am kommenden Samstag nicht mehr vor Sokratis' Nachnamen zittern müssen, erhofft sich die grün-weiße Anhängerschaft, dass der griechische Nationalspieler in seinem ersten Nordderby seine sportlichen Qualitäten erneut unter Beweis stellen wird.

von Timo Volkmann