Mentale Explosionsgefahr nach spätem Gegentor

Wollte es einfach nicht wahrhaben: Auch Markus Rosenberg konnte seine Enttäuschung nach Schlusspfiff nicht verbergen.
Profis
Samstag, 24.03.2012 // 19:22 Uhr

Florian Hartherz niedergeschlagen: "Ich habe noch nicht viele Bundesliga-Spiele gemacht, aber dieser Ausgleich ist auf jeden Fall der bitterste Moment in dieser Zeit. Das war alles sehr unglücklich. Jentzsch geht zum Ball hebt dann ab und der Schiedsrichter ist darauf reingefallen. In dieser Situation ist er sicher ein unglücklicher Mensch. Für mich ein falscher Freistoß." Doch Hartherz schiebt auch selbstkritisch nach: "Wir müssen in solchen Situationen aber auch ruhiger bleiben, klarer agieren." Auch Torschütze Niclas Füllkrug haderte mit den letzten Sekunden: "Auf der Bank bist du verrückt geworden. Da kannst du nichts machen. Es hätte Freistoß für Basti Boenisch geben müssen, weil der Augsburger den Laufweg versperrt ohne am Ball zu sein. Ich habe dann gehofft, das nichts passiert, aber das war vergebens."

Diese Nachspielzeit hat vieles zunichte gemacht. Es hätte ein tolles Fußballfest werden können, die jungen Wilden des SV Werder hätten ein wichtiges Erfolgserlebnis feiern können, und für die Europa-League-Qualifikation wären es Big Points gewesen. Doch diese Schlussphase hatte der Fußballgott nicht für Werder geschaffen. Nicht-geahndetes Handspiel, unglücklicher Eckball, umstrittener Freistoß, zwei Minuten Nachspielzeit längst abgelaufen, Gegentor, Schlusspfiff, Riesenenttäuschung! Puls 280, mentale Explosionsgefahr!

Den Unmut des jungen Teams konnte Geschäftsführer Klaus Allofs nachvollziehen: "Der Unmut kommt ja nicht aus heiterem Himmel. Da gab es ein Foul an Boenisch, Jentzsch wird aus meiner Sicht nicht gefoult. Vorher noch die Szene, als wir den Ball ins Aus spielen, und als wir den Ball wieder bekommen, wird sofort Pressing gespielt. So etwas ist nicht im Sinne des Fairplay-Gedanken. Das ist alles in Kombination mit unserer eigenen personellen Situation schwierig für das Team."

Auffällig war: Je routinierter die Werderaner waren, die die Nachspielzeit bewerteten, desto sachlicher wurden auch die eigenen Fehler beleuchtet. Sokratis wollte sich zum Schiri nicht äußern, wohl aber dazu: "Wir müssen uns am Ende sagen lassen, dass wir in so einer letzten Minute einfach konzentrierter und cleverer sein müssen." Cheftrainer Thomas Schaaf konnte sich ebenfalls schnell abkühlen und bewertete es so: "Bei diesem Freistoß müssen wir uns besser anstellen. Das Tor ist zu vermeiden. Daran müssen wir arbeiten." Den Schiedsrichter kritisierte er nicht, prangerte jedoch wie schon oft, die fehlende Verlässlichkeit bei Entscheidungen an: "In dieser Saison wird es diese Situation noch 20 Mal geben und sie wird 20 Mal anders bewertet werden."

aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph, Dominik Kupilas und Timo Volkmann