Prödl-Tor bei Comeback: "Geschichten, die der Fußball schreibt"

Hinein ins Glück! Sebastian Prödl markierte bei seinem Comeback nach zweimonatiger Leidenszeit den Treffer zum 2:0.
Profis
Sonntag, 11.03.2012 // 19:31 Uhr

Dass der 24-Jährige im „kleinen" Nordderby wieder in der Startelf auftauchte, war der kurzfristigen Erkrankung von Winter-Neuzugang Francois Affolter geschuldet. „Der Trainer hat uns heute Morgen beim Frühstück darüber informiert, dass Francois an einem Darmvirus leidet und die Nacht nicht gut verbracht hat. Da habe ich dann auch erfahren, dass ich spielen werde", so der 24-Jährige, der sich durch die kurzfristige Nominierung aber nicht aus dem Konzept bringen ließ.

Was für ein Tag für Sebastian Prödl. Sieben Wochen nach der schweren Gesichtsverletzung, die er im Spiel beim 1. FC Kaiserslautern erlitt, feierte der Österreicher überraschend sein Startelf-Comeback und steuerte beim 3:0-Erfolg über Hannover 96 prompt einen Treffer bei - per Kopf. Geschichten, die der Fußball schreibt. „Es ist ein schönes Gefühl, wieder bei der Mannschaft zu sein, auf dem Platz zu stehen und Erfolgserlebnisse zu feiern", freute sich Prödl über den gelungenen Nachmittag.

Im Gegenteil: „Es war gut, dass ich ins kalte Wasser geworfen wurde und direkt voll gefodert war", so Prödl, der schnell zu seinem Spiel fand. „Ich habe versucht, alles zu geben, auch mit dem Kopf. Die ersten zwei, drei Kopfballduelle habe ich ohne Probleme geführt, das hat mir Sicherheit gegeben. Aber wenn ich Angst gehabt hätte, dann hätte ich dem Trainer im Vorfeld sagen müssen, dass ich nicht spielen kann."

Zweifel an der Einsatzfähigkeit seines Innenverteidigers hatte Thomas Schaaf nicht. „Dass er bereit ist, hat er schon am Dienstag beim Testspiel in Lüneburg und unter der Woche im Training aufgezeigt. Er war zwar etwas überrascht, hat sich von der Situation aber nicht verrückt machen lassen und ist ohne Einschränkungen seinem Spiel nachgegangen", so der Coach. Und auch Klaus Allofs lobte den Abwehrmann. „Er ist eine echte Option, die uns in den letzten Wochen gefehlt hat. Die Verletzung war für ihn ein sehr schlimmes Erlebnis, aber er hat am Dienstag schon gespielt, und wenn er nicht absolut sicher gewesen wäre, dann hätten wir das heute nicht gemacht. Nach meiner Erfahrung vergisst man dann sowas aber sehr schnell als Profi."

Dass die Verletzung während der 90 Minuten tatsächlich kein Thema war, machte Prödl deutlich. „Ich habe mir die Szene nicht im Fernsehen angeschaut und dabei wird es auch bleiben. Ich versuche die Situation bestmöglich auszublenden, sonst gäbe es viel zu viele negative Szenen, die mich hemmen würden. So blicke ich optimistisch in die Zukunft", erklärte der österreichische Nationalspieler, der von den anwesenden Journalisten nicht zuletzt wegen seines ansehnlichen Treffers zum zwischenzeitlichen 2:0 zum TARGOBANK „Man of the Match" gewählt wurde.

Das Tor war für Prödl das i-Tüpfelchen auf einen rundum erfolgreichen Tag. „Der Ball von Memo kam überragend, ich musste nur noch einnicken. Das war ein sehr emotionaler Augenblick, eine Befreiung. In einigen Jahren werde ich sicher darüber schmunzeln, dass der Fußball solche Geschichten schreibt, aber jetzt muss ich das erst mal verdauen und weiter an mir arbeiten." Dass er nach dem Kopfballtreffer in die Arme von Fitnesstrainer Yann-Benjamin Kugel stürmte, war ein „kleines Dankeschön. Benni hat mich sehr gut betreut und mich wieder fit gemacht. Ich war selber überrascht, dass ich schon wieder so fit war, aber ab der 80. Minute wurde ich dann müde. Mein Dank gilt aber auch Dr. Francois Lanners, meinem Operateur, und natürlich auch meiner Familie, meiner Freundin und Freunden, die an mich geglaubt haben."

Glauben tut Prödl auch fest an das Erreichen des internationalen Wettbewerbs. „Das waren sehr wichtige Punkte, durch die wir den Vorsprung auf Hannover ausgebaut haben. Wir wissen aber auch, dass wir in der ersten halben Stunde zu viele Chancen zugelassen haben und müssen daher für die kommenden Wochen gewarnt sein." Heute wird Prödl aber noch den Tag genießen.

Aus dem Weser-Stadion berichten Dominik Kupilas, Michael Rudolph und Timo Volkmann