Sorgen um Naldo, Schaaf "unter Dampf"

Heißes Training in kühler Nacht bescherte am Mittwochabend in Belek tolle Bilder. Cheftrainer Thomas Schaaf hier mit einer Trainingsgruppe bei der Taktikbesprechung.
Profis
Mittwoch, 04.01.2012 // 22:11 Uhr

Es war die Szene des Tages: Nach dem ersten Training im türkischen Belek standen Geschäftsführer Klaus Allofs, Cheftrainer Thomas Schaaf, Mannschaftsarzt Dr. Götz Dimanski und Fitnesstrainer Yann-Benjamin Kugel um den Abwehrchef der Grün-Weißen herum.

Sie umringten Naldo und es herrschte gut 20 Minuten ein intensiver Gedankenaustausch. Die Köpfe rauchten, nicht nur wegen der Kälte, die inzwischen aufgekommen war. Naldo war das Sorgenkind des Tages.

Die Schlagzeilen um ein Angebot aus Porto Allegre, die am Morgen noch die Bremer Medien beherrschten, traten plötzlich in den Hintergrund, denn Naldo musste etwa zehn Minuten vor dem Ende das Training abbrechen. „Er hat Probleme an der Außenseite des linken Knies. Das ist eine neue Verletzung. Wir reden nicht über sein Knie, dass ihn im letzten Jahr so zu schaffen machte. Wir werden das jetzt checken und weitere Untersuchungen vornehmen. Vielleicht geht es wieder, vielleicht fällt er ein paar Tage aus, wir werden sehen, was kommt", stellte Cheftrainer Thomas Schaaf zwar sachlich klar, aber seine Emotionen konnte er wie schon im Gespräch mit dem Brasilianer nicht verbergen. „Ich mache mir einfach Sorgen, dass so ein wichtiger Spieler gleich am ersten Tag ausfällt. Das ist für einen Trainer kein Grund zur Freude."

Schaaf weiter: „In der Sache ist schon kräftig Dampf drin, wir sind unglücklich damit, wenn ich mir überlege, dass wir ohne ihn weiterarbeiten müssten. Wir haben zuletzt genügend Gegentore bekommen, die Abwehr ist da ein wichtiger Punkt, an dem wir arbeiten müssen und jeder weiß, was Naldo da nach seiner Rückkehr für uns bewegen konnte."

Der Werder-Coach musste wohl auch deshalb kräftig Dampf ablassen, da es für ihn innerhalb von 24 Stunden der zweite Leistungsträger wäre, den er aus seinem Arbeitskreis streichen muss. Erst spät am Dienstagabend hatte er Aaron Hunt in die Reha entlassen, nachdem sich der Mittelfeldspieler im Training beim „Acht-gegen-drei-Kicken" eine Adduktorenverletzung zugezogen hatte. Das Trainingslager war danach für ihn kein Thema mehr. Felix Kroos durfte daraufhin die Sporttasche packen. „Ich habe gegen 20 Uhr erfahren, dass ich doch mitfahren kann und kurz mit den Zeugwarten Kontakt aufgenommen. Das ging alles ganz schnell. Aber da fragt man als Spieler nicht lange nach", verriet Kroos am Vormittag im Mannschaftsflieger.

Neben den beiden Hiobsbotschaften verblassten die guten Nachrichten des Anreisetages. Die Werder-Profis brachten einen Wetterumschwung mit an die türkische Riviera und durften bei strahlendem Sonnenschein und 15 °C in eines der besten Hotels der Türkei einziehen. Das Maxx Royal kam bei den Grün-Weißen gut an. „Was ich bis jetzt gesehen habe, sind wir in einem sehr schönen Hotel untergebracht. Das gilt auch für die Trainingsbedingungen. Der Rasen ist in gutem Zustand, das Flutlicht ist sehr gut, so dass wir auch abends beste Bedingungen haben", lobte Schaaf, das Gelände mit zweieinhalb Fußballfeldern, das sich nur etwa 200 Meter vom Haupteingang der Nobelherberge ausbreitet.

Den Trainingsplan für den ersten vollen Arbeitstag in Belek hatte er da längst vorbereitet. Schaaf lädt die Profis am Donnerstagmorgen vor dem Frühstück zu einer nicht-öffentlichen Trainingseinheit, dann um 11 Uhr geht es auf den Platz und am späten Nachmittag wird die nächste Einheit folgen. „Über die Uhrzeit werde ich mir noch Gedanken machen", so der Coach, dem sicher noch einiges durch den Kopf gehen wird.

Aus Belek berichten Michael Rudolph und Dominik Kupilas