Aaron Hunt: Von Traumhochzeit und Reha-Training

Bereitet sich im Fitnessraum mit 'Physio' Sven Plagge auf eine baldige Rückkehr zur Mannschaft vor: Aaron Hunt.
Profis
Freitag, 06.01.2012 // 17:41 Uhr

Aaron, mit deiner Verletzung zum Trainingsauftakt bist du denkbar schlecht ins neue Jahr gestartet. Wie hast du dir denn die Verletzung zugezogen?

Mittwochmorgen, 9 Uhr. Abflug ins Trainingslager nach Belek. Wer fehlte? Aaron Hunt! Warum? Werders Mittelfeldmann hatte sich tags zuvor beim „Kreisspiel" an den Adduktoren verletzt. Der erste Teil der Vorbereitung auf die Bundesliga-Rückrunde musste folglich ohne den 25-Jährigen starten. Gemeinsam mit ‚Physio' Sven Plagge absolviert Hunt zurzeit ein Reha-Programm im Fitnessbereich des Weser-Stadions. Rad fahren, Behandlungen an der verletzten Stelle sowie Koordinations- und Stabilitätsübungen stehen vorerst auf der Tagesordnung. WERDER.DE hat Aaron Hunt bei seinen Reha-Maßnahmen im Fitnessraum besucht. Ein Gespräch über seinen aktuellen Verletzungsstand, die ‚Einsamkeit' an der Weser und seine türkischen Tanzkünste.

Aaron Hunt: „Ich habe beim Kreisspiel eine blöde Bewegung, einen zu langen Schritt gemacht. Es hat dann sofort in den Leistenbereich hineingezogen. Ich bin daraufhin zum ‚Doc' gegangen und habe eine MRT vornehmen lassen. Dabei hat sich herausgestellt, dass ich erst einmal pausieren muss."

Wie geht es dir jetzt?

Aaron Hunt: „Es ist immer noch schmerzhaft, vor allem, wenn ich Drehbewegungen mache. Das tut ganz schön weh."

Wenn du vor Schmerzen schreien würdest, würde dich vermutlich niemand hören. Es ist ziemlich ruhig und leer hier. Das Team und der Betreuerstab sind in Belek. Ohne dich. Ein komisches Gefühl?

Aaron Hunt: „Es ist kein komisches Gefühl, es war einfach die richtige Entscheidung. Ich bin jetzt nun mal verletzt und kann nicht trainieren, von daher ist es am sinnvollsten, dass ich hiergeblieben bin. Ich kann hier besser therapiert werden als in der Türkei."

Jetzt teilst du dir den Fitnessraum mit ‚Boro'. Wie ist es so mit ihm?

Aaron Hunt: „‚Boro' macht das schon länger mit als ich. Er hat da Routine. Ich kenne ihn schon eine gefühlte Ewigkeit. Sven, ‚Boro' und ich sind nun den ganzen Tag alleine hier. Aber das funktioniert."

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Aaron Hunt: „Momentan kann ich noch nicht laufen. Nächste Woche könnte dies aber der Fall sein. Da muss ich jedoch abwarten und von Tag zu Tag schauen. Ich hoffe natürlich, dass ich zur Rückkehr der Mannschaft aus Belek soweit bin, dass ich wieder mitwirken kann. Das ist mein Plan."

In der Hinrunde hast du in vielen Begegnungen bewiesen, wie wertvoll du für die Mannschaft bist. Bei deinem letzten Pflichtheimspiel gegen Stuttgart hast du die wichtige 1:0-Führung erzielt. Danach ging es sportlich abwärts. Rot und die Niederlage in München, drei Spiele Sperre und zum Jahresbeginn auch noch die Verletzung...

Aaron Hunt: „Es ärgert mich, dass ich gesperrt bin. Das war eine dumme Aktion. So darf ich einfach nicht in den Zweikampf gehen. Gegen Kaiserslautern werde ich unabhängig meiner Verletzung fehlen. Mein Ziel ist, zuhause gegen Leverkusen wieder richtig fit zu sein."

Kommt dir die Spielsperre gegen Lautern sogar entgegen, weil du dir selbst nicht den Druck auferlegen musst, bereits am 21. Januar wieder einsatzbereit zu sein?

Aaron Hunt: „Für mich persönlich ist das ein kleiner Vorteil. Ich habe eine weitere Woche Zeit, um die Grundlagen aus dem Trainingslager in Belek nachholen zu können. Für das Team aber nicht, ist das sicher nicht so toll."

Glaubst du, dass du trotz dieser langen Pause schnell wieder zur alten Form zurückfinden kannst?

Aaron Hunt: „Ja, auf jeden Fall. Darüber mache ich mir gar keine Gedanken. Wir haben als Mannschaft ein Ziel, dass wir alle gemeinsam am Saisonende erreichen wollen. Wie jeder andere werde ich alles dafür tun."

Eine Halbserie ist jetzt rum. Was lief bislang gut, was muss besser werden?

Aaron Hunt: „Zu Saisonbeginn hat alles gepasst. Mitte der Hinrunde haben wir leider etwas nachgelassen. Das haben wir vor allem in den Auswärtsspielen schnell gemerkt. Dort sind wir nicht gut aufgetreten, haben zu einfach die Tore bekommen. Dies war manchmal auch im Weser-Stadion der Fall, wo wir allerdings dann die Stärke hatten, zurückzukommen und die Spiele noch zu drehen. Das war eindrucksvoll. Daran müssen wir ansetzen, um auch in der Fremde noch mehr Punkte zu holen.

Was wird am Saisonende für eine Platzierung herausspringen?

Aaron Hunt:„Wir stehen jetzt schon ganz gut da, haben Kontakt zu Gladbach. Solange wir diesen nicht gänzlich abreißen lassen, können wir noch auf den vierten Platz schielen."

Sportlich steht ihr gut da, im Privatleben läuft es sogar sehr gut. Deine Hochzeitsbilder waren in allen Bremer Zeitungen zu sehen...

Aaron Hunt: „Auf jeden Fall. Es war sehr schön. Meine Frau und ich hatten die Möglichkeit, mit unseren ganzen Freunden zu feiern. Das war eine gelungene Veranstaltung, die sehr viel Spaß gemacht hat. Es waren all die Leute dort, die ich am liebsten um mich herum habe. Ich konnte den Abend ganz ausgelassen genießen."

Eine deutsch-türkische Hochzeit. Erzähl doch mal...

Aaron Hunt: „Es war eine richtig gute Party, mit türkischen Elementen. Die Geschenke haben wir direkt nach dem ersten Tanz bekommen. Für die Musik hat eine deutsch-türkische Band gesorgt. Es wurde bereits ab 19 Uhr getanzt. Morgens um 5 Uhr sind dann die letzten gegangen. Die Stimmung war toll."

Und du mittendrin. Bist du denn auch der türkischen Tanzkultur ein Stück näher gekommen?

Aaron Hunt: (lacht) „Ich beherrsche die Schritte nicht wirklich, aber ich habe es versucht. Ich glaube, dass es mir nicht gelungen ist. Aber zumindest habe ich keine negativen Kritiken bekommen."

Wie stellst du dir nun die weitere gemeinsame Zukunft mit deiner Frau und deinem Sohn vor? Gibt es bald einen weiteren ‚Huntinho' im Hause Hunt?

Aaron Hunt: (lacht) „In zwei, drei Jahren vielleicht. Kurzfristig aber nicht. Wir sind momentan glücklich und zufrieden, privat ist alles in Ordnung. Jetzt muss es nur noch mit Werder besser werden."

Das Interview führte Timo Volkmann