Matchwinner: Aarons Big Point vor der Ostkurve

Schrie seine Freude nach seinem Elfmetertreffer heraus: Werders Aaron Hunt.
Profis
Samstag, 20.08.2011 // 20:09 Uhr

Das Weser-Stadion hätte in dieser 87. Minute auch ohne Photovoltaikanlage Strom produziert. Hochspannung knisterte zwischen Ost- und Westtribüne. Die Psycho-Achterbahn war gerade in den Keller gerauscht, 3:3 nach 84 Minuten, Pizarro raus und jetzt Elfmeter vor der Ostkurve. Die Werder-Profis halten Sicherheitsabstand, Aaron Hunt stellt sich demonstrativ an den Punkt. Gemurmel auf den Rängen, Kauleisten knacken, Haare werden gerauft. Hunt bleibt ganz cool, satter Linkschuss rechts unten. Entladung auf den Rängen und im Trikot mit der Nummer 14. Erster Gratulant: Kapitän Mertesacker!

Das Spiel hatte die endgültige entscheidende Wendung genommen. "Mir war sofort klar, dass ich den schießen werde, ich habe mich gut gefühlt. Das Gemurmel hinter dem Tor musst du halt aushalten. Es ist doch klar, dass es eine wichtige Szene werden würde, dass damit Riesenerwartungen verbunden waren und alle mitgelitten haben", sinnierte Aaron Hunt und legte schmunzelnd nach: "Als ich am Punkt stand, hatte ich schon das Gefühl, dass alle anderen im Team damit nicht unzufrieden waren."

Es war ein Big Point für die Nummer 14, die sich wieder zum Dauerbrenner in Schaafs Planungen aufschwingt. "Heute kann ich zufrieden sein, auch wenn immer noch die letzte Überzeugung in meinen Aktionen fehlt, aber mit solchen Szenen kommt sie nach und nach wieder", so der 24-Jährige glücklich, der genau weiß, dass er von den Rängen besonders beobachtet wird. "Für mich ist das nach der letzten Saison eine genau so wichtige Spielzeit wie für die gesamte Mannschaft. Und es läuft gut, ich habe die Vorbereitung ohne Beschwerden überstanden und habe im Team die Akzeptanz und das Vertrauen des Trainers. Jetzt möchte ich mich weiter steigern."

Geschäftsführer Klaus Allofs gefällt diese Reaktion: "Solche Momente wie heute, sind Szenen, in denen du dich positionieren kannst. Man kann nicht immer drauf warten, einen Elfer beim Stand von 3:0 reinzumachen, man muss als Leistungsträger in so einer Situation antreten. Das wird ihn heute wieder einen Stück weiterbringen." Allofs weiter: "Aaron braucht für sein Spiel mehr Anerkennung." Dass er von einem Tag auf den anderen zum Publikumsliebling werden wird, erwartet Allofs nicht, aber er sieht diese Beziehung auf einen guten Weg. "Er war ganz nah dran an der Nationalmannschaft und musste auch eine gewisse Enttäuschung verarbeiten, aber er macht jetzt viele Dinge besser. Das merken die Fans auch. Wichtiger wird für Aaron aber ohnehin sein, dass er innerhalb der Gruppe einen hohen Stellenwert hat."

Für Cheftrainer Thomas Schaaf steht das ohnehin außer Frage. Dass Hunt in dieser Atmosphäre starke Nerven unter Beweis gestellt hat, wunderte ihn nicht. "Ich fand das richtig gut. Er hat gezeigt, dass er bereit ist. Seine Leistungen gehen nach oben, er übernimmt Verantwortung, bei uns hat es jeden gefreut, dass dieser Ball heute drin war."

Teamkollege Marko Marin bestätigt das: "Das war super von ihm. Ich hatte meinen letzten Elfer bekanntlich verschossen. Keiner unserer eingeteilten Schützen stand auf dem Feld und er hat sich gut gefühlt." Hunt genoss dieses Happyend im Fußball-Thriller im Stillen. In der Mixed-Zone waren vor allem die Teamkollegen gefragt. Das störte ihn nicht. Er hat schon wieder Hoffenheim im Visier. "Jetzt müssen wir auswärts nachlegen. Am besten schon nächste Woche."

Aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph, Dominik Kupilas und Timo Volkmann