Boenisch vor Rückkehr nach Bremen: Ohne Druck und mit viel Geduld arbeiten

Möchte bald wieder ohne Verletzungssorgen im Weser-Stadion auflaufen können: Sebastian Boenisch.
Profis
Montag, 05.09.2011 // 13:02 Uhr

Vor rund einem Jahr verletzte sich Sebastian Boenisch am Knie und fällt seither aus. Die lange Leidenszeit des 24-Jährigen soll bald ein Ende haben. WERDER.DE hat den Außenverteidiger in Düsseldorf erreicht, wo er derzeit seine Reha absolviert. Gut gelaunt hat Boenisch über seine Verletzung, Mertes Abgang, das Länderspiel zwischen Polen und Deutschland und seine Rückkehr nach Bremen gesprochen.

 

Hallo Basti, wenn ich dich fragen würde, was vor einem Jahr war, wüsstest du, worauf ich anspiele?
Na klar. Meine Verletzung jährt sich in diesen Tagen zum ersten Mal.

Sicherlich kein Grund zum Feiern, oder?
Auf keinen Fall. Gefeiert wird, wenn ich wieder auf dem Platz stehe.

Da müssen sich die Fans noch ein wenig gedulden, aber wie geht es dir denn?
Mir geht‘s ganz gut. Ich mache Fortschritte, die alle zufriedenstellen, auch mich. Das Laufen klappt zum Beispiel inzwischen schon wieder sehr gut. So kann es weitergehen.

Du machst deine Reha in Düsseldorf. Die Fans in Bremen haben dich deshalb schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen...

Beim Tag der Fans war ich da, aber ansonsten bin ich in Düsseldorf, das stimmt.

Haben dich die Anhänger denn wiedererkannt? Oder wurdest du als Neuzugang abgestempelt?
Das denke ich schon (lacht). Ich habe mich optisch ja kaum verändert, bin durch das Krafttraining vielleicht etwas breiter geworden bin. Die Fans in Bremen sind einmalig und haben mir auch während der Verletzung immer gut zugeredet. Aber wenn ich denn dann wieder fit bin, dann bin ich ja quasi ein Neuzugang (lacht).

Dennoch fragen sich viele Anhänger, warum du deine Reha nicht in Bremen machst und sie dich öfter antreffen können!

Im Prinzip könnte ich auch in Bremen alles machen, aber meine Eltern und Freunde wohnen hier in der Nähe und meine Verlobte Tatjana kommt auch immer her, wenn sie kann. Das ist eine große Hilfe für mich und lenkt natürlich auch davon ab, dass man nicht spielen kann. Außerdem ist es sehr schwierig, wenn man verletzt ist, täglich in die Kabine kommt und alle können spielen, aber du nicht. Das ist auch eine Kopfsache.

Hattest du denn überhaupt schon eine Gelegenheit, die Neuzugänge kennenzulernen?
Ja, das schon. Lukas Schmitz hat meine Wohnung übernommen, deshalb hatten wir schon Kontakt, bevor die Vorbereitung losging. Die anderen habe ich kennengelernt, als ich in der Kabine war. Es sind alles gute Jungs, die ihre Sache in den bisherigen Spielen gut gemacht haben.

Apropos Spiele. Beim Heimspiel gegen den SC Freiburg haben wir uns im Stadion getroffen. Hast du dich da persönlich von den Qualitäten der Mannschaft überzeugt?
Bei den Spielen im Weser-Stadion bin ich immer da. Auch beim Nordderby gegen den HSV werde ich den Jungs wieder von der Tribüne aus die Daumen drücken. Leider kann ich Merte da nicht mehr sehen.

Aber das Quartier der deutschen Nationalmannschaft war letzte Woche doch in Düsseldorf, also fast bei dir in der Nachbarschaft...
Ja, das stimmt. Aber ihr wisst doch, dass die Spieler sehr eingespannt sind und nicht einfach so raus kommen können.

Bedauerst du den Wechsel von Per?
Merte war ein verdammt wichtiger Spieler für uns und ein super Typ, mit dem ich mich gut verstanden habe. Wir haben viel zusammen gelacht und auch auf dem Platz viel gemeinsam erlebt. Es ist sehr schade, aber es gibt keinen Fußball, der so ein Angebot ausschlagen würde, wenn ein englischer Topklub anklopft. Für ihn ist der Wechsel eine gute Sache, für uns ein schwerer Verlust.

Könnte es für dich denn nicht sogar ein Vorteil sein, dass nun ein Defensivspieler weniger im Kader ist?

Diese Gedanken mache ich mir nicht, ich denke da eher an die Mannschaft. Außerdem hat Per nicht meine Position gespielt und war daher auch kein direkter Konkurrent. Wie ich schon sagte, ist der Abgang ein Verlust für uns, aber ich denke, dass wir weich fallen werden. Mit Wolf und Sokratis haben wir sehr gute Innenverteidiger dazugewonnen. Sokratis gehörte für mich zuletzt immer auch immer zu den besten. Und außerdem bin bald ja auch wieder da (lacht).

Am morgigen Dienstag hättest du - wenn du fit wärst - auch eine Gelegenheit gehabt, dich von Per zu verabschieden.
Was soll ich dazu sagen? Natürlich hätte ich gerne gespielt. Spiele zwischen Polen und Deutschland sind Klassiker und als ich mich das erste Mal verletzt habe, war diese Begegnung eines meiner Ziele.

Mit was für einem Spiel können die Fans morgen rechnen?
Es sind immer enge Duelle zwischen Polen und Deutschland. Wer uns kennt, der weiß, dass wir auch morgen Vollgas geben und den Deutschen das Leben schwer machen werden.

Ist die Europameisterschaft im nächsten Sommer in Polen und der Ukraine weiterhin ein realistisches Ziel für dich?
Das ist noch fast ein Jahr hin. Körperlich schaffe ich es also auf jeden Fall und natürlich würde ich mich sehr freuen, wenn ich dabei bin und auch darüber, wenn wir in der Gruppe gegen Deutschland spielen würden.

Nun aber mal wieder zurück zu Werder. Wie ordnest du den Saisonstart ein?
Die ersten Spiele waren absolut in Ordnung und auch das Spiel in Leverkusen muss man nicht verlieren. Man merkt jedenfalls schon deutlich, dass wir eine andere Grundlage haben, als letzte Saison. Da waren wir vom Pech verfolgt und konnten uns nie einspielen, weil der Trainer aufgrund von Verletzungen immer umstellen musste. Das war dieses Mal anders. Wir haben eine schlagkräftige Mannschaft, die deutlich gefestigter ist.

Naldo konnte in der Bundesliga noch nicht helfen, hat Mitte August beim Testspiel gegen St. Pauli aber nach 15 Monaten sein Comeback gefeiert. Verfolgst du das besonders, weil auch du so lange raus bist?
Wir haben uns alle sehr gefreut, dass Naldo wieder auflaufen konnte. Ich kann ihn verstehen, dass er gerne auch wieder in der Bundesliga spielen möchte. Wenn man so lange raus war, dann kribbelt es. Aber der Trainer hat eine gewisse Verantwortung und nach so langer Zeit muss man sich erstmal wieder an die Belastung gewöhnen. Und die ist in der Bundesliga nochmal eine andere, als in Testspielen.

Kribbelt es denn bei dir auch schon?
Natürlich. Ich kann es kaum erwarten, wieder auf dem Platz zu stehen, werde aber nichts überstürzen. Ich habe bei mir im Hinterkopf, dass ich zu Beginn keine Rolle spielen werde und habe auch keinen Druck. Mein Ziel ist es nicht in den nächsten zwei Monaten wieder Stammspieler zu sein. Es ist viel wichtiger, dass ich wieder im Kreise des Teams bin und für mich arbeiten kann.

Und was ist dein Ziel?
Ich möchte in der Wintervorbereitung top, top fit sein und das ganze Programm mitmachen. Da werden dann die Karten wieder neu gemischt.

Und wann können die Fans dich wieder regelmäßig am Weser-Stadion antreffen?
Ich habe am 13.09. noch einmal einen Termin bei Dr. Boenisch in Augsburg. Ich habe mir vorgenommen, danach wieder zurückzukommen.

Das wäre ja nicht mehr lange hin. Wir drücken die Daumen, dass es klappt, lassen dich aber nicht gehen, ehe du einen Tipp für das Länderspiel morgen abgegeben hast.
Ich tippe 2:1 für Polen. Wir werden den Deutschen das Leben schwer machen und am Ende knapp gewinnen.


Das Interview führte Dominik Kupilas