Der „Junge mit dem weichen Herz“

Profis
Sonntag, 08.01.2012 // 16:46 Uhr

Seit Monaten hat Marko Arnautovic keine größeren Interviews gegeben. Dabei stapelten sich in der Pressestelle des SV Werder die Anfragen. Doch der österreichische Nationalspieler wollte raus aus den Schlagzeilen und sagte fast alle Aktivitäten ab. Im Trainingslager in Belek machte er eine Ausnahme. „Wenn ein Interview unbedingt nötig ist, dann führe ich es auch.

Wenn Tino, unser Mediendirektor, bei wichtigen Interviews nachfragt, sage ich immer zu. Aber ich habe mich mehr auf Fußball konzentriert und so werde ich es auch weitermachen." Das Ergebnis der letzten Monate des Verhaltens neben dem Platz überzeugte den oft extrovertierten Angreifer. „Neben dem Fußball war ich deutlich weniger in den Schlagzeilen. Und ich fühle mich so besser. Das ist doch auch nicht schön, wenn du sonst jeden Tag in die Zeitung schaust und immer nur schlechte Dinge über dich drinstehen oder ständig das Telefon läutet und irgendwer etwas wissen will."

Dass ihn diese Vorkommnisse aus seinem ersten Werder-Jahr geärgert haben, gibt der Österreicher freimütig zu. „Ich weiß nicht, was die Leute für ein Bild von mir haben, Aber sicher haben sich einige gefragt: Was ist das denn für ein Junge? Oder was hat er sich denn jetzt wieder dabei gedacht? Aber ich bin nicht der Bad Boy, für den mich alle halten. Ich will einfach nur Fußball spielen, aber das will ich mit Emotionen machen. Ich bin ein guter Junge, einer mit Herz, einer mit einem weichen Herz", gibt Arnautovic Einblick in seine Sicht der Dinge. 

Seinen sportlichen Auftritten hat die neue Zurückhaltung gut getan. Trotz einer verbesserten Leistung in dieser Spielzeit kommt die Selbstkritik bei Werders „Nr. 7" nicht zu kurz. „Ich bin gut in die Saison gestartet, doch dann kam diese Rote Karte gegen Hannover. Die darf mir nicht passieren. Die drei Spiele Sperre danach waren eine sehr lange Zeit, die mir sehr weh getan hat. Das hat mich sportlich zurückgeworfen. Die Rückkehr danach ist mir nicht so gut gelungen."

Mit einer konzentrierten Vorbereitung will der österreichische Nationalspieler sich wieder zurückkämpfen an die Seite von Claudio Pizarro, der im Werder-Angriff unverzichtbar scheint. „Ich muss mich weiter steigern. Vor allem muss ich mehr Tore schießen. Bisher ist das für mich und für die Mannschaft zu wenig. Dafür muss ich mich noch mehr einbringen."

Mit dem großen Ziel der Mannschaft, der Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb, identifiziert sich der Offensivspieler hundertprozentig. „Na klar, das wollen wir alle. Werder hat zuletzt immer in Europa gespielt. Dort gehören wir wieder hin." Die Voraussetzungen sieht der Stürmer gegeben: „Wir haben einen Trainer, der weiß, was er macht. Die Mannschaft hat das Zeug dazu."

Und Marko Arnautovic setzt sein Ziel um, nur für sportliche Schlagzeilen zu sorgen.

Aus Belek berichten Michael Rudolph und Dominik Kupilas