Prödl: „Der Stachel der Enttäuschung sitzt tief"

Enttäuscht und tief betrübt verließen die Werderaner am Samstag nach Schlusspfiff den Platz. Die Vorstellung war desaströs.
Profis
Samstag, 19.02.2011 // 20:25 Uhr

Die Erwartungen, die man seitens der Grün-Weißen in das Nordderby beim HSV gehegt hatte, waren groß. Die positive Tendenz der letzten Wochen wollte man bestätigen, mit einem Sieg wichtige Zähler im ...

Die Erwartungen, die man seitens der Grün-Weißen in das Nordderby beim HSV gesetzt hatte, waren groß. Die positive Tendenz der letzten Wochen wollte man bestätigen, mit einem Sieg wichtige Zähler im Kampf gegen den Abstieg sammeln. Umso größer war nach der 0:4-Klatsche die Enttäuschung bei den Werder-Profis. „Wir haben heute richtig auf die Mütze bekommen", konstatierte Thomas Schaaf gegenüber den Medienvertretern. „Das passiert sicherlich nicht so oft, aber heute hat es uns erwischt", so der Cheftrainer weiter. „Leider konnten wir die positive Tendenz der letzten Wochen nur in eine Halbzeit retten."

Dennoch sah es lange Zeit nicht nach einem derart deutlichen Ergebnis aus. Im ersten Durchgang boten die Grün-Weißen lange Zeit Paroli, standen defensiv sicher und nutzten nach vorne den Raum, der sich ihnen bot, für Konter. „Ein solches Ergebnis hätte ich am Anfang nicht erwartet", bestätigte auch Thomas Schaaf. „In der erste Halbzeit haben wir solide gespielt, dem Gegner das Leben schwer gemacht und mit zunehmender Dauer auch gute Aktionen nach vorne gehabt", so der Bremer Coach, „doch dann haben wir aus heiterem Himmel das Gegentor kassiert. Nach dem zweiten Gegentor haben wir dann nicht mehr an uns geglaubt, sondern waren mehr mit dem Ergebnis beschäftigt." Klaus Allofs ärgerte sich ebenfalls über den unnötigen Rückstand: „Bis zum 1:0 war der HSV verunsichert. Doch durch das erste Tor haben wir sie aufgebaut und anschließend zu Toren eingeladen. Wir hinken weit hinter unseren Erwartungen hinterher", so der Geschäftsführer, der sich vor allem über das Defensivverhalten der Grün-Weißen ärgerte. „Defensiv war das indiskutabel."

Torsten Frings taten vor allem die mitgereisten Werder-Fans leid. „Bei denen können wir uns nur entschuldigen. Die erste Halbzeit war noch okay, aber wie wir in der zweiten Hälfte gespielt haben, so dürfen wir nicht weitermachen", zeigte sich der Kapitän, der in der nächsten Woche aufgrund der fünften gelbe Karten fehlen wird, selbstkritisch. "Die Fans sind die Ärmsten, doch ein solches Ergebnis tut nicht nur den Anhängern weh, sondern auch uns ganz gewaltig", machte Sebastian Prödl deutlich. „Der Stachel der Enttäuschung sitzt tief und wir müssen uns den Vorwurf gefallen lassen, dass wir es verbockt haben", so der Österreicher. Aufgeben will bei den Grün-Weißen allerdings keiner. „Wir können jetzt nur noch intensiver weitertrainieren, noch mehr Videoanalysen machen und die Fehler abstellen. Auch wenn das vielleicht nur Parolen sind, wir müssen jetzt weiter hart arbeiten", gibt Torsten Frings die Marschroute für die kommenden Wochen vor.

„Wichtig ist, was für Lehren wir daraus jetzt ziehen. Wir haben in den letzten Wochen gute Ansätze gezeigt, da müssen wir wieder hinkommen. Das war ein rabenschwarzer Tag, der nicht so leicht zu verkraften ist. Ich weiß, dass wir aufstehen können und das werden wir auch wieder tun", gibt sich Per Mertesacker kämpferisch und voller Tatendrang.

Klaus Allofs fordert diese und sagt, dass nur noch Worte nicht mehr ausreichen: „Die Mannschaft muss sich jetzt der Kritik der Fans stellen, wir dürfen nicht viel Reden, sondern die Anhänger mit Leistung vom Gegenteil überzeugen." Sebastian Prödl fordert, dass „wir uns jetzt nicht runtermachen müssen, sondern gegenseitig aufbauen. Wir sitzen alle im selben Boot und können da nur gemeinsam rauskommen."

Und auch Clemens Fritz fordert, dass „wir jetzt den Kampf annehmen. Wir haben als Kollektiv versagt, müssen diesen Auftritt jetzt aber als Ausrutscher abhaken", so der 30-Jährige. Thomas Schaaf verspricht: „Wir werden zusehen, dass wir wieder andere Leistungen zeigen." Mut schöpft der 49-Jährige vor allem aus der Tatsache, dass „die Mannschaft auch schon andere Reaktionen gezeigt hat. Wir haben in den letzten Wochen gut gearbeitet und viele Dinge angesprochen. Leider passen die Ergebnisse nicht zu den Trainingsleistungen. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir wieder in die Spur finden werden."

aus Hamburg berichten Dominik Kupilas, Timo Sczuplinski und Marco Niesner