Pizarro: "Dort saßen wir mit Atemmasken in der Kabine"

Ortswechsel. Vom Spielfeld auf die Trainerbank? Für Claudio Pizarro momentan unvorstellbar.
Profis
Montag, 23.05.2011 // 14:01 Uhr

Er mag Pferde, liebt gutes Essen und hat stets ein Lächeln auf den Lippen. Kein anderer Werder-Profi kennt so viele Facetten von Thomas Schaaf, wie er. Er ist der einzige, für den ein absolutes Saisonhighlight noch folgt. WERDER.DE erwischte Claudio Pizarro in seiner ersten Urlaubswoche auf Ibiza. Der Peruaner nahm sich zwischen Badehose, Cocktails und Sommerfeeling die Zeit, um noch einmal zurückzublicken.

TEIL 2

Du hast davon gesprochen, deine Erfahrungen an junge Spieler weitergeben zu wollen. Das gilt aber sicher nicht nur bei Werder, sondern auch in der peruanischen Nationalmannschaft.
Ja, das stimmt. Es war mir sehr wichtig, wieder für mein Heimatland zu spielen. Deshalb wollte ich auch unbedingt zur Copa nach Argentinien.

Wann stößt du denn genau zum Team und wie sieht dein weiterer Vorbereitungsplan aus?
Anfang Juni geht's zur Nationalmannschaft. Es kann sein, dass ein Physiotherapeut von Werder mitkommt und mich während dieser Zeit begleitet. Eine hervorragende medizinische Betreuung ist für mich wichtig, damit ich fit bleibe. Da merkt man schon große Unterschiede zu den peruanischen Möglichkeiten. Das habe ich auch schon mit Thomas besprochen.

Das Turnier beginnt am 1. Juli. Was rechnest du dir für Chancen aus?
Ich glaube, wir haben eine sehr gute Mannschaft. Wir haben eine Chance, uns in der Gruppe durchzusetzen.

Ihr spielt gegen Mexiko, Chile und Uruguay. Das sind nicht gerade No-Name Teams.
Auf keinen Fall. Es wird sehr schwierig, aber wir wollen weiterkommen. Alle drei haben an der letzten WM teilgenommen und dort eine sehr gute Rolle gespielt. Mit Chile und Uruguay haben wir zwei Teams in der Gruppe, die momentan in Südamerika in einer Top-Verfassung sind. Wir hingegen haben die WM-Qualifikationsgruppe auf dem letzten Platz abgeschlossen. Um erfolgreich zu sein, müssen wir uns noch enorm verbessern.

Gibt es etwas, worauf du dich besonders freust bei der Copa America in Argentinien?
Es ist schon etwas Besonderes in den Stadien dort zu spielen. Die Stimmung ist einfach gut. Für mich ist es allerdings nicht das allererste Mal, dass ich in Argentinien auflaufen darf.

Sondern?
Ich habe 1998 mit meiner damaligen Mannschaft (Alianza Lima, Anm., d. Red.) bei der Copa Libertadores gegen River Plate gespielt. Zu Hause haben wir ein 1:1 geholt, in Argentinien dann aber 0:2 verloren.

Du hast die Stimmung in den Stadien angesprochen. Beschreib sie doch mal!
Die Fans sind einfach konstant laut. Die Zuschauer richten ihre Lautstärke zum Beispiel nicht nach Torchancen, wie es häufig in Deutschland der Fall ist. Sie machen ständig und durchgehend Lärm.

Es ist für dich nicht die erste Copa, an der du teilnimmst. Trotzdem in diesem Jahr eine ganz besondere...
Ja, absolut. Für uns als Mannschaft ist das Turnier eine Vorbereitung auf die WM-Qualifikation, die anschließend folgt. Aber auch für mich persönlich, um Dinge klarzustellen. Wir haben einen neuen Trainer, viele junge Spieler im Team, mit denen ich noch gar nicht zusammengespielt habe. Ich möchte sie alle kennenlernen.

Blicken wir mal ein paar Jahre weiter in die Zukunft. Du hast immer betont, dass du nach deiner aktiven Werder-Zeit gerne zurück in die Heimat gehen würdest. Ist dieser Plan noch aktuell?
Das spielt in meinen Gedanken natürlich eine Rolle, weil ich noch nie die Meisterschaft in Peru gewinnen konnte. Dieses Ziel habe ich noch vor Augen. Ich sage aber auch, dass es nur eine von mehreren Möglichkeiten ist. Definitiv beschlossen ist das sicher nicht.

Dann käme dabei aber nur dein Heimatverein Alianza Lima in Frage.
Ja. Ich bin mit Alianza zwei Mal Zweiter geworden. Ganz oben standen wir leider noch nie.

Ist das Fußballspielen in Peru überhaupt mit der Bundesliga vergleichbar?
Eigentlich nicht. Es sind 16 Teams in der Liga und man hat inklusive Meisterrunde und der Finalspiele 44 Partien zu absolvieren. Es gab da schon einige Geschichten, die man sich in Deutschland so nicht vorstellen könnte.

Na, dann erzähl mal.
Ich erinnere mich an Spiele, wo wir in der Halbzeit mit Atemmasken in der Kabine saßen. Lima liegt ziemlich niedrig im Tal, aber andere Stadien sind auf über 3.000 Metern. Da bist du nach ein paar Minuten völlig erschöpft und brauchst Sauerstoff, weil die Luft so dünn ist.

Ein Haus in den Bergen Perus. Ist das für dich auch ein Traum für die Zeit nach deiner Karriere?
Ich würde schon gerne mit meiner Familie in Europa bleiben. Aber genau festgelegt haben wir uns da noch nicht.

Du denkst also auch manchmal schon an die Zeit nach deiner aktiven Karriere.
Klar macht man sich Gedanken, aber momentan habe ich noch großen Spaß daran, Fußball zu spielen. Darauf will ich mich jetzt konzentrieren.

Trotzdem noch einmal der Blick in die Zukunft. Käme für dich denn der Trainer-Job irgendwann in Frage?
Nein, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ich habe viele Trainer gesehen und weiß, welchen Stress sie haben. Ich habe als Spieler schon genug Druck, da muss ich nicht noch Trainer werden. Ich möchte mir nach meiner Karriere auch erst einmal mehr Zeit für meine Familie nehmen.

Durch die vielen Reisen und Termine haben deine Kinder sicher einige Male auf den Papa in Bremen warten müssen.
Als Profi hast du oft nicht so viel Zeit, mal ein paar Tage mit deinen Kindern etwas zu unternehmen, dich mit ihnen noch mehr zu beschäftigen. Als Trainer würde sich das sicherlich nicht ändern. Eher würdest du noch mehr Zeit im Beruf aufbringen müssen.

Außerdem würde dann auch mehr Freizeit für deine Hobbys bleiben.
Ja, genau. Mir macht es beispielsweise sehr viel Spaß mich mit Pferden auseinanderzusetzen. Ich würde gerne einmal in meinem Leben beim Dubai World Cup oder dem Kentucky Derby in Louisville dabei sein.

Welche Schlagzeile würdest du in der nächsten Saison am liebsten über dich lesen?
...dass ich keine Verletzung habe!

Und dein sportliches Ziel?
...dass Werder Bremen Deutscher Meister wird.

 

Das Interview führte Marco Niesner